Mit Spannung hat die Welt in den letzten Wochen die französische Präsidentenwahl beobachtet. Dass Emmanuel Macron sich erneut gegen Marie Le Pen durchgesetzt hat, wurde allgemein mit Genugtuung aufgenommen. Doch schon in wenigen Wochen, am 29. Mai steht in Kolumbien eine weitere Wahl an, die in ihrer Bedeutung – auch überregional – nicht zu unterschätzen ist.

Gewählt wird wie in Frankreich ein neuer Präsident und wie in unserem Nachbarland könnte eine Stichwahl notwendig werden. Doch anders als in Frankreich kommt die Gefahr bei der Wahl in Kolumbien nicht vom rechten, sondern vom linken Flügel des Parteienspektrums.

Stein des Anstoßes ist Gustavo Petro. Der Kongressabgeordnete und frühere Bürgermeister der Hauptstadt Bogota bezeichnet sich als Anhänger des US-amerikanischen Demokraten Bernie Sanders und des verstorbenen früheren Präsidenten Venezuelas Hugo Chávez.

Die Berührungspunkte zu Hugo Chávez sind alarmierend

Hugo Chávez hat das Nachbarland von 1999 bis 2013 regiert und maßgeblich dazu beigetragen, dass das eigentlich ölreiche Land heute zu einem der ärmsten auf dem südamerikanischen Kontinent zählt. Das Amt gekostet hat ihn allerdings nicht ein Votum der notleidenden Bevölkerung, sondern eine unheilbare Krebserkrankung.

Gustavo Petro hat nicht nur dem Begräbnis von Hugo Chávez beigewohnt und diesen zu Lebzeiten oft getroffen. Eine der größten Gemeinsamkeiten beider Männer ist, dass sie vor dem Eintritt in die Politik einer paramilitärischen Rebellenbewegung angehört haben. Auch die bisweilen feindliche Einstellung zum Rohstoffsektor eint die beiden Männer.

Unter Hugo Chávez wurde in Venezuela der Ölsektor vor die Wand gefahren. Eine solche Entwicklung könnte sich in Kolumbien wiederholen, sollte Gustavo Petro die Wahl am 29. Mai gewinnen, denn schon im Jahr 2018 hatte dieser angekündigt, die Öl- und Gasindustrie werde sich auf eine feindliche Regierung einstellen müssen, sollte er jemals Präsident werden.

Für Kolumbiens Wirtschaft käme dies einer Katastrophe dar, denn die Ausfuhr von Öl und Gas macht 50 Prozent der Exporteinnahmen des Landes aus und so wundert es nicht, dass der Energiesektor zehn Prozent zum gesamten Bruttoinlandsprodukt des Landes beiträgt. Dies alles ist je nach Wahlausgang möglicherweise in Gefahr.





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