Ein zweites Saudi-Arabien wird Europa nicht werden. Dazu sind die geologischen Grundvoraussetzungen nicht gegeben. Doch vollkommen ohne eigene Lagerstätten steht der Kontinent dennoch nicht da. Diese sind zwar klein und werden nicht ausreichen, den eigenen Bedarf vollständig zu decken.

Doch sie sind vorhanden und noch wichtiger: Sie sind vollkommen im eigenen Zugriffsbereich. Will Europa in der Energiefrage seine Abhängigkeit von anderen Ländern reduzieren, werden die eigenen Bestände zwangsläufig recht schnell in den Blick geraten.

Das war in den 1970er Jahren schon einmal der Fall. Damals wurden die Öl- und Erdgasvorkommen in der Nordsee erschlossen. Auch Österreich verfügt mit der Öl- und Gasproduktion im Wiener Becken über eigene Felder, die bereits seit Jahren einen gewissen Beitrag zur eigenen Ölversorgung leisten.

Klar dürfte allerdings schon jetzt sein, dass auch diese Lösung ihre Zeit benötigt. Da die Investitionen in den vergangenen Jahren so sträflich vernachlässigt wurden, dürfte es den Europäern recht schwer fallen, die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zeitnah zu schließen.

Österreich zeigt als Vorbild wie es gehen kann

Viel eher ist zu erwarten, dass sie in den kommenden Jahren nur noch größer wird. Österreich hat deshalb bereits reagiert. Es kauft Gas aus einheimischer Produktion zu einem Preis von etwa 120 Euro pro Megawattstunde an und lagert dieses in seine Speicher ein. Damit wird ein Preis gezahlt, der fast dem Höchstpreis von Anfang März entspricht.

„Offensichtlich hält es die österreichische Regierung für richtig, Gas zu diesem Preis zu lagern, weil sie weiß, dass der Preis im Winter möglicherweise noch höher sein wird“, kommentiert Ian Tchacos, der CEO von ADX Energy, das wenig preissensitive Vorgehen der österreichischen Regierung.

Sein Unternehmen hat erst Ende Dezember 2021 eine Bohrung auf einer noch nicht erschlossenen Lagerstätte in Oberösterreich niedergebracht. Da in rund 2.500 Meter Tiefe Öl gefunden wurde und die Bohrung anschließend direkt für eine Förderung vorbereitet wurde, kann die kommerzielle Produktion schon in Kürze beginnen. So eine schnelle und zielstrebige Vorgehensweise wird nun an vielen Stellen benötigt.





Quelle: