Überfüllter Uni-Hörsaal (in Vor-Corona-Zeiten) (Foto:Imago)

Es waren alarmierende Resultate, die das CHE Centrum für Hochschulentwicklung vergangenen Monat veröffentlicht hatte: Infolge der Zulassung immer weiterer „hochschulqualifizierender Kompetenznachweise” außer dem Abitur ist mittlerweile der abstruse Zustand erreicht, dass „bis zu 80 Prozent der Deutschen” für ein Studium berechtigt sein könnten. Damit steht einer akademischen Laufbahn an einer deutschen Hochschule deutlich mehr Menschen offen, als die offiziellen Statistiken nahelegen.

Hintergrund ist nicht nur die immer weitere Niveausenkung der Hochschulreife, der schleichende Abbau der schulischen Mindestanforderungen und die inflationäre Zunahme von Abiturienten gegenüber Absolventen der Mittleren Reife oder gar des Hauptschulabschlusses. Sondern vor allem die Tatsache, dass in Deutschland seit 2009 auch Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung plus Berufserfahrung „unter bestimmten Bedingungen”, die immer großzügiger ausgelegt werden, studienberechtigt sind. So qualifiziert beispielsweise auch ein Abschluss als Meister oder Fachwirt heute für ein Studium. Weil dieser sogenannte „dritte Bildungsweg“ bei den Berechnungen bislang nicht berücksichtigt wurde, so der CHE in seiner Analyse,  müsse die offizielle Quote der Studienberechtigten „deutlich nach oben korrigiert werden”.

Nicht die Hälfte, sondern vier Fünftel potentielle Akademiker

Dies hat zur Folge, dass der reale Anteil der Studienberechtigten in Deutschland nicht, wie den amtlichen Angaben zufolge, bei etwa rund 47 Prozent im Jahr 2020 liege – sondern bei vier Fünfteln aller Bürger im erwerbsfähigen Altern. Dabei wäre auch schon die „offizielle“ Annahme, wonach jede zweite Person zwischen 18 und 21 Jahren durch ihren Abschluss an einer allgemeinbildenden oder beruflichen Schule zum Hochschulstudium berechtigt wäre, eine fatale Größe – bezeugt dieser Umstand doch den schleichenden Bedeutungsverlust von universitären Abschlüssen und einen erreichten Grad der „Volks-Akademisierung“, der dem Leistungsprinzip und jeglicher Eliteförderung diametral entgegensteht. Dass es tatsächlich sogar 80 Prozent sind, die studieren könnten, ist eine Katastrophe für das einstige Spitzen-Bildungsland Deutschland.

Von den etablierten Parteien, insbesondere der Ampel-Regierung und Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (einer bezeichnenderweise gänzlich unbekannten FDP-Doppelnamenträgerin), war zu dieser verheerenden Entwicklung nichts zu hören; wenig verwunderlich – betreiben doch genau die heute regierenden Grünlinken seit Jahrzehnten die als „Demokratisierung des Bildungswesens“ vorangetriebene geistige Verarmung und strukturelle Veroberflächlichung des Schul- und Hochschulwesens – heute, an den Schalthebeln, zum einen ganz offen durch zunehmende Ideologisierung, zum anderen durch Überfrachtung des Schulwesens mit sozialpädagogischen Sonderaufgaben – von Inklusion bis Integration.

Wider die Verwässerung

Das Ergebnis dieser Entwicklung macht der Volkswirtschaft tagtäglich schwer zu schaffen: Einerseits ein gravierender Fachkräftemangel und zunehmende Abhängigkeit von ausländischen Mindestlohn-Felachen, die unqualifizierte Arbeiten verrichten; andererseits ein riesiger Wasserkopf von entweder arbeitslosen oder in staatlicher Versorgung geparkten Akademikern, die sich in brotlosen Künsten mit ständig neuen Phantomproblemen befassen und daraus den jeweiligen politischen Handlungsbedarf herleiten; so kamen wir vom Klima-Wahn  über die Gendersprache über transsexueller Gleichstellung zu all den konsum- und mobilitätsfeindlichen Verzichts-Katechismen, die uns das freie Leben schwer machen .

Lediglich, mal wieder, von der AfD kamen deutliche Worte gegen diese Entwicklung. So moniert deren wissenschaftspolitischer Sprecher im Bayerischen Landtag Ingo Hahn, Professor für Landschaftsökologie, eine zunehmende „Verwässerung” der Studienzugangsberechtigungen. Diese müsse „mit großer Sorge” betrachtet werden. Hahn wörtlich: „Die Aufnahme eines Studiums an einer deutschen Hochschule sollte stets an nachprüfbare akademische Mindestvoraussetzungen geknüpft sein. Langjährige Erfahrungen durch Hochschulprofessoren zeigen, dass ein zunehmend größer werdender Anteil der Erstsemesterstudenten nicht über die Mindestanforderungen für ein erfolgreiches Studium verfügen. Die Zahlen des CHE lassen für die Qualität der Lehre an den Hochschulen Schlimmes befürchten.” Tatsächlich trifft der Mann den Nagel auf den Kopf: Statt das Recht zum Universitätsbesuch praktisch jedem ungeachtet seiner Qualifikation hinterherzuwerfen, wäre es höchste Zeit, das Niveau des Abiturs wieder anzuheben. Und generell sollte eine Berufsausbildung nur in besonderen Fällen als Eintrittskarte für die Hochschule gelten.



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