Erst seit Anfang dieser Woche werden die 9-Euro-Tickets verkauft. Vom Verkaufsstart am Sonntag bis Montag 11.30 Uhr hatten die Münchener Verkehrsbetriebe rund 15.500 dieser Tickets verkauft. Anderswo war der Ansturm der Künden ähnlich groß. So berichtete die Deutsche Bahn beispielsweise, dass sie in den Stunden nach dem Verkaufsstart des neuen Tickets am Montag bis zum Mittag bereits über 200.000 dieser deutlich verbilligten Fahrkarten verkauft habe.

Ein großer Ansturm der Kunden auf das neue Nahverkehrsticket war im Vorfeld erwartet worden. Uneinigkeit herrscht aber auch weiterhin über den Sinn und die langfristigen Auswirkungen der Maßnahme. Mit Spannung wird daher nicht nur auf die Zahlen an den Verkaufsstellen, sondern vor allem auf die kurz-, mittel- und langfristige Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel geschaut.

Keine langfristig positiven Auswirkungen erwartete der Verkehrsforscher Christian Winkler vom Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR). In einem Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärte der Verkehrsexperte: „Für eine langfristige Verlagerung der Verkehrsströme brauchen wir nicht nur günstige Preise und vor allem keine begrenzte Rabattaktion. Wir brauchen mehr Fahrten, eine bessere Taktung, mehr Haltestellen und kurze Zugangswege.“

Für eine Umgewöhnung reichen drei Monate nicht aus

Der von der Bundesregierung gewünschte Effekt des Tickets, dass mehr Pendler den öffentlichen Nahverkehr anstelle des eigenen Autos benutzen, ist die Laufzeit des Tickets mit drei Monaten zu kurz bemessen. Für ein erstes Kennenlernen ist die Zeitspanne ausreichend. Sie reicht aber nicht aus, um neue Nutzungsgewohnheiten zu etablieren.

Attraktiv wird der öffentliche Nahverkehr für die Pendler zudem nicht nur über den Preis. Ein ganz entscheidender Faktor ist auch, wie gut der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und miteinander verzahnt ist. Schnelle Fahrten sind deshalb gerade auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause wichtiger als günstigere Fahrten.

Eine spannende Frage wird auch sein, ob die Züge der zusätzlichen Nachfrage gewachsen sein werden. In einem überfüllten Zug oder Bus stehen zu müssen, dürfte eher abschreckend als anziehend auf die Pendler wirken. Doch die entscheidende Frage wird erst im Herbst zu beantworten sein: Was geschieht, wenn die Testphase zu Ende ist?





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