Der Liedermacher und Sänger Oleg Gasmanow hat sich mit einem neuen Lied bei der sowjetischen Heimat und zugleich bei seiner verstorbenen Mutter entschuldigt. Das Video, in dem er zusammen mit dem Sänger Alexander Marschall das Lied aufführt, erreichte in russischen Netzwerken schnell Millionen Klicks und überwiegend zustimmende Kommentare.

Der heute 70-jährige Gasmanow galt dank solch beliebter Lieder aus den 1980er-Jahren wie “Frischer Wind” (geschrieben zwei Jahre vor dem Hit der Scorpions “Wind of Change”), “Schwadron meiner Gedanken“, “Jessaul” oder “Meine Herrn Offiziere” als Stimme seiner Generation. Seine Lyrik jener Epoche drückte den Wunsch nach Veränderung und Freiheit aus, die genannten Hits sind so etwas wie Hymnen von Michail Gorbatschows Perestroika. Erst später gesellten sich zum jugendlichen Optimismus und Elan nachdenkliche Töne. Gasmanow ist auch Autor solch populärer Hits aus späteren Schaffensperioden wie “Moskau” (die inoffizielle Hymne Moskaus schlechthin), “Vorwärts, Russland!” oder “Made in USSR“. 

Am Wochenende brachte er ein Video mit einem neuen Lied heraus, das schon jetzt als Vermächtnis jener Perestroika-Generation gelten kann, die überstürzt und euphorisch das Land gespalten und ein schlecht durchdachtes kapitalistisches Experiment gestartet hatte. Es ist eine bittere Bilanz und eine späte Einsicht. 

“Sie war keine glamouröse Diva,

Und auch ihr Stammbaum war einfach. 

Sie dachte nie an ihr persönliches Glück, 

Sie schuftete tagsüber und nachts.

Sie kümmerte sich um alles gleichzeitig, auch um uns,

Zog uns, junge Nerds, auf,

Versorgte uns, so gut sie es konnte,

Sie gab uns ihr Letztes.

Wir nörgelten und rümpften die Nasen,

Sie wollte uns das Denken beibringen, 

Schenkte manchmal Jeans und Kaugummi,

Doch wir wollten immer mehr, wollten viel.

Und wir dachten, sie hätte Unrecht,

Wir sprachen zu ihr auf verletzende Weise.

Sie sah uns schweigend in die Augen

Und ging fort mit einem Seufzer für immer.”

Dass Bildung, Bücher, Forschung, Weltraum und die zielstrebige Umsetzung großer Pläne wichtiger sind als Parmesan und 99 Sorten Wurst, von dieser Einsicht handelt dann die zweite Strophe.

“Heimat. Meine Mutter Heimat. Meine sowjetische Heimat. Meine Mutter, verzeih!” 

Für diese und andere Einsichten ist dem einstigen Vorzeigedemokraten heute übrigens die Einreise ins Baltikum und andere europäische Länder verboten. Sanktionen. 

Im Begleittext zum Lied schreibt Gasmanow: 

“Freunde, heute habe ich meinen neuen Song ‘Mutter Heimat’ uraufgeführt – eine kurze emotionale Geschichte – meine und die meines Landes. Mit diesem Lied entschuldige ich mich bei meiner Mutter dafür, dass ich auf die Perestroika-Propaganda hereingefallen bin und gedacht habe, dass ihre Generation sich irrte. Ich war es, der sich irrte, aber meine Mutter ist nicht mehr da. Kümmert euch um eure Eltern und eure Mutter Heimat!”

Was man hat, versteht man erst, wenn man es verliert. Doch besser spät als nie.

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