Noch im Jahr 2018 schien der arktische Norden Russlands vor einem kräftigen Aufschwung zu stehen. Zu verdanken ist dieser der Klimaerwärmung. Sie lässt das Eis der Arktis schmelzen und macht damit einen Schifffahrtsweg wieder befahrbar, der eine wesentlich schnellere Verbindung von Europa nach Asien ermöglicht als die heutige Route über den Suezkanal und Singapur: die Nordostpassage.

Sie beginnt in Murmask im Nordmeer. Hier ist der Golfstrom noch zu spüren, weshalb die Gewässer um Murmansk ganzjährig eisfrei sind. Danach beginnt das Eis der Arktis. Es öffnet sich allerdings immer mehr, sodass der Schiffsverkehr auch über diese Route nach Asien möglich wird.

Zwar wird es ohne Eisbrecher nicht gehen, doch eine im Jahr 2018 entstandene russische Prognose rechnete damit, dass das auf der Nordostpassage abgewickelte Frachtvolumen von unter 8 Millionen Tonnen im Jahr 2016 bis zum Jahr 2030 auf 110 Millionen Tonnen ansteigen sollte. Im vergangenen Jahr war das Frachtvolumen bereits auf 35 Millionen Tonnen angestiegen.

Die hochfliegenden Pläne von 2018 sind heute Makulatur

Erstellt hatte die optimistische Prognose Rosatom, die russische Agentur für den Betrieb atomargetriebener Eisbrecher. Vorangegangen war ihr im Jahr zuvor die Inbetriebnahme des Yamal-LNG-Terminals in Novatek. Es hatte dafür gesorgt, dass zunehmend Flüssiggastanker auf der Nordostpassage verkehrten.

Sie sollen dazu beitragen, dass sich Gazprom und die anderen russischen Gas- und Ölkonzerne auch den asiatischen Markt erschließen können. Dazu wird es nun vermutlich nicht mehr kommen, denn mit dem von ihm begonnenen Krieg in der Ukraine hat Russlands Präsident Wladimir Putin auch seine eigenen Pläne zur Entwicklung der Wirtschaft in Russlands arktischen Regionen torpediert.

Für das russische Gas und Öl gibt es zwar auch weiterhin Abnehmer in Asien, doch diese werden kaum im großen Stil über die Nordostpassage zu bedienen sein. Der Grund dafür sind die zum Freihalten der Fahrrinne benötigten Eisbrecher. Sie kommen ohne westliche Technologie nicht aus. Von ihr hat sich Russland mit seinem Angriff auf die Ukraine jedoch selbst abgeschnitten, was sich bald auch in der arktischen Handelsschifffahrt schmerzlich bemerkbar machen sollte.





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