Von ukrainischer Seite wurde in den vergangenen Wochen immer wieder die Hoffnung genährt, Russlands Wirtschaft können bereits im Sommer durch die Sanktionen des Westens so stark geschwächt sein, dass dem Kreml eine Weiterführung des Kriegs in der Ukraine kaum mehr möglich sei.

So wünschenswert diese Perspektive ist, so falsch ist sie vermutlich auch, denn nach einer Einschätzung von Analysten der US-Investmentbank JP Morgan zeigt sich die russische Wirtschaft bislang widerstandsfähiger als es im Vorfeld der Sanktionen erwartet worden war.

Besonders die von der Investmentbank beobachteten Finanzströme in Moskau deuten darauf hin, dass es zwar eine Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität in Russland geben wird. Allerdings wird nun nicht mehr damit gerechnet, dass das russische Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal einen Einbruch von 35 Prozent erleide, wie es die Analysten im März zunächst erwartet hatten.

Die Indizien deuten auf eine „nicht sehr tiefe Rezession“

Insbesondere die Umfragen zum Geschäftsklima im Land haben JP Morgans Analysten vorsichtig werden lassen. Auch wird deutlich, dass die Sanktionen des Westens die russische Wirtschaft nicht vollkommen unvorbereitet getroffen haben. Deshalb wird nun erwartet, dass der Rückgang des russischen Bruttoinlandsprodukts zwar anhaltend sein wird, aber weniger dramatisch ausfällt als zunächst angenommen.

Fertig werden muss die russische Wirtschaft mit der Herausforderung, dass die eigenen wirtschaftlichen Beziehungen nach dem Bruch mit dem Westen umorientiert werden müssen. Der Internationale Währungsfonds IWF geht aktuell davon aus, dass die russische Wirtschaft im laufenden Jahr um 8,5 Prozent schrumpfen wird.

Kurzfristige Daten wie Unternehmensumfragen und Hochfrequenzindikatoren wie der Stromverbrauch und die Finanzströme deuten darauf hin, dass die Sanktionen Russland weniger stark treffen, als es der Westen sich gewünscht hat. Allerdings rechnen die Analysten auch damit, dass die Sanktionen ihre volle Wirkung erst im Lauf der Zeit entfalten werden. Auf Russland könnte deshalb eine langwierige, aber nicht sehr starke Rezession zukommen.





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