Die stetigen Forderungen der politischen Vertreter der Ukraine – neben Wolodymyr Selenskyj besonders durch Andrij Melnyk, den ukrainischen Botschafter in Deutschland – stoßen mittlerweile vielen Bürgern sauer auf. Die Art und Weise, wie letzterer sich beim Bundespresseball am Sonntag an deutsche Journalisten wandte, stimmte kaum versöhnlicher: Melnyk lobte die Presse dafür, Druck auf die Politik aufgebaut zu haben, sodass endlich Waffenlieferungen an die Ukraine beschlossen wurden. Der Journalist Ramon Schack publizierte am 2. Mai im linken Magazin „nd-aktuell.de“ einen gepfefferten offenen Brief an Melnyk, in dem er für dessen Gebaren deutliche Worte fand.

Schack entlarvt die Danksagung Melnyks an deutsche Journalisten als das, was sie in Wahrheit ist: Ein Lob für Kriegspropaganda im Sinne der Ukraine. Dies entspricht in keiner Weise der Aufgabe von Journalismus:

Sehr geehrter Herr Botschafter Melnyk,

am vergangenen Sonnabend haben Sie mit folgenden Worten der deutschen Presse für deren Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine gedankt. »Liebe deutsche Journalistinnen und Journalisten, herzlichen Dank für Ihre unermüdliche Arbeit! Nur mit Ihrer Hilfe & Unterstützung kann die Ukraine diesen Krieg gewinnen.« Gestatten Sie bitte daher, dass ich Ihnen als Bürger der Bundesrepublik und als Angehöriger dieses Berufsstandes darauf antworte, wohl wissend, dass ich nicht zu den Kolleginnen und Kollegen gehöre, denen Sie mit Ihren Worten zu schmeicheln gedachten.

Die Aufgabe von Journalisten ist es nicht, Kriege zu gewinnen, wie Sie es in Ihrer Lobhudelei anzudeuten pflegen. Guter Journalismus zeichnet sich durch genaues Hinschauen, durch Grautöne und eben nicht durch Schwarz-Weiß-Bilder aus. Sicherlich, der Gesinnungsjournalismus ist zu einem Machtinstrument geworden. Sie, sehr geehrter Herr Botschafter, schreiben von Journalismus, meinen aber Propaganda, genauer ausgedrückt Kriegspropaganda.

Für den Verfasser des offenen Briefs steht außer Frage, dass Melnyk sich dieser Tatsache vollkommen bewusst ist. Dabei sollte das eigentliche Metier des Botschafters die Diplomatie sein, merkt Schack an. Melnyks mehr als übergriffige Versuche, in die politischen Gegebenheiten Deutschlands einzugreifen, kritisiert er scharf:

Kriegspropaganda ist eine stete Begleiterscheinung von militärischen Konflikten. Diese muss man dabei als eine Art Waffe begreifen, als Bestandteil der politisch-militärischen Strategie jeder beteiligten Seite. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass Sie die zehn Prinzipien der Kriegspropaganda verinnerlicht haben, welche der englische Diplomat Baron Arthur Ponsony einst erstellt hatte. Von Kriegspropaganda verstehen Sie mehr als vom Journalismus, auch mehr als von der Diplomatie, ihrem Metier – erstaunlicherweise.

Sicher habe ich Verständnis für eine Regierung und ihr diplomatisches Personal, wenn in Zeiten eines Verteidigungskrieges nicht immer die Klaviatur der diplomatischen Gepflogenheiten erklingt. Das darf allerdings nicht dazu führen, dass ein Botschafter versucht, die außen- und innenpolitischen Gegebenheiten des Gastlandes zu beeinflussen, so wie Sie es versuchen – nicht ohne Erfolg.

Hitler-Bewunderer sind keine Freiheitskämpfer

Eine der wohl übelkeiterregendsten Entwicklungen seit Beginn des Ukraine-Kriegs dürfte die sein, dass der Nationalsozialismus auch in Deutschland teilweise wieder salonfähig wird. Kritik an den Asow-Nazis, die zuvor zu Recht verpönt waren und etwa in den USA 2019 noch als Terroristen eingestuft werden sollten, scheint für weite Teile der deutschen Presselandschaft plötzlich undenkbar. Botschafter Melnyk selbst empörte sich darüber, dass die Verehrung des Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera durch die Ukraine in Deutschland auf wenig Gegenliebe stößt. Wikipedia schreibt über Bandera: „Die Massengewalt beziehungsweise die ‚Säuberung‘ der Ukraine von Juden, Polen, Russen und anderen ‚Feinden‘ der Organisation war ein zentraler Bestandteil seiner Ziele.“

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Der vernunftbegabte Teil der deutschen Bevölkerung dürfte sich für diese Art „Held“ niemals erwärmen können, wie auch Schack feststellt:

Dies wird zum Beispiel daran deutlich, dass mit Beginn des Krieges in der Ukraine bestimmte Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg, die in der Bundesrepublik als Staatsräson galten, quasi über Bord geworfen und entsorgt werden. Ihre betrübliche Bewunderung für Stephan Bandera, dessen Anhänger in Ihrer Geburtsstadt Lwiw 1941 – und nicht nur dort und dann – die schlimmsten Massaker an der jüdischen, später der polnischen Bevölkerung anrichteten, ist sicher das düsterste Beispiel. Selbst jene Medien, die sich ansonsten gegen »jeden Antisemitismus« positionieren, lassen Ihnen das durchgehen. In der Bevölkerung der Bundesrepublik kommt dieses aber immer weniger an.

Sehr geehrter Herr Botschafter, Sie drängen ja quasi darauf, dass Berlin Ihre historische Perspektive zu übernehmen hat. Geben Sie sich diesbezüglich keiner Illusionen hin, es wird Ihnen nicht gelingen, einen Antisemiten und Hitler-Bewunderer der deutschen Öffentlichkeit als ukrainischen Freiheitskämpfer zu verkaufen. Dieses steht Ihnen auch nicht zu.

Aufgabe des Botschafters wäre die Förderung einer diplomatischen Lösung

Statt auf Übergriffigkeiten sollte der ukrainische Botschafter sich besser auf seine eigentliche Aufgabe besinnen: Die Diplomatie.

Es wäre auch eine Beleidigung für Ihr Land und dessen Bewohner, die sich zur Stunde nicht an irgendwelchen Buffets aufhalten oder in Ledersesseln an den Kampfgeist appellieren, sondern Opfer eines Angriffskrieges sind, dabei vielleicht aber nicht auf einen endlosen Krieg setzen, sondern insgeheim auf eine diplomatische Lösung, was eigentlich ihre Aufgabe wäre, werter Herr Botschafter. Ebenso wenig haben Sie der hiesigen Öffentlichkeit mitzuteilen, wer in Deutschland als »Fremdkörper« zu gelten hat.

Kein würdiger Vertreter des ukrainischen Volks

Ukrainische Politiker, allen voran Wolodymyr Selenskyj, werden derzeit zu obersten Vertretern westlicher Werte stilisiert. Mit der Realität hat das freilich nichts zu tun. Der Verfasser spricht auch Melnyk eine würdige Vertretung der Ukraine ab:

Am heutigen Tag der Pressefreiheit darf ich Sie auch daran erinnern, dass die Ukraine auch vor Ausbruch dieses Krieges nur Platz 97 auf der Rangliste der Pressefreiheit belegte. Schon vor dem Krieg wurde die Ukraine von ihren Eliten und der jeweiligen politischen Führung unter Wert verkauft und schlecht vertreten.

Ihre Amtszeit als Botschafter der Ukraine in der Bundesrepublik stellt diesbezüglich keine Ausnahme dar. Sie vertreten die Ukraine schlecht und unter Wert.

Hochachtungsvoll, Ramon Schack

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Quelle des offenen Briefs: nd-aktuell, Ramon Schack



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