Der Traum, Russland mit Hilfe der westlichen Sanktionen schnell in die Knie zu zwingen und so mit dazu beizutragen, dass die Waffen wieder schweigen und der Aggressor aus dem Land verschwindet, dürfte auf absehbare Zeit wohl nur ein Traum bleiben, denn er übersieht, dass Russland in den vergangenen Jahren viel für seine Autarkie getan hat und nun die Früchte dieser Mühen ernten kann.

Vor dem Krieg hat Russland rund vier Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für den Unterhalt seiner Streitkräfte ausgegeben. Ein Teil dieses Geldes wird nun entwertet, wenn die Panzer, Flugzeuge und Schiffe, die damit beschafft wurden, durch die Gegenmaßnahmen der Ukrainer zerstört oder zumindest erheblich beschädigt werden.

Dieses Material zu ersetzen, wird seinen Preis haben. Er dürfte aber kaum so hoch ausfallen, dass Russland ihn nicht mehr bezahlen könnte. Dazu sind die Einnahmen aus den Erdölverkäufen bei den heutigen Preisen zu hoch. Denn nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds muss der Preis für ein Fass Öl nur zwischen 10 und 15 US-Dollar liegen, damit der russische Staatshaushalt ausgeglichen werden kann.

Geringe Schuldenquote und eine günstige Wirtschaftsstruktur

Im Vergleich zu den westlichen Staaten hat Russland zudem in den vergangenen Jahr für Jahr sehr konservative Haushalte vorgelegt. Das hat dazu geführt, dass die Verschuldung des russischen Staates bei gerade einmal 20 Prozent seiner Wirtschaftsleistung liegt. Das Schuldenkriterium des Maastrichter Vertrages, an dem auch Deutschland derzeit scheitert – von den USA, Italien und Griechenland ganz zu schweigen – wäre somit für Russland zu keiner Zeit eine echte Hürde gewesen, die man nicht mit Leichtigkeit hätte nehmen können.

Auch die russischen Reserven sind recht hoch. Zwar kommt man an diese im Moment nicht heran, doch sehr viel Druck baut sich an dieser Stelle dadurch nicht auf. Helfen wird Wladimir Putin auch, dass der Dienstleistungssektor innerhalb der russischen Wirtschaft nur eine untergeordnete Rolle spielt und viele Beschäftigte in Betrieben arbeiten, die entweder staatsnah sind oder dem Staat selbst gehören.

Über die hier beschäftigten Menschen kann der Kreml leicht seine schützende Hand halten, sodass eine hohe Inflation nicht zwangsläufig zu einem Mangel an Gefolgschaft innerhalb der Bevölkerung führen muss. Ein solcher ist eher zu erwarten, sollten die Gefallenen-, Vermissten- und Verwundetenzahlen zu hoch ansteigen. Aber auch an dieser Stelle mahnt der rund zehnjährige Krieg der Sowjetunion in Afghanistan zur Vorsicht.

Natürlich werden die Sanktionen des Westens auf Dauer ihre Wirkung entfalten. Aber dies wird eben erst auf Dauer und nicht schon in Kürze geschehen. Der Westen muss sich deshalb mit dem Gedanken anfreunden, dass die beschlossenen Maßnahmen lange und konsequent durchgeführt werden müssen, damit sie am Ende die gewünschte Wirkung entfalten können.





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