In diesem Beitrag hinterfragt Albrecht Müller die Erklärung des russischen Präsidenten Putin zum Faschisten durch die Co-Vorsitzende der SPD, Saskia Esken, in einem FAS-Interview vom 29. Mai 2022. Sie habe diese Bewertung mit einer „verbitterten“ Rede Putins vom März 2022 begründet. Dabei habe sie u.a. die Vorgeschichte weggelassen, außerdem ausgeblendet, dass die Bundesregierung mit „autoritären und faschistischen Regimen – auch jenseits Russlands – vortrefflich zusammenarbeitet“ und die „eigene Parteigeschichte, konkret die Geschichte der Entspannungspolitik, völlig falsch“ bewertet. Damit werde das „historische Erbe der SPD“, die Entspannungspolitik der sechziger und siebziger Jahre, vergessen und verspielt. Sein Fazit: „Die heutige SPD sollte ein bisschen eigene Geschichte studieren. Das täte ihr und uns allen gut.“ Danke für die interessanten Zuschriften. Hier nun die Leserbriefe. Zusammengestellt von Christian Reimann.

1. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Müller, liebe Nachdenkseiten-Redaktion,

Nun, da laut Saskia Esken “Wandel durch Annäherung keine Option mehr” ist und die SPD ihre Geschichte umschreibt, folgt sie der besten Satire: Martin Sonneborn, MdEP und Satiriker, hatte die Sozis bereits vor Wochen aufgefordert, sich für Willy Brandt und Egon Bahr zu entschuldigen.

Alsdann werden sie wohl das Willy-Brandt-Haus umbenennen – Neuvorschläge vielleicht bitte an die NachDenkSeiten – , die dortige Bronzefigur schleifen und einschmelzen – 500 kg für Selenskij! – und schließlich bundesweit die noch diensttuenden Geschichtslehrer einer Nach-Anhörung, wenn nicht gar hochnotpeinlichen Befragung hinsichtlich ihrer neudefinierten Verfassungstreue unterziehen müssen.

Richtig interessant wird’s dann nochmals auf SPD-Ortsvereinsebene, wenn die bleierne “Zeitenwende” weiter greift und zum Beispiel die Jusos (hier in Esens, Ostfriesland, unterstützen sie nach Kräften die heimische Staatssekretärin im Kriegsministerium Siemtje Möller, während Jusos anderswo Ostermärsche mitorganisieren!) für die lokalen “Urgesteine” sich zu entschuldigen beginnen bzw. gar deren alte Verirrungen und Holzwege erklären bzw. geläuterte Distanzierung einfordern …

Welch ein Grauen

Mit freundlichen Grüßen, und halten Sie uns bitte weiter so über Wasser!
Jürgen Lohs

2. Leserbrief

Guten Tag,
 
vor ca drei Wochen stürzte Frau Esken (Grund unbekannt…?), brach sich den Knöchel, wie es hieß, konnte nun wieder interviewt werden.

2020 nannte sie Menschen, die gegen die Corona-Maßnahmen demonstrierten, Covidioten, 2022 erklärt sie Wladimir Putin zum Faschisten.

Was sollen diese Ausfälle?

Kann bitte jemand aus der SPD FrEsken ‘mal mäßigen?
 
Mit freundlichen Grüßen
Herbert Gerusch

3. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Müller,

zum genannten Artikel möchte ich ergänzen, dass es Frau Esken war, die im Sommer 2020 einen Teil ihrer Mitbürger zu Idioten, bzw. “Covidioten” erklärte, nur weil diese es wagten, gegen die Pandemie -Politik der Regierung zu demonstrieren.

So artikulieren sich demnach wahre Demokratinnen.

MfG
D. S.

4. Leserbrief

Sehr geehrtes NDS Team,
sehr geehrter Herr Müller,
 
Ihre Texte, genauso wie die Ihres Teams sind generell kritisch, aber gefallen tut es mir, dass Sie in letzter Zeit in immer kürzeren Abständen kein Blatt mehr vor dem Mund nehmen und die Einflussagenten deutlich ans Licht zerren wie bspw. in diesem Text von Ihnen. Das färbt nach meinem Eindruck auch auf das restliche NDS Team ab. Die Texte werden generell immer bissiger. Gut so! Es geht auch immer stärker um das “vae victis”.
 
Was mir persönlich ein wenig leid tut, ist, dass Ihnen ganz sicher das Herz bluten muss wenn Sie mit anschauen müssen welches Niveau Ihre SPD erreicht hat, für die Sie gekämpft haben, mit aufgebaut und weiterentwickelt hatten und Sie aus meiner Sicht verteidigen wo immer es geht und angebracht ist. Genauso wie Sie generell versuchen den gesellschaftlichen Ausgleich in den Mittelpunkt zu schieben, der leider immer häufiger und in genauso kürzeren Abständen immer weniger in der Politik eine Rolle zu spielen scheinen. Und das von Bundes über Landes bis Kommunaler Ebene. Nicht nur bei der SPD! Das zieht sich m.E. durch alle Parteien hindurch.
 
Bei Ihnen scheint der Spruch, “mein Arbeitsplatz, mein Kampfplatz für den Frieden” kein Spruch zu sein, sondern gelebte Realität. Vielen Dank dafür und weiter so!
 
Mit freundlichen Grüßen
Aleksandar Jevtović

5. Leserbrief

Albrecht Müller veröffentlichte:”Die Entspannungspolitik der sechziger und siebziger Jahren war die historische Leistung der SPD. Es liegt nahe, zu fragen, warum sie dieses große Erbe vergessen hat und verspielt.

nachdenkseiten.de/?p=84320#more-84320

Herr Müller, nun ist es Amtlich Sie leben immer noch in den Siebzigern .

Im übrigen, Brand hat auch mal getönt mehr Demokratie wagen.

Was wurde daraus???
— 
Günter Weller

Anmerkung Albrecht Müller: Warum der Versuch, sich zu verständigen statt sich zu bekriegen, auf die Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts beschränkt bleiben soll, erschließt sich mir nicht.

6. Leserbrief

Lieber Herr Müller,
 
aus meiner Sicht ist die Co-Vorsitzende der SPD, Saskia Esken, politisch eher unbedarft und allen möglichen Einflüssen zugetan, die sie nicht richtig einschätzen kann. Da ist wohl auch jede Menge Bildungsarbeit der SPD schief gelaufen. Zum Faschismus ist vielen nicht klar, dass es sich um eine Herrschaftsform handelt, die Georgi Dimitroff 1933 so kennzeichnete: Faschismus an der Macht ist „die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.“

Faschist ist also jeder, der solch eine Herrschaft errichten, ausüben und aufrechterhalten will. Das hat nun nichts mit psychologisierenden Beschreibungen einzelner Personen zu tun, die abstossende Auffassungen haben. Wer Faschismus bekämpfen will, muss schon die Errichtung und erst recht die Ausübung und Aufrechterhaltung dieser Herrschaftsform erkennen und bekämpfen. Dazu benötigt man politische und rechtliche Argumente und keine moralisierenden Verurteilungen.
 
Freundliche Grüße
Uwe Ruckriegel

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