Ist die Sammlung skandalöser Zitate der Corona-Kampagne eine „Menschenjagd“ und ein „Pranger“? Fahren die „Corona-Leugner“ mit diesem Mittel fort, „Hass zu säen“, wie der BR schreibt? Diese Fragen lösen aktuell die Webseite und das Twitter-Schlagwort „ich-habe-mitgemacht“ aus. Zur Beurteilung halte ich es mit einem Twitter-Kommentar: „‚Ich-Habe-Mitgemacht‘ ist keine Menschenjagd, es dokumentiert eine.“ Zusätzlich gibt es bei Corona auch einen Etappen-Sieg: Die Impfpflicht ist vorerst gescheitert, für Entwarnung ist es aber zu früh. Ein Kommentar von Tobias Riegel.

Auf der Webseite „ich-habe-mitgemacht“ werden besonders infame Äußerungen der Corona-Kampagne gegen Andersdenkende gesammelt. Diese Sammlung und das zugehörige Twitter-Schlagwort sorgen aktuell für eine Kontroverse, die Rede ist von „Pranger“ oder gar „Menschenjagd“. Die Macher der Aktion beschreiben ihr Anliegen in eigenen Worten wie folgt:

Die Webseite ‚ich-habe-mitgemacht’ ist ein privates Dokumentationszentrum für Corona-Unrecht, betrieben von einem anonymen, aber grundsoliden Kreis besorgter Archivare. Da die Täter von heute ab morgen nicht beteiligt gewesen sein wollen werden, gilt es Beweisstücke zu sammeln, um den einen oder anderen Zivilisationsbruch der Vergessenheit zu entreissen. (…) Dieses zivilgesellschaftliche Medienprojekt unterhält keinerlei Verbindungen zu irgendeiner politischen Partei oder bestehenden Gruppierung“

Die „Berliner Zeitung“ fasste den Streit folgendermaßen zusammen:

Zugleich gibt es scharfe Kritik an dem hashtag. Die Vorwürfe: Hier werde zur Menschenjagd aufgerufen, das öffentliche Anprangern sei eine klassische Methode Rechtsradikaler, zudem werde die Spaltung der Gesellschaft bewusst weiter vorangetrieben.

Debatte wird auf den Kopf gestellt

Dieser Absatz zitiert viel von dem Unsinn, den die Bürger seit zwei Jahren ertragen müssen: Da ist zum einen der bekannte Versuch, die Kritiker der destruktiven Corona-Politik als rechtsradikal einzufärben. Zum anderen der Versuch einer Täter-Opfer-Umkehr: Wer sich die Zitate ansieht, die etwa in dieser Liste gesammelt werden, dem fehlen immer noch die Worte angesichts der Hetze, Verrohung und des Opportunismus, der sich hier gegen Kritiker der Corona-Politik richtet. Nun den Chronisten dieser skrupellosen Meinungsmache vorzuwerfen, sie würden die „Spaltung der Gesellschaft bewusst weiter“ vorantreiben, stellt die Realität auf den Kopf. Man kennt dieses Prinzip auch von der verdrehten Argumentation, die Kritiker der Corona-Maßnahmen seien für die Fortführung der Corona-Maßnahmen verantwortlich.

Festzustellen ist zusätzlich, dass auch in der aktuellen Debatte die Hasssprache eher vonseiten der Unterstützer der destruktiven Corona-Politik kommt, während sich Teile der anderen Seite – von Ausnahmen natürlich abgesehen – inzwischen verbal eher zurückhalten, dazu weiter unten mehr.

Gegen das Argument, durch die Sammlung der Zitate werde eine „Menschenjagd“ veranstaltet, spricht auch, dass es den zitierten Personen noch vor kurzer Zeit sehr recht war, wenn ihre radikalen Äußerungen weit verbreitet wurden. Das sehen auch Twitter-Nutzer so:

Alle unter #IchHabeMitgemacht aufgeführten Personen hätten es bis kürzlich noch aufs heftigste gefeiert, wenn ihre grenzüberschreitenden Äußerungen tausendfach geteilt worden wären. Jetzt, wo der Wind sich langsam dreht, ist es eine #Menschenjagd Schon klar.

Ein Anderer meint:

Lese ich richtig? Die gleichen Leute, die monatelang zum Ausgrenzen aufgerufen haben, die Leuten wie mir aufgrund anderer Meinung ‚schwere Verläufe‘, ‘keine ärztl. Behandlung’ und Schlimmeres gewünscht haben, nennen es jetzt #Menschenjagd, wenn Betroffene nochmal daran erinnern?“

Ein Anderer meint:

Oh nein, nachdem ich gegen Ungeimpfte gehetzt und ihr fundamentales Menschenrecht auf körperliche Selbstbestimmung verachtet habe, hat jemand meinen Namen im Internet gepostet. Es ist eine #Menschenjagd!

Anti-Impfung-Pack“, „Schwurblerbrigade“, „Twitter-Mob“

Die Gegenseite schäumt – und vergreift sich (weiterhin) massiv im Ton, etwa auf Twitter. So fragt ein Nutzer:

„Darf man @SHomburg schon als Roland Freisler der #Querdenker bezeichnen? Oder ist er nur ein Arschloch, welches zur #menschenjagd aufruft, auch wenn er es leugnet.“ Ein Anderer meint: „Seh ich das jetzt richtig, unter #Menschenjagd regt sich wirklich das Anti-Impfung Pack (ihr wisst schon, das pack welches seit 2Jahren Virologen, Politiker und andere beleidigt bedroht und Gewalttaten an diesen plant) darüber auf dass ihnen Menschenjagd vorgeworfen wird.“ Ein Weiterer meint:

#IchHabeMitgemacht ist die letzte Mobilmachung der realitätsbefreiten #Schwurbelbrigade, bevor die Ära der nicht eingetretenen Prophezeiungen zu Ende geht. Das ist keine #Menschenjagd, das sind nur die #Leerdenker, die sich überlebt haben und für das #Ukrainebashing üben.“

Auch in großen Medien wird anlässlich von „ich-habe-mitgemacht“ in infamer Weise eine Täter-Opfer-Umkehr betrieben. Geradezu skandalös ist ein Beitrag beim Bayerischen Rundfunk Kultur, der fragt, „warum Corona-Leugner immer noch Hass säen“ würden. Unter dem Hashtag #IchHabeMitgemacht „tobt der Twitter-Mob und fordert einen Pranger für alle, die er für die Corona-Politik verantwortlich macht“. Nun kämen „die Trolle noch mal aus ihren Twitter-Löchern heraus“. Die „Corona-Leugner und Impfgegner“ hätten erkennen müssen, sie seien „Eckensteher und Mauerblümchen“, die nicht gemocht würden. #IchHabeMitgemacht sei ein Nachtreten, die Macher würden “lieber pöbeln als nachdenken, lieber an den Pranger stellen“ als „Trauern um die Toten“.

Es ist auffällig, dass sich die „Argumentation“ vieler Verteidiger der destruktiven Corona-Politik in Beschimpfungen und der Klassifizierung von Kritikern als „irre“ erschöpft. Die Macher von „ich-habe-mitgemacht“ haben das oft nicht nötig (von Ausnahmen abgesehen): Die Hetze in vielen Zitaten bei „ich-habe-mitgemacht“ spricht für sich und sie bedarf keiner weiteren Verstärkung durch Kraftausdrücke. Es ist auch ein Zeichen der Zeit, dass argumentativer Gegenwind bei harten Äußerungen als „Hetze“ bezeichnet wird.

Ist „ich-habe-mitgemacht“ ein Pranger?

Ich finde Internetpranger ein sehr fragwürdiges Phänomen. Zum aktuellen Fall müsste aber geklärt werden, ob „ich-habe-mitgemacht“ überhaupt die Kriterien eines Prangers erfüllt, wenn dort bekannte und öffentliche Zitate nochmals veröffentlicht werden. Man zerrt ja nichts an die Öffentlichkeit, was dieser bisher verborgen wäre.

Wenn jetzt der Begriff Kampagne für „ich-habe-mitgemacht“ genutzt wird, sei erinnert: Es waren die Kritiker der destruktiven Corona-Politik und die nicht geimpften Bürger, die in den letzten zwei Jahren Opfer einer beispiellosen Kampagne geworden sind – in den Medien und im Alltag. Ein Fehlverhalten rechtfertigt nicht ein anderes Fehlverhalten – aber die Hetze gegen Andersdenkende bei der Corona-Politik muss dokumentiert werden. Ob Twitter der richtige Ort dafür ist, sollte debattiert werden. Dann muss aber auch die Frage beantwortet werden, auf welchen Kanälen sich die betroffenen Bürger sonst äußern sollten: Weil sich zahlreiche Redakteure, Politiker, Ethikräte, Gewerkschafter, Kirchenvertreter, Wissenschaftler, Lehrerverbände, Gerichte und viele weitere Gruppen mitschuldig am Fortbestand der destruktiven Corona-Politik gemacht haben, ist von dieser Seite keine Aufarbeitung zu erwarten, sondern eher das Gegenteil.

Als Fazit schließe ich mich der Meinung eines Twitter-Nutzers an:

#IchHabeMitgemacht ist keine #Menschenjagd, es dokumentiert eine.

Ein Etappen-Sieg: Impfpflicht (vorerst) gescheitert

Erwähnt und begrüßt werden soll hier auch ein Etappen-Sieg: Die Impfpflicht ist vorerst gescheitert. Zwar war bereits der Versuch der Einführung extrem fragwürdig, aber immerhin konnte dieser Versuch durch eine in diesem Fall funktionierende Demokratie abgeschmettert werden. Dass sich die Bürger davon und von den aktuellen „Lockerungen“ der Corona-Maßnahmen nicht zu sehr beruhigen lassen sollten, haben wir kürzlich in dem Artikel „Die Corona-Geister müssen von den Bürgern vertrieben werden – Andere werden es nicht tun“ beschrieben:

Ein echtes Ende der Pandemie-Politik wird es erst geben, wenn die Bürger das endgültige und vollkommene Ende der Pandemie-Politik einfordern und eine Wiederholung ausschließen. Ansonsten wird – das zeigen alle Erfahrungen – ein Ausnahmezustand im Hintergrund am Köcheln gehalten: Nach einer trügerischen Phase der sommerlichen „Kulanz“ des Hygienestaates kann eine erneute Angstkampagne vor einer Virusvariante die Corona-Politik immer weiter verstetigen.”

Titelbild: Lightspring / Shutterstock





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