Es ist erstaunlich, was sich das Publikum in diesen Tagen bieten lässt. Die Verblödung schreitet voran. Das wird an mehreren Beispielen gezeigt und belegt – am Glauben an eine Krypto-Währung, an der Absicht, die Beziehungen zum Nachbarn Russland langfristig zu beschädigen oder gar zu beenden, an der damit verbundenen Selbstbeschädigung, an der Auslieferung unseres Landes an Einflussagenten, usw. – Zugegeben, es gibt keinen Maßstab zur Messung der Verblödung von Politik und Medien und damit gibt es auch keinen Maßstab zur Messung einer Veränderung. Aber schauen Sie selbst anhand der folgenden Beispiele, ob es zu leichtfertig ist, von einer Veränderung zum Schlechteren zu sprechen. Albrecht Müller.

  • In diesem Text Terra und Luna – oder wie der Mond die Erde vernichtete vom 26. Mai 2022 beschreiben Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker, wie einfältig jenes Publikum ist, das sich von einer Krypto-Währung beeindrucken lässt. Hier ist zum Einstieg der Beginn des Textes wiedergegeben:

    „Kann es ein besseres Geschäft auf dieser Welt geben? Man behauptet, man sei ein Computergenie und habe verstanden, dass die von den Staaten ausgegebenen Währungen dieser Welt instabil, inflationsgefährdet und überhaupt vom Aussterben bedroht seien, weil sie auf der einen Seite mit ihren nationalen Begrenzungen viel zu inflexibel seien und auf der anderen Seite zu zentralistisch. Folglich werde man selbst eine Währung in die Welt setzen, die für jedermann verfügbar und jederzeit global einsetzbar sei. Weil es so etwas in Form des Bitcoin schon gibt, dessen wilde Fluktuationen ihn nicht gerade als „Währung“ auszeichnen, behauptet man, eine Krypto-Währung geschaffen zu haben, die einen festen Wechselkurs zum US-Dollar habe.

    Der Algorithmus für diese neue Kryptowährung war sicher schnell geschrieben, und schon begannen erstaunlich viele Menschen, ihre hart erarbeitete staatliche Währung gegen die elektronische Verheißung einzutauschen. Das Modell nahm rasch an Fahrt auf – wie das für ein Schneeballsystem nicht ungewöhnlich ist, solange kein Teilnehmer begreift, dass es ein Schneeballsystem ist.

    Terra musste die „harte“ Währung heißen, darunter tat man es nicht. Um stabil zum US-Dollar gehalten zu werden, benötigte Terra eine eigene Kryptowährung namens Luna. Denn die Betreiber von Terra dachten mitnichten daran, das Geld, das sie von Anlegern erhielten, in auf US-Dollar lautende Papiere zu stecken, um die Parität von Terra zum US-Dollar abzusichern. Stattdessen – und das war der wirklich geniale Trick – bauten sie folgendes System auf: Wer die Währung Terra mit der 1:1 Fixierung zum US-Dollar bekommen wollte, musste dafür zuerst die Währung Luna erwerben, deren Wert sich nach Angebot und Nachfrage richtete. An ihrem höchsten Punkt, im zweiten Quartal 2022, wurde eine Einheit der Kunstwährung Luna zu über einhundert Dollar gehandelt. Man konnte also für einhundert US-Dollar eine Einheit Luna erwerben und sie in eine Einheit Terra umtauschen, die ihrerseits mit genau einem US-Dollar „abgesichert“ sein sollte.

    Gewinne aus dem Nichts

    Was nichts anderes heißt, als dass die Schöpfer für ihr elektronisches Nichts namens Luna zeitweise unglaubliche Gegenwerte in wirklicher Währung bekamen und gleichzeitig behaupteten, niemand gewinne oder verliere etwas, weil der Wert von Terra ja garantiert sei. Man fragt sich, wie blöd ein Mensch sein muss, um dieses „Geschäftsmodell“ nicht zu durchschauen, oder besser: wie geldgierig einerseits und erbost über die Null- bzw. Niedrigzinspolitik westlicher Zentralbanken andererseits, dass er sich auf so groben Unfug einlässt.“

    Es lohnt sich, den Beitrag von Flassbeck und Spiecker vollständig zu lesen. Deshalb hier noch mal der Link: Terra und Luna – oder wie der Mond die Erde vernichtete

    Wie oberflächlich eine Sparkasse in Deutschland mit dem Problem Krypto-Währung umgeht, können Sie hier beobachten.

  • Der Rückfall in die Zeit des Kalten Krieges und die Zeit der Abschreckung statt der Verständigung wird als Fortschritt betrachtet – wahrlich ein Zeichen totaler Verblödung

    Die FAZ berichtet heute, am 27.5.2022, auf ihrer 1. Seite von einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Danach sei die Mehrheit der Deutschen unter dem „Eindruck des Überfalls auf die Ukraine“ mehrheitlich für Abschreckung. Siehe hier:

    62 % setzen im Westen Deutschlands auf Abschreckung als wirksamstes Mittel der Sicherheitspolitik. Im Osten sind es nur 30 %. Eine Verstärkung der NATO-Truppen wollen 62 % im Westen und nur 29 % in Ostdeutschland. Felix Mittel- und Ostdeutschland!

    Bemerkenswert sei die Veränderung bei den Grünen. Früher habe eine überwältigende Mehrheit für einseitige Abrüstung des Westens plädiert. Nun halten 62 % dieser Gruppe die Abschreckung für die beste Verteidigung. Phantastisch!

    Die Verblödung ist also bei den Grünen und im Westen besonders weit fortgeschritten.

    Ich spreche bei diesem Vorgang freimütig von Verblödung, weil ich die Wiederbewaffnung und den Kalten Krieg in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts und dann die Phase der Entspannungspolitik ab 1968 mit den Ostverträgen einschließlich der Vorbereitung für die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa von 1975 miterlebt habe. Das gilt auch für die Friedensdemonstrationen von 1980 ff.

    Dies war möglich, weil sich Millionen Deutsche mit diesen Lebensfragen beschäftigt haben und für Verständigung eingetreten sind. Heute beglückt uns die FAZ mit der zitierten Umfrage und auf der Seite 8 dann auch noch mit einer wohlwollenden Erläuterung des veränderten Leitbildes der Mehrheit der Deutschen:

    Neues Leitbild “Wehrhafter Frieden”. Der Ukrainekrieg hat die Stimmung völlig verändert. Von Prof. Dr. Renate Köcher in der FAZ am 27. Mai 2022, S. 8.

  • Die Verantwortlichen im Westen reden von Zeitenwende im Umgang mit Russland und setzen zugleich auf einen Regime Change. Das passt nicht zusammen.

    Wer von Zeitenwende redet – wie etwa Bundeskanzler Scholz – spricht damit eine langfristig angelegte Veränderung an. Zugleich aber wird davon schwadroniert, der Krieg in der Ukraine werde von der Ukraine gewonnen. Siehe zum Beispiel auch Scholz in Davos. Offensichtlich spekuliert man darauf, dass Putin in Russland abgelöst wird, mehr oder weniger schnell.

    Zu dieser Erwartung passen ganz und gar nicht die auf langfristige Veränderungen angelegte Politik, sich von Energielieferungen Russlands unabhängig zu machen und stattdessen Milliarden in teures und ökologisch brisantes Flüssiggas aus den USA zu investieren, genauer gesagt: zu verpulvern. Das ist Verblödung im Interesse der USA.

    So blöd war man übrigens nicht einmal in Zeiten des Kalten Krieges der Fünfziger- und Sechzigerjahre. Damals schon wurde Energie aus der Sowjetunion bezogen.

  • Es wird in der gesamten Debatte nicht beachtet, dass die offen erklärte Absicht, Russland zu ruinieren, böse wirtschaftliche Folgen für unser eigenes Land haben wird.

    Teile der deutschen Industrie werden ohne günstige Energieversorgung auf der Strecke bleiben. Auch die Milliarden-Subventionen für die Ukraine und die Milliarden zusätzlicher Ausgaben für das Militär werden keineswegs spurlos an uns und vor allem an der großen Mehrheit unseres Volkes vorbeigehen. Wir werden bitter dafür bezahlen. Wer diese Folgen ausblendet, tickt nicht richtig.

    In diesem Zusammenhang weise ich auf einen Text im Handelsblatt Morning Briefing vom Montag dieser Woche hin. Dort wird eine ganz andere Rechnung aufgemacht. Aus meiner Sicht die reine Propaganda. Ich zitiere:

    Weniger Angst: Politische Moral lohnt sich die Realpolitik besagt, dass Ethik im politischen Konfliktfall keine große Rolle spielt. Moral ist dann das, was man sich leider gerade nicht leisten kann. Eine ganz andere Rechnung macht der Yale-Professor Jeffrey Sonnenfeld im Handelsblatt-Gespräch auf:

    Aktionäre von Unternehmen, die Russland verlassen, haben einen Vorteil.

    Der Marktwert solcher Firmen sei spürbar angestiegen und habe den Wertverlust durch Abschreibungen und Umsatzeinbußen klar übertroffen, erklärt der US-Ökonom seine eigene Analyse von 600 börsennotierten Gesellschaften. Die meisten CEOs hätten erkannt, „dass sie eine Verantwortung tragen, die über die kurzfristige Steigerung des Shareholder-Value hinausgeht“.

    Hart kritisiert Sonnenfeld den redefreudigen Volkswagen-Chef Herbert Diess, der sich kürzlich für eine Vertragslösung mit dem russischen Diktator Wladimir Putin aussprach: „Gerade Herr Diess sollte wissen, wie wichtig die Reputation eines Unternehmens ist.“

    Soweit das Handelsblatt. In seinem Morningbriefing, das man früher noch mit einem gewissen Gewinn lesen konnte, wird heute unentwegt indoktriniert, verblödet.

  • Wir sind eine Bananenrepublik“
    Das meinte ein Leser der NachDenkSeiten heute in einer Sprachnachricht. Er machte auf eine Studie des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages vom 5.7.2021 aufmerksam. In dieser Studie wird geschildert und belegt, wie weit die Führungskräfte unseres Landes schon in den Händen atlantischer und d. h. US-amerikanischer Institutionen geraten sind. Hier wird im Einzelnen belegt, wie berechtigt der Gebrauch des Wortes Einflussagent zur Beschreibung des Einflusses der USA auf die deutsche Politik ist. Die Mehrheit der Deutschen nimmt diese gefährliche Situation nicht wahr. Wie soll man eine solche Wahrnehmungsstörung nennen?
  • Zum Schluss weise ich im Zusammenhang mit dem Thema Verblödung auf einen Beitrag von Georg Schramm und einen von Christoph Sieber hin:

    4.1.2009
    Geschieht die Verblödung durch die Medien willentlich? Und anderes mehr von Georg Schramm

    2012
    Wahre Worte von Christoph Sieber – Wacht auf !

    Titelbild: Rzoog / Shutterstock



    Quelle: