Berlin/Düsseldorf/Hamburg.

Der Tag der Arbeit am Sonntag steht in diesem Jahr auch im Zeichen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und seiner Folgen für Deutschland.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, hat vorab bereits eine stärkere Beteiligung von Reichen bei der Bewältigung der Lasten gefordert. Verdi-Chef Frank Werneke warnte mit Blick auf das angekündigte milliardenschwere Aufrüstungsprogramm für Deutschland vor einem Rüstungswettlauf.

Wernecke: Ziel Welt mit weniger Waffen

Deutschland müsse in der Lage sein, sich zu verteidigen, einschließlich seiner Bündnisverpflichtungen, erklärte Werneke im vorab veröffentlichten Manuskript seiner Rede in Mainz. Ziel bleibe aber eine Welt mit weniger Waffen. “Wir wollen keinen neuen Rüstungswettlauf, der auf Kosten der dringlichen Investitionen in Soziales, in Bildung und den Schutz des Klimas geht.”

Bundeskanzler Scholz hatte die Aufrüstung der Bundeswehr Ende Februar als Konsequenz aus dem russischen Angriff auf die Ukraine angekündigt. Er wird bei der DGB-Kundgebung in der nordrhein-westfälischen Hauptstadt Düsseldorf erwartet. In NRW wird in zwei Wochen ein neuer Landtag gewählt.

Trotz der außen- und sicherheitspolitischen Überlagerung des 1. Mai will der DGB den Fokus auch auf den Wandel der Arbeitswelt legen. Das Motto der Veranstaltungen lautet in diesem Jahr “GeMAInsam Zukunft gestalten”. “In diesen Zeiten tiefgreifender Veränderungen stehen die Gewerkschaften für ein solidarisches Miteinander”, heißt es im Gewerkschaftsaufruf unter Hinweis auf die enormen Herausforderungen von Klimaschutz, Digitalisierung und Globalisierung.

Die Beschäftigten bräuchten eine gute Qualifizierung für die Herausforderungen der sich wandelnden Arbeitswelt. “Wir fordern die Erneuerung des Sicherheitsversprechens für einen solidarischen Sozialstaat mit guten Renten sowie einer Bürger- und Pflegevollversicherung. Sozialabbau zur Gegenfinanzierung der gegenwärtigen Krisen lehnen wir ab.”

Silberbach: Öffentlicher Dienst Band des Zusammenhalts

Die Gewerkschaft dbb Beamtenbund sieht in Personalkürzungen und ausbleibenden Investitionen im öffentlichen Dienst eine Gefahr für das Funktionieren der freien Gesellschaft. “Nur ein für alle gleich und verlässlich funktionierender, leistungsfähiger öffentlicher Dienst ist in der Lage, dauerhaft Demokratie, Freiheit, Frieden und Wohlstand zu sichern, weil er das Band des sozialen Zusammenhalts ist”, sagte dbb-Chef Ulrich Silberbach den Zeitungen der Funke-Mediengruppe anlässlich des 1. Mai.

Neben den DBG-Veranstaltungen stehen vor allem in Berlin und Hamburg zahlreiche weitere Veranstaltungen an – von Motorrad- oder Fahrrad-Korsos über Corona-Proteste bis hin zu vor allem Aktionen der linken und linksradikalen Szene. In Berlin gilt die besondere Aufmerksamkeit der Polizei der Demonstration “Revolutionärer Erster Mai” im Bezirk Neukölln. Erwartet werden bis zu 20.000 Teilnehmer.

In vergangenen Jahrzehnten war es dabei zu Gewaltausbrüchen von Linksautonomen gekommen. Die Polizei ist am gesamten Wochenende in der Hauptstadt mit 6000 Beamten im Einsatz. (dpa)



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