Stellen Sie sich vor, Sie wollen DNA-Fragmente kombinieren.

Sagen wir, die DNA eines Polit-Darstellers mit der eines Regenwurms, um ersteren noch biegsamer und geschmeidiger zu machen und ihm das Wühlen im Dreck zu erleichtern, auch für Journalisten geeignet. Vielleicht wollen Sie auch ganz harmlos am menschlichen Genom herum werkeln, ein bisserl was ergänzen, um Menschen resistent gegen bestimmte Viren zu machen, was man – hypothetisch – wiederum dadurch umgehen kann, dass man aus vorhandenen Virenstämmen neue Viren mit neuen Fähigkeiten, tödlichere, leichter übertragbare Viren schafft…

Alles rein hypothetisch.
Und überhaupt das würde gar niemand tun wollen.

Wenn jemand, ganz hypothetisch gesprochen, auf die Idee käme, an DNA herumzubasteln, Viren in ihren Fähigkeiten zu amplifizieren, dann würde er das natürlich und ganz selbstverständlich nur tun, um die Gesundheit der Menschheit, aller Menschen zu schützen, um auf Viren vorbereitet zu sein, die es ohne seine Eingriffe vermutlich nie gegeben hätte, aber wer weiß: Wollen Sie etwa das Risiko eingehen, in einer Welt zu leben, in der es etwas geben könnte, das ihrer Gesundheit gefährlich werden könnte?

Sehen Sie!

Deshalb gibt es Virologische Institute wie das in Wuhan, die an den Genomen von Viren herumwurschteln, die in das Genom eines RNA-Coronavirus, das sie in einer  Hölle nahe der Stadt Tongguan in der Region in Yunnan, China eingesammelt haben, nennen wir das Virus RaTG13, nur zur Erinnerung, denn in Wuhan vergisst man gerne, dass man die Viren eingesammelt und mit einem Furin Cleavage versehen hat, auf eben diese Weise verbessern. Eine schöne Sache so ein Furin Cleavage, macht ein RNA-Virus gleich viel potenter, leichter in der Übertragung und letaler, aber alles natürlich nur, um einen Impfstoff gegen das neu geschaffene Virus zu entwickeln und sie in Sicherheit zu wiegen…

Es dürfte mittlerweile keinen Zweifel mehr daran geben, jedenfalls keinen, den man rational begründen kann, dass SARS-CoV-2 seine Anfänge im Wuhan Institute of Virology genommen hat, vermutlich als RaTG13, ein Coronavirus, das das Skelett aus Basenpaaren geliefert hat, an dem dann ein paar Ergänzungen, vor allem im Bereich der Receptor Binding Domain des Spike Proteins vorgenommen wurden, von Zhengli Shi und Mitarbeitern.

Wer die Geschichte des erfolgreichsten Labor-Leaks aller Zeiten nachlesen will, der kann das bei uns tun, und zwar in komprimierter Form:

SARS-CoV-2? Das stammt aus dem Wuhan Institute of Virology, woher sonst? Die Gesamt-Liste der Indizien

Aber, in Wuhan will man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, die mit SARS-CoV-2 gewonnen wurden. Was ist schon eine Pandemie, die in Harmlosigkeit ausfleddert?

Eben.

Deshalb sind Lei Yang, Lingqian Tian, Leshan Li, Qiuhong Liu, Xiang Guo, Yuan Zhou, Rongjuan Pei, Xinwen Chen und Yun Wang angetreten, um die Welt um weitere Forschung aus Wuhan (und dieses Mal auch Peking) zu bereichern, wieder eine Forschung, die Probleme träger Viren zum Gegenstand hat und zu beheben trachtet.

Klingt gut – oder?

Die Cover-Story ist schnell erzählt. Sie beginnt bei dem oben angesprochenen Problem: Sie wollen eine DNA-Kette aus DNA-Fragmenten herstellen. Warum? Warum nicht? Es geht um die Gesundheit von Milliarden oder doch zumindest um Milliarden. Eine Methode, um DNA-Fragmente zu kombinieren greift auf Hefe zurück und nennt sich “Transformation-Associated Recombination (TAR)”. Mit Hefe und TAR ist es möglich, eine Reihe von DNA-Einzelfragmenten zu einer DNA-Kette zu kombinieren oder auch nur DNA zu klonen – auch sehr wichtig, klonen, DNA-Klonen, für die Gesundheit …

Wie auch immer, obschon Hefe und TAR der Gloldstandard sind, hat Hefe die lästige Angewohnheit, bei der Kontrolle replizierter DNA-Ketten auf Übereinstimmung mit dem Original Fehler zu machen, so dass man mit etwas endet, was man gar nicht haben wollte, einem ganz neuen mutierten Virus zum Beispiel, das ganz andere Eigenschaften hat, als man das wollte. Um ein solches Problem, das Problem “illegitimer Rekombinationen”, eine Art unehelicher Kinder, aus der Welt zu schaffen, ist es notwendig, die Reparaturfunktionen von Hefe, die fehleranfällig sind zu blocken und die homologe Rekombination (HR) zum alleinigen Reparateur zu machen. Und genau das haben die Autoren aus dem Wuhan Institute of Virology geschafft. Sie haben den Hefe-TAR so optimiert, dass HR sichergestellt ist und keine ungewollten DNA-Sequenzen geschaffen werden.

Soweit, so gut.

Das Virus, das DNA-Virus, das die Wuhaniter genutzt haben, ist, wie es der Zufall so will, MPXV, ein Poxuvirus, auch bekannt als Monkeypox, Affenpocken. Auf rund 55.000 Basenpaare haben sie die Sequenz von MPXV begrenzt, an der in Wuhan herumgespielt wurde, um sie länger zu machen, um Kombinationen, von denen keiner Weis, welche Virulenz mit ihnen einhergeht, herzustellen. Aber keine Angst, es geht natürlich nur darum, die Gesundheit der Menschheit zu sichern, wenngleich, nun, da die Wuhaniter es geschafft haben, einen DNA-Strang aus Affenpocken herzustellen, zugegeben, einen, der nur ein Viertel der Länge von rund 200.000 Basenpaaren umfasst, die ein ausgewachsenes Affenpocken-Virus aufzuweisen hat, nun wissen sie natürlich, wie es geht, wie man ein neues Affenpockenvirus in voller Länge zusammenbaut und dabei Eigenschaften, die man will, amplifiziert und andere, die man nicht will, entfernt.

So wird Geschichte gemacht oder wie Klaus Schwab sagt: Wi griäd zee fjutscher.

Wi = Wuhan Institute of Virology.

Besonders nett ist, was die Autoren zum Ende ihres Textes schreiben:

“As an efficient tool for assembling large DNA fragments up to 592 ​kb in length (Gibson et al., 2008), TAR assembly has become essential for preparing infectious clones of large DNA/RNA viruses. Using pGF as a TAR vector, Shang et al. assembled a synthetic baculovirus with a genome length of more than 145 ​kb (Shang et al., 2017). To establish a reverse genetics system for SARS-CoV-2, a joint team successfully assembled the full-length cDNA clone of SARS-CoV-2 in less than a week using TAR assembly (Thi Nhu Thao et al., 2020). However, this DNA assembly tool applied in virological research could also raise potential security concerns, especially when the assembled product contains a full set of genetic material that can be recovered into a contagious pathogen. Recently, a group of scientists was funded by a biotech company to synthesize a full-length horsepox virus genome and recover it into an infectious virus (Noyce et al., 2018). Not surprisingly, such a controversial achievement has received enormous attention and raised global debate on its biosecurity implications (DiEuliis et al., 2017Koblentz, 20172018DiEuliis and Gronvall, 2018). In this study, although a full-length viral genome would be the ideal reference template for detecting MPXV by qPCR, we only sought to assemble a 55-kb viral fragment, less than one-third of the MPXV genome. This assembly product is fail-safe by virtually eliminating any risk of recovering into an infectious virus while providing multiple qPCR targets for detecting MPXV or other Orthopoxviruses (Li et al., 2010).”

TAR, die von den Autoren verbesserte Methode, ist also wichtig, um hoch ansteckende Virenstämme herzustellen. Keine Sorge, es geht dabei nur um Ihre Gesundheit, obschon Gesundheit natürlich in zwei Richtungen entwickelt werden kann… Wie auch immer. Mit Forschung wie der ihren, so berichten die Autoren, verbänden sich Sorgen. Manche würden sich tatsächlich Sorgen machen, dass volle Genome von Viren, die aus einer solchen Forschung entstehen, Schaden anrichten könnten, zum Beispiel, wenn sie aus einem Labor entkommen. Aber wer hätte je davon gehört, dass ein Pathogen aus einem Labor entwichen wäre, aus dem Labor des Wuhan Institute of Virology… Lächerlich. Aber, die Autoren aus Wuhan sind sich der unberechtigten Sorgen, die sich manche, die nicht täglich mit Pathogenen hantieren, tatsächlich machen, bewusst, schon weil eine Gruppe von Forschern, die mit ihrer Methode (TAR und Hefe) ein vollständiges Genom geschaffen hat, in die Kritik geraten ist. Deshalb haben sich die verantwortungsvollen Menschen aus Wuhan auf eine Teilsequenz von rund 55.000 Basenpaaren beschränkt. Nicht, weil es die Technik nicht hergeben würde, das gesamte Genom der Affenpocken zu bauen, nein. Nein, um uns nicht zu besorgen, dadurch, dass sie öffentlich kundtun, was sie hinter verschlossenen Türen sicher machen.

Übrigens gibt es in China keinerlei Affenpocken, keine berichtete Epidemie, keinen Ausbruch, nichts, was erstaunlich ist. Aus diesem Grund haben sich die Wuhaniter Affenpocken besorgt, um daran herumzubasteln, denn natürlich kann es jederzeit sein, dass die jahrhunderte dauernde Geschichte die lange affenpockenlose Zeit in China zuende geht, und dafür muss man gerüstet sein, um die Menschen zu retten, ihre Gesundheit zu schützen. Machen Sie sich also keine Sorgen. Es ist alles zu Ihrem besten.

Dass der Beitrag im Februar 2022 veröffentlicht wurde, ist Zufall. Und dass die Forscher aus dem affenpockenlosen China, China nun zum stolzen Besitzer von Affenpockensträngen gemacht haben, das ist auch nur Zufall …

Es ist alles nur Zufall.
Freuen Sie sich auf morgen.
Morgen haben wir einen weiteren Affenpocken-Zufall.


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