Frankfurter Bahnhofsviertel: Deutschlands Visitenkarte gleicht einer Latrine
Bilder direkt aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel: Info-DIREKT

Frankfurt am Main (Hessen) ist mit seinem Flughafen und seinem Hauptbahnhof eine der wichtigsten Verkehrsdrehscheiben in Deutschland und Europa und damit eine Art Visitenkarte für die gesamte westliche Kultur. 

Ein Lokalaugenschein von Michael Scharfmüller

Eigentlich wollte ich heute über meine Syrien-Reise berichten. Zwei für die Reise nach Syrien notwendige Zwischenstopps in Frankfurt überlagern die Eindrücke, die ich im Nahen Osten sammeln konnte, jedoch. (Wer sich für die Syrien-Reise interessiert, sollte das Magazin Info-DIREKT abonnieren, sich zu unserem kostenlosen Newsletter eintragen und/oder uns auf Telegram folgen.)

Es ist kurz vor 24 Uhr als ich am Dienstag, den 3. Mai, vollbepackt und leicht verspätet am Frankfurter Hauptbahnhof aus dem Zug steige. Aufgrund einer falschen Einstellung auf meinem Smartphone irre ich ca. 30 Minuten ziemlich planlos durch das Bahnhofsviertel . Die teilweise stark verdreckten Straßen sind trotz der späten Stunde noch recht belebt. Hauptsächlich treibt sich hier ein Menschenschlag herum, den man sonst bei Dunkelheit lieber nicht alleine begegnet. Überwiegend handelt es sich dabei um Migranten, vereinzelt trifft man jedoch auch völlig abgewrackte Deutsche.

Zombieapokalypse

Zwischen den Straßenfluchten und über den Dächern mancher Gründerzeit-Häuser blitzen immer wieder Frankfurts Wolkenkratzer auf. Ich fühle mich, wie in einem dystopischen Film; Wie der letzte Überlebende einer Zombieapokalypse; Wie jemand, der von einer Zeitmaschine an der falschen Stelle der Geschichte ausgespuckt wurde. Aufgrund meines weinroten Rollkoffers, meines Kamerarucksacks und meiner Lederhose bin ich für die „Zombies“ ganz klar als Fremdkörper, vielleicht sogar als Eindringling wahrnehmbar. Bleibt nur zu hoffen, dass Sie wissen, dass in jeder Lederhose traditionell ein Messer steckt …

Beißender Uringestank

Google-Maps meint, dass ich durch einen schmalen Durchgang gehen soll. Dort hinein sind jedoch eben sehr rasch ein halbes Dutzend Jugendlicher abgebogen. Ich beschließe geradeaus weiterzugehen und treffe auf ein paar Polizisten, die eben aus einem Bus ausgestiegen sind und offensichtlich Ausschau nach „Kundschaft“ halten. Google-Maps schlägt mir eine neue Route vor. Ich gehe durch eine finstere Straße, in der es so beißend nach Urin stinkt, dass ich überlege, mir meinen Mund-Nasen-Schutz aus dem Rucksack zu suchen. Plötzlich wird es laut, immer wieder sind Folgetonhörner von Einsatzfahrzeugen zu hören …

Wenige Minuten später stehe ich wieder vor dem Durchgang, durch den ich kurz zuvor nicht durchgehen wollte. Links und rechts lehnen einige Goldstücke mit Migrationshintergrund an den Hausmauern. Ich fasse all mein Selbstbewusstsein zusammen und spaziere zwischen ihnen durch. Als ich ein paar Schritte weiter Blaulicht sehe, denke ich mir:

„Wenn mich jetzt jemand verfolgt, muss ich die Füße in die Hand nehmen und zum Polizeiwagen laufen.“

Blutlache vor Hotel

Die Freude über die Sichtung der Polizei hält nur kurz an. Immer wieder werfe ich einen Blick auf die Karte auf meinem Handy. Es besteht kein Zweifel: Der Polizeieinsatz dürfte ausgerechnet in jenem Straßenabschnitt stattfinden, in dem sich meine Unterkunft befindet. Ein vor mir vorbeirasender Rettungswagen reißt mich aus meinem Gedanken. Ich schalte die Kamera meines Handys ein und gehe die letzten paar Meter Richtung Hotel. Vorbei an einem weiteren Rettungswagen, Polizeiautos, Polizisten, ein paar „Zombies“ und einer mittelgroßen Blutlache. (Ein Video dazu veröffentlichen wir in den nächsten Tagen. Jetzt in den Newsletter eintragen und/oder Telegram beitreten, um nichts zu versäumen!)

Offenbar kein Einzelfall

Trotz meiner für diesen düsteren Ort ungewöhnlichen Erscheinung falle ich nicht wirklich auf. Nur ein Polizist blickt mich etwas verwundert an. In dem Moment bin ich jedoch schon beim Hoteleingang. Ich erschrecke: Die Glastür ist abgesperrt! Zum Glück sieht mich der Inder an der Rezeption gleich und eilt herbei um mir die Tür aufzusperren. Beim Eintreten frage ich ihn, was hier los ist. Er zuckt nur gleichgültig mit den Schultern und macht eine beschwichtigende Handbewegung. Offensichtlich ist der Kriminalfall, der sich gerade direkt vor seinem Arbeitsplatz abgespielt hat, nichts Außergewöhnliches für ihn.

Im Hotelzimmer angekommen, gehe ich auf den Balkon und beobachte das Schauspiel unter mir noch einige Zeit. Der Urin-Gestank aus dem Getto unter mir steigt bis in den zweiten Stock auf. Ich bin angewidert und müde, schließe die Türe und lege mich schlafen.

Drogenkonsumraum als Anziehungspunkt

Am Morgen des nächsten Tages werfe ich gleich einen Blick vom Balkon auf den Tatort von gestern Nacht. Die Straße ist nun aufgeräumt. Die örtlichen Stadtwerke haben in zeitiger Früh offensichtlich ganze Arbeit geleistet und alle Spuren der letzten Nacht beseitigt. Nur vereinzelt torkeln einige „Zombies“ die Straße entlang.

Beim Verlassen des Hotels komme ich mit einem Hotelangestellten ins Reden. Er erzählt mir, dass die Gegend hier eigentlich noch recht lebenswert war, bis im Nachbarhaus ein „integrativer“ Drogenkonsumraum eingerichtet wurde. In der Anfangszeit seien Stadt und Polizei noch sehr bemüht gewesen, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Mittlerweile seien bei den Süchtigen jedoch alle Hemmungen gefallen. Als ich das Hotel um ca. 10 Uhr verlasse, liegen und sitzen entlang der Hauswände schon wieder die ersten gescheiterten Existenzen herum. Zwischen zwei Autos verrichtet ein junger Moslem gerade sein Gebet …

Täglich grüßt das Murmeltier

Fünf Tage später, am 8. Mai, lege ich am Rückweg von Syrien (mehr dazu im nächsten Magazin Info-DIREKT) nach Österreich wieder einen Zwischenstopp in Frankfurt ein. Heute kenne ich den Weg vom Bahnhof Richtung Hotel. Es ist erst kurz nach 21 Uhr und etwas ruhiger auf den Straßen als vor ein paar Tagen. Direkt vorm Hoteleingang, der heute nicht abgeschlossen ist, liegen wieder völlig heruntergekommene Menschen. Obwohl ein Teil meiner Reisegruppe und ich das Nachtleben in Damaskus ausführlich genossen und ich mich einmal sogar ganz alleine in der Metropole verirrt hatte, fühlte ich mich im von Krieg, Sanktionen und Inflation gebeutelten Land nie so unsicher, wie hier in Frankfurt.

Mein Zimmer befindet sich dieses Mal im ersten Stock. Ich gehe wieder auf dem Balkon und sehe zu wie die „Zombies“ unter mir immer mehr werden. Plötzlich schreit jemand von unten herauf:

„Why you are taking pictures?“

Ich verstecke mich hinter der Balkonbrüstung und fotografiere und filme noch eine Zeitlang zwischen den Gitterstäben durch ohne entdeckt zu werden. Dann gehe ich ins Bett. (Ein Video dazu veröffentlichen wir in den nächsten Tagen. Jetzt in den Newsletter eintragen und/oder Telegram beitreten, um nichts zu versäumen!)

Straßenreiniger mit Begleitschutz

In der Nacht höre ich immer wieder Geschrei, einige Mal auch Einsatzfahrzeuge. Erst in den Morgenstunden wird es deutlich ruhig. Gegen fünf Uhr höre ich, wie damit begonnen wird, die Straße zu reinigen. Ich gehe auf den Balkon und sehe bei der Reinigung, die von Sicherheitspersonal überwacht wird, zu.  (Ein Video davon veröffentlichen wir in den nächsten Tagen. Jetzt in den Newsletter eintragen und/oder Telegram beitreten, um nichts zu versäumen!) Es ist unglaublich, wie viel Dreck hier in nur einer Nacht produziert wird. Um 11 Uhr verlasse ich das Hotel um mir die Frankfurter Altstadt anzusehen. Am Gehsteig sitzen schon wieder einige Drogensüchtige auf Decken und Fetzen. Rund um sie beginnt die Straße bereits wieder zu vermüllen …

Drogenkonsum am helllichten Tag auf offener Straße

Um 14 Uhr komme ich von meinem kleinen Altstadtausflug zurück zum Hotel um mein dort zurückgelassenes Gepäck abzuholen. Direkt vor dem Hotel bereitet sich ein völlig verdreckter Mann gerade einen Schuss vor. Ich nehme meine Taschen auf und gehe Richtung Bahnhof um die Heimreise anzutreten. An der ersten Kreuzung werde ich Zeuge einer Schlägerei mit mehreren Beteiligten. An der nächsten Kreuzung höre ich ein Gespräch zweier Frauen mit, die Teil der Drogenszene sein dürften. Sie reden über einen Vorfall, bei dem es wegen fünf Euro zu einer Messerstecherei kam. (Ein Video dieser Vorfälle veröffentlichen wir in den nächsten Tagen. Jetzt in den Newsletter eintragen und/oder Telegram beitreten, um nichts zu versäumen!)

Hauptsache die Maske wird getragen!

Deutsche Ordnung herrscht erst wieder im Zug: Dort laufen zwei unfreundliche Typen der Deutschen Bahn durch die Sitzreihen, um allen Passagieren, die ihre Masken nicht ordnungsgemäß tragen, zu drohen, sie aus dem Zug zu werfen. Da ich Essen vor mir stehen habe, werde ich von den beiden nicht gerügt, obwohl ich keine Maske trage.

Maskenlos gehe ich einige Zeit später dann in den Speisewagen, um mir eine Nachspeise zu holen. Als ich meine Bestellung mache, steht der Schaffner neben mir und wir unterhalten uns kurz. Ich gehe zurück zu meinem Platz, schreibe an diesem Text und nehme ab und zu ein Stück Kuchen zu mir – maskenlos natürlich. Als der ICE der „Deutschen Bahn“ in Würzburg hält, wird ein Mann in Jogginganzug von vier Polizisten aus dem Zug geführt. Ich kann Wortfetzen des Gesprächs mithören: Offenbar hat der Schaffner, der mit mir gescherzt hat, die Polizei gerufen, weil der Mann im Jogginganzug seine Mund-Nasen-Bedeckung trotz mehrfacher Ermahnung nicht ordentlich getragen habe. Während ich – immer noch maskenlos – einen Schluck von meinem Kaffee nehme, muss der Unglücksrabe zusehen, wie der Zug ohne ihm die Reise fortsetzt. Irgendwann ist dann auch mein Schokokuchen aufgegessen und ich ziehe mir – aus Angst vor ungeplanten Reiseunterbrechungen meinen Corona-Maulkorb zumindest über den Mund.

„Willkommen zurück im Clown-Land“,

sage ich zu mir selber, während der Maskenverweigerer am Würzburger Bahnsteig beamtshandelt wird und sich vor meinem Hotel in Frankfurt vermutlich gerade wieder ein Drogensüchtiger auf offener Straße einen Stich setzt. Das Drogen-Besteck dazu finanziert ihm der deutsche Steuerzahler, der aus dem Zug geworfen wird, wenn er keine Maske trägt. Gute Nacht, Deutschland!

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