In einem Interview, das er dem Kölner Stadt-Anzeiger gegeben hat, warnte der hochrangige Bundeswehrgeneral Martin Schelleis davor, dass Deutschland bereits jetzt ernsten militärischen Gefahren ausgesetzt ist. „Wir werden akut bedroht und angegriffen“, erklärte der Generalleutnant. „Im Grunde haben wir schon einen Krieg: Krieg im Informationsraum, Cyberangriffe.“

Als Inspekteur der Streitkräftebasis und Nationaler Territorialer Befehlshaber der Bundeswehr ist Martin Schelleis einer der wichtigsten Truppenführer der Bundeswehr. Punktuelle Angriffe auf die kritische Infrastruktur, durchgeführt etwa mit Hilfe von Drohnen oder Speed-Booten von Spezialkräften seinen mögliche Szenarien, die durchaus als realistisch anzusehen seien.

Ihr Ziel wäre „die Störung unserer Lebensgrundlagen unter anderem mit militärischen Mitteln“. Um solche Gefahren erfolgreich abwenden zu können, seien Deutschland und die Bundeswehr allerdings „nicht gut aufgestellt“, warnte der Generalleutnant. Das müsse man leider sagen.

„Jetzt haben wir einen immensen Nachholbedarf.“

Sollte es zu einem offenen Konflikt mit Russland kommen, wäre auch der Beschuss mit ballistischen Raketen denkbar. Sie sind normalerweise in der Enklave Kaliningrad stationiert und wurden wegen des Kriegs in der Ukraine zunächst abgezogen. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass eine Rückverlegung der Waffen stattfinden wird.

Von dort aus können die Waffen auch Berlin erreichen. In der Hand von Wladimir Putin stellen die weitreichenden Waffensysteme nach Ansicht Martin Schelleis, deshalb eine Option dar, die auch Erpressungsversuche gut vorstellbar macht.

Als Befehlshaber der zweitgrößten Organisationseinheit der Bundeswehr trägt der Generalleutnant die Verantwortung für die gesamte Logistik der deutschen Streitkräfte und bemängelt, dass der genuine Auftrag der Bundeswehr zur Landesverteidigung in den vergangenen Jahren zu wenig beachtet und deshalb die Truppe auch nicht ausreichend finanziert worden sei.

„Man hat einfach nicht ernsthaft geglaubt, dass die Bundeswehr je wieder in großem Stil gefordert sein könnte oder gar eingesetzt werden müsste“, beklagte Martin Schelleis. „Deshalb hat man Defizite in Kauf genommen. Jetzt haben wir einen immensen Nachholbedarf.“





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