Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Aussichten für die nächsten sechs Monate wird von Analysten und Kommentatoren zu jeder Zeit sehr stark auf die in den Unternehmen vorherrschende Stimmung geachtet. Das ist naheliegend, denn in Abhängigkeit von den Erwartungen und der in den Unternehmen vorherrschenden Stimmung werden die Investitionsentscheidungen getroffen.

Zwar stellen Auswertungen wie der Ifo Geschäftsklimaindex oder die weltweit erhobenen Einkaufsmanagerindizes deshalb wichtige Quellen für die Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung dar, doch einen Punkt können auch die sorgfältigsten Analysen nicht beheben: Die Stimmungsfaktoren sind sehr subjektiver Natur und die Firmen und ihre Mitarbeiter können mit ihren Einschätzungen daneben liegen.

Genau dies ist in den letzten Monaten passiert. Die Manager, besonders jene in den USA haben sich verkalkuliert und die wirtschaftliche Entwicklung falsch eingeschätzt. Über eine zu starke Beachtung dieser Stimmungsindizes übertrug sich diese Fehleinschätzung letztlich auch auf die Kapitalmärkte.

Die US-Einkaufsmanager waren zu optimistisch

Zum Ende des letzten Jahres herrschte die Auffassung vor, dass die mit der Corona-Pandemie verbundenen Einschränkungen zu Ende seien und Wirtschaft, Verbrauch und Konsumverhalten wieder auf die Niveaus des Jahres 2019 zurückkehren werden. So verständlich diese Einschätzung war, so falsch war sie zur gleichen Zeit, denn sie berücksichtigte nicht, dass die schon im zweiten Halbjahr 2021 stark gestiegene Inflation, die Kaufkraft der Bevölkerung massiv einschränken würde.

Erst kurz nach dem Jahreswechsel dämmerte vielen Unternehmen, dass die wirtschaftlichen Bäume auch nach der Pandemie nicht in den Himmel wachsen würden. Der US-Einkaufsmanagerindex verzeichnete deshalb im Januar einen scharfen Einbruch. Er verblieb allerdings immer noch oberhalb der Schwelle von 50 Punkten, die ein Wachstum anzeigt.

Eine Folge des hohen Optimismus zum Ende des letzten Jahres war, dass die US-Unternehmen ihre Lager wieder auffüllten. Sie waren in den beiden Pandemiejahren deutlich geleert worden. Der durch die Wiederauffüllung der Lager ausgelöste Nachfrageschub sorgte dafür, dass die US-Wirtschaft im vierten Quartal 2021 noch einmal deutlich zulegte.

Viele Firmen müssen nun aber feststellen, dass sie ihre Rechnung ohne die US-Konsumenten gemacht haben. Diesen fehlen die staatlichen Schecks, mit denen in den Jahren 2020 und 2021 der Konsum künstlich angekurbelt wurde und ihnen fehlt durch die hohe Inflation zudem ein nicht unerheblicher Teil an Kaufkraft, denn auch in den USA kann ein Dollar nur einmal ausgegeben werden.





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