Nachdem ich bereits die Süd-Ukraine besuchen konnte, um mir ein eigenes Bild zu machen, bin ich nun in Donezk angekommen. Hier mein Bericht des ersten Tages.

Nachdem wir mit der Gruppe Journalisten aus der Süd-Ukraine nach einer zweitägigen Autofahrt wieder in Moskau angekommen waren, sollten wir mit einer weiteren Gruppe nach Donezk fahren, haben die Gruppe jedoch um einen Tag verpasst. Daher sollte unsere Fahrt eine Woche später stattfinden und ich war schon auf dem Flughafen, um für einige Tage nach Hause nach Petersburg zu fliegen, als ich den Anruf bekam, es gehe nun doch am nächsten Tag los. Also bin ich ins Hotel zurück und am 24. März haben wir uns in den Zug nach Rostow gesetzt. Die Fahrt dauerte 23 Stunden.

In Rostow angekommen hatten wir nur einige Stunden Zeit, bevor es nachts um zwei Uhr mit dem Bus Richtung Donezk ging, wo wir um sieben Uhr morgens angekommen sind. Nach nur einer Stunde für Frischmachen und Frühstück saßen wir wieder im Bus.

Donezk

Die erste Station war gleich um die Ecke, wo elf Tage zuvor eine ballistische Rakete vom Typ Totschka-U im Donezker Stadtzentrum heruntergekommen ist und 20 Menschen getötet hat (ich habe darüber berichtet, den Artikel finden Sie hier). Westliche Medien haben die Bilder der Tragödie kurzerhand nach Kiew verlegt und als „Beleg“ für russischen Beschuss auf Kiew ausgegeben, obwohl es ukrainischer Beschuss auf Donezk gewesen ist.

An dem Ort der Tragödie ist eine Gedenkstelle eingerichtet und dort hat uns der Chef der Donezker Volksrepublik begrüßt und eine improvisierte Pressekonferenz gegeben, die von einer Dolmetscherin auf Englisch übersetzt wurde.

Anschließend sind wir in einen nahen Park gefahren, wo sich die sogenannte „Allee der Engel“ befindet, ein Mahnmal für die 91 in Donezk durch ukrainischen Beschuss ermordeten Kinder.

Besonders ist uns ins Auge gefallen, wie unglaublich sauber und gepflegt die Stadt Donezkt ist. Das hatten wir – zumal angesichts des achtjährigen Krieges – nicht erwartet, erst recht nicht nach dem schlechten Zustand, indem wir die unzerstörten Städte der Süd-Ukraine erlebt haben. Donezk steht dazu in einem sehr starken Kontrast.

Gorlovka

Anschließend sind wir nach Gorlovka gefahren. Die Stadt ist jedem, der den achtjährigen Konflikt im Donbass verfolgt hat, ein Begriff, denn sie war acht Jahre lang Frontstadt und lag unter ständigem Beschuss der ukrainischen Armee, wobei viele Zivilisten gestorben sind. Wir wurden zu einer Schule gebracht, die am 25. Februar mit schwerem Kaliber beschossen wurde.

Unterricht findet in Gorlovka derzeit per Videoverbindung statt, weil die Stadt seit Wochen unter Beschuss liegt. Auch an diesem Tag, so erzählte uns ein Vertreter der Stadt, hatte ein Geschoss ein Wohnhaus getroffen.

Auf der Straße waren kaum Menschen, lediglich einige alte Frauen schauten aus den Fenstern. Sie bekreuzigten sich, beteten für die russischen Soldaten und wünschten ihnen Erfolg.

In der Schule haben wir gesehen, was uns erfahrene Korrespondenten bereits berichtet haben. Die Behörden im Donbass gehen nach Beschuss sofort daran, die Schäden so schnell wie möglich zu beheben. So auch hier liefen in der Schule bereits die Reparaturarbeiten, wobei das Baumaterial für diese Reparaturen seit acht Jahren als humanitäre Hilfe aus Russland geliefert wird.

Bei dem Beschuss am 25. Februar sind zwei Lehrerinnen getötet worden und die Schulsekretärin hat nur durch ein Wunder überlegt, als ein Splitter knapp an ihrem Kopf vorbei geflogen ist und den Bildschirm ihres Computers zerstört hat.

Die lange Fahrt

Die Straßen im Donbass sind eine Katastrophe, der Bus konnnte teilweise nur 20 bis 30 Kilometer pro Stunde fahren und musste den tiefen Schlaglöchern im Slalom ausweichchen. Die Schlaglöcher sind keine Folge des Krieges, sondern eine Folge der Vernachlässigung der Infrastruktur durch die ukrainische Regierung.

Unser nächstes und letztes Ziel des Tages war die Stadt Wolnowacha, von der in Deutschland kaum jemand gehört haben dürfte. In russischen Medien hat die Stadt jedoch fast so viele Schlagzeilen gemacht, wie Mariupol, denn sie war hart umkämpft und die ukrainische Armee hat die Stadt schwer beschädigt.

Auf der Fahrt nach Wolnowacha sind wir an vielen Konvois des russischen Militärs vorbeigefahren.

Wolnowacha

Die Einfahrt nach Wolnowacha war schockierend, denn wir haben zum ersten Mal ernsthafte Kriegsschäden gesehen.

Als wir endlich auf dem zentralen Platz der Stadt angekommen waren und zum ersten Mal die Gelegenheit, hatten in einer Menschenmenge frei mit Zivilisten zu sprechen, waren wir natürlich neugierig. Bei den vorherigen Stopps hatten wir zu solchen Gesprächen keine Gelegenheit, denn in Donezk war es noch sehr früh am Morgen und in Gorlovka waren kaum Menschen zu sehen.

In Wolnowacha fand gerade die Ausgabe von humanitärer Hilfe durch die russische Armee statt, weshalb sehr viele Menschen auf dem Platz waren. Die russische Soldatin, die den Menschen die Tüten übergab, hatte buchstäblich für jeden ein freundliches Wort und ein Lächeln, was angesichts der Zerstörung rundherum besonders ins Auge gestochen hat.

Die Menschen waren ausnahmslos alle glücklich über die Ankunft der russischen Soldaten. Sie hatten unter der ukrainischen Herrschaft sehr gelitten und waren trotz der Zerstörungen der Stadt und trotz der Opfer froh über die Befreiung durch die Russen, wie sie es nennen. Das Meinungsbild hier unterscheidet sich merklich von dem in der Süd-Ukraine, wo es Unzufriedene gibt, die besonders laut gegen die Russen wettern, während die Anhänger der russischen Militäroperation sehr eingeschüchtert sind und Angst haben, ihre Meinung offen zu äußern wie ich hier berichtet habe.

Diese alte Dame hat Selensky verflucht, ihn immer wieder einen Faschisten genannt, und gefragt, wie ein Präsident seinen – nach ukrainischer Sicht – eigenen Bürgern so etwas antun kann, sie zu beschießen, zu ermorden und ihre Städte zu zerbomben. Sie forderte, Selensky hier auf dem Platz ans Kreuz zu schlagen. Außerdem erzählte sie, dass der russische Katastrophenschutz schon zwei Tage nach dem Ende der Kampfhandlungen angefangen hat, die Schäden zu reparieren, damit die Stadt schnell zumindest wieder Strom, Wasser und Heizung hat.

Die Zivilisten haben erzählt, dass die Kämpfe um die Stadt zehn Tage gedauert haben, in denen sie ohne Strom und Informationen aus der Außenwelt in Kellern gesessen haben. Als dann die Russen gekommen sind, so erzählten gestandene ältere Männer, und gesagt haben, es sei vorbei, die Russen wären da und würden bleiben, seien sich die Menschen und die Soldaten in die Arme gefallen, wobei selbst die Männer geweint hätten.

Das Krankenhaus

Über das Krankenhaus von Wolnowacha wurde in Russland viel berichtet, denn als die ukrainische Armee in der Stadt bereits geschlagen war, hat sie vor dem Abzug aus Wolnowacha das Krankenhaus, in dem Ärzte, Schwestern und Patienten waren, zum Abschied mit Panzern beschossen und es fast zerstört.

Der Chefarzt und einige Schwestern waren vor Ort als wir kamen, denn derzeit laufen die Aufräumarbeiten und sie versuchen, das Krankenhaus so schnell wie möglich wieder provisorisch einsatzbereit bereit zu machen. Sie haben uns wirklich schlimme Geschichten davon erzählt, wie sie sich mit Verletzten und anderen Patienten auf dem Boden und dann in den Kellern des Krankenhauses vor dem ukrainischen Beschuss versteckt haben. In dem dunklen Keller hat eine Frau ihr Kind zur Welt gebracht, während oben geschossen wurde.

Eine Frau wollte mir gar nicht mehr von der Seite weichen und hat mir erzählt, wie sie – die nur wenige Häuser weiter wohnt – all das erlebt hat. Und dann hat sie erzählt, wie die russischen Soldaten und mit ihnen ein Team des russischen Fernsehens gekommen sind. Durch den Filmbeitrag in den russischen Nachrichten habe ihr Sohn in Donezk erfahren, dass seine Mutter noch lebte, denn es gab zu dem Zeitpunkt keinen Strom und kein Mobilfunknetz, sodass sie ihm seit zehn Tagen nicht mitteilen konnte, wie es ihr geht.

Sie sagte immer wieder, nun werde alles gut, ihr Name sei ein gutes Omen, denn sie heiße Viktoria und der Chefarzt der Klinik heiße Viktor. Der Name bedeutet übersetzt „Sieg“.

Der Fortschritt der Militäroperation

Westliche Medien behaupten, die russische Militäroperation sei ins Stocken geraten und die Moral der russischen Soldaten sei schlecht. Das kann ich nicht bestätigen. Alle russischen Soldaten, die ich gesprochen habe, waren hochmotiviert und zufrieden mit dem Fortschritt. Wenn wir Konvois gesehen haben, haben die Soldaten immer entweder siegesgewiss die Faust nach oben gehalten, oder uns zugewunken.

Denis Puschilin, der Chef der Donezker Volksrepublik, hat auf eine Frage nach dem Verlauf der Operation gesagt, alles laufe nach Plan. Das Problem sei, dass die ukrainische Armee und die Nazi-Bataillone sich in Städten verschanzen und die Bewohner als menschliche Schutzschilde missbrauchen, was uns auch die Menschen in Wolnowacha bestätigt haben. Puschilin sagte, der Unterschied zwischen der US-Armee zum Beispiel im Irak sei, dass die Donezker und russischen Truppen ihre eigenen Leute befreien und daher zivile Verluste so weit, wie es irgend möglich ist, zu vermeiden versuchen. Den Amerikanern seien die Menschen im Irak hingegen egal gewesen, weshalb die Amerikaner zu dem Preis hunderttausender Toter schneller vorangekommen seien, indem sie die Städte einfach plattgebombt hätten.

Es gelinge natürlich leider nicht vollständig, zivile Opfer zu vermeiden, sagte Puschilin, aber der Versuch, die Zahl ziviler Opfer so gering wie möglich zu halten, sei der Grund, warum es vor allem im Donezker Gebiet so langsam vorangeht, denn dort seien mehrere Städte, die man nicht einfach dem Erdboden gleichmachen kann. Wolnowacha ist ein Beispiel, Mariupol ein weiteres, aber auch Avdeevka, das nahe an Donezk liegt und noch nicht eingenommen werden konnte, ist ein Beispiel dafür. Im Lugansker Gebiet laufe der Vormarsch schneller, weil es dort kaum Städte gibt, in denen sich die ukrainische Armee hinter Zivilisten verstecken kann.

Die Menschen

Im Gegensatz zur Süd-Ukraine haben wir im Donbass keine einzige Stimme gehört, die gegen den russischen Militäreinsatz gewesen wäre. Im Gegenteil, wir haben sehr viel Dankbarkeit an die Adresse der Russen gehört, weil das achtjährige Martyrium der Menschen im Donbass nun ein Ende habe. Auch die Menschen, die in von der Ukraine kontrollierten Gebieten wohnen, hatten unter der Besetzung, wie sie es nennen, sehr zu leiden. Dazu werde ich morgen mehr erzählen.

Was in Wolnowacha besonders auffällig war, war der Optimismus der Menschen. Alle, die wir gesprochen haben, haben von dem anstehenden Wiederaufbau gesprochen. Dieser Optimismus vor dem Hintergrund der Ruinen war sehr beeindruckend und auch irgendwie surreal. Auch die Hilfsbereitschaft war groß, so habe ich eine Szene gesehen, bei der der derzeitige Leiter der Verwaltung von Wolnowacha mit Menschen gesprochen hat. Einer Frau, deren Haus zerstört ist und die mit ihrem Mann und ihrem Kind im Keller haust, half er, eine Evakuierung nach Russland zu organisieren und er nahm ihr auch die Angst, ihr Mann könne zum Wehrdienst gezwungen werden, wenn er aus dem Keller kommt. Sie könnten als Familie in ein russische Flüchtlingsheim gehen und wiederkommen, wenn wieder Wohnraum vorhanden ist.

Ein anderer Mann sagte, er sei Fernfahrer und sein LKW und sein Anhänger seien fast unbeschädigt. Er würde gerne beim Transport von humanitärer Hilfe und Baumaterial aus Russland helfen. Er machte mit dem Leiter der Verwaltung einen Termin für nächste Woche aus, um das zu organisieren.

Von Wolnowacha sind wir zurück ins Hotel gefahren, wo wir wieder nicht viel Schlaf bekommen werden, denn schon um halb sechs Uhr morgens geht es wieder los. Dieses Mal sollte es nach Lugansk gehen, doch darüber werde ich morgen berichten.

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