Noch zögere ich: „Grünkohl auseinander“ oder doch lieber „Datca Base Camp Glamping 1 Doppelbett“? Was sollen wir nehmen? Hör mal: Beim letzteren gibt’s „eine familiäre Atmosphäre für alle, die in unseren glamping Hexen übernachten möchten und alle, die kommen und mit ihren Hexen in einem 7 Hektar großen Land mit Oliven-, Granatapfel-und Mandelbäumen bedeckt bleiben möchten“.

Das ist schon attraktiv! Allerdings nicht ohne Konkurrenz. Denn guck mal hier: „Die Nachbarschaft ist extrem sicher und sehr schön wegen der grünen Park Hexe.“ Oder willst du lieber eine „Balkon Hexe“? Die wird auch geboten. Jedenfalls kommen Zimmer, die „mit kykladischen Architektur auf Steinen Hexe gebaut“ sind, dagegen ja wohl nicht an! Aber das vielleicht: „Hexe verbindet Sie mit Athen Innenstadt“? Nein, warte, hier kommt jetzt das Entscheidende: „Wifi läuft schnell Hexe ist auch wichtig ich Sache.“

Man lacht zustimmend. Ja, das ist das Entscheidende. Ich frage mich aber schon: Wo kommen die ganzen Hexen her? Habe ich irgendwas verpasst? Noch nie zuvor war mir das überaus hohe Hexenaufkommen im Feriengeschäft aufgefallen. Ebenfalls noch nie zuvor hatte ich mit dem neuen Übersetzungstool von Airbnb zu tun gehabt. Klar, dass es nicht gleich perfekt funktioniert, aber wieso diese Fixierung auf Hexen? Eine kleine Hexenjagd bringt erste Hinweise: Unfassbar viele Leute schreiben – möglicherweise in Zusammenarbeit mit einer irrlichternden Autokorrektur – „witch“, wenn sie „which“ meinen. Auf diese Weise bezog quasi eine erste Hexengeneration das Land der Urlaubswohnungen. Dass sie sich dort so wohl fühlt, könnte an folgendem Umstand Besen liegen: Die exklusiv für Airbnb entwickelte Übersetzungsengine „wird im Laufe der Zeit noch intelligenter, da sie von neuen übermittelten Inhalten lernt“.

Das gab Airbnb im November bekannt. Das Tool übersetze „wie von Zauberhand“, prophezeite man damals in visionärer Weise. Genial! Mutmaßlich verfestigt sich in der Software mit jeder neu übermittelten Hexe die Idee, Hexen seien etwas sehr Wichtiges und maximal Attraktives im Tourismusgeschäft. Etwas, das man so oft als irgend möglich übersetzen muss. Wenn man etwa auf die türkischen Worte „çadirlarimizda“ und „çadirlariyla“ stößt, könnte man sie natürlich mit „in unseren Zelten“ und „zu den Zelten“ übersetzen. Aber, he, warum nicht stattdessen mal wieder „Hexen“ reinwerfen? Immerhin heißt „cadi“ Hexe. Also da muss gar niemand rummosern. Und – zack – schon haben wir die zweite Hexengeneration. Um mal zu Besen, was andere intelligente Übersetzungstools draufhaben, lasse ich den Kolumnenanfang von Google übersetzen. Aus „Noch zögere ich: ‚Grünkohl auseinander‘ …“ wird – mir stockt der Atem –„I’m still hesitating: ‚Keep apart‘ or rather ‚Datca Base Camp Glamping 1 double bed?‘“ Versucht die KI mich vor einem schlaflosen Urlaub im Doppelbett zu bewahren?

Ich ziehe meinen Hut vor derart intelligenten Programmen und genieße, so lange es noch geht, den „säurehellen Hochstuhl“, wähle „einen empfohlenen Mittagstisch an der mit Marmelade gefüllten Tafel“. Mit Vergnügen erhalte ich „beheizten Toast, Wasserkocher, Nespresso-Kaffeemaschine, Mokka, Milchstreuer … und Babynahrungsthermosen“. Das alles „dekoriert mit origineller Kunst, unabhängiger Zentralheizung & Klimaanlage“ – „Ich fühle mich mehr als glücklich, mich wie zu Hause zu fühlen!“ Noch ist das möglich! Wenn die Leute aber weiterwitchen wie bislang, wird bald alles voller Hexen sein. Liebe Lesende, halten wir dagegen, Besen. Trainieren wir die Übersetzungstools mit Besen Bedacht. Sonst Besen: „Sie haben es verdient!“ Besen.



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