RKI-Chef Lothar Wieler(R) und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach.Foto: Omer Messinger/Getty Images

Vor dem Bund-Länder-Spitzengespräch zur Corona-Lage am Freitag hat der Expertenrat der Bundesregierung eindringlich vor einer Überlastung der Krankenhäuser gewarnt. Die Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus könne „innerhalb von kurzer Zeit die allgemeine medizinische Versorgung in Deutschland gefährden“, erklärte das Gremium in einer Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme.

Der Expertenrat der Bundesregierung geht davon aus, dass Omikron „zeitnah flächendeckend dominant“ sein werde. Er verwies in seiner Erklärung darauf, dass es zwar einen milderen Krankheitsverlauf und weniger Krankenhausaufnahmen gebe. Gegenüber der bisher dominanten Delta-Variante drohe dies aber wieder durch „die starke Infektionsdynamik“ aufgewogen zu werden.

Akuter Personalmangel befürchtet

Nicht nur im Gesundheitsbereich fürchtet das Expertengremium deshalb einen akuten Personalmangel. In anderen Bereichen der zentralen Versorgung – zu der etwa Polizei, Feuerwehr oder Energieversorger gehören – drohten „bei hohen Inzidenzen und dem damit verbundenen Personalausfall ähnliche Belastungssituationen“. Der Corona-Expertenrat plädiert deshalb für eine Anpassung der Quarantäneregel.

Die Aufrechterhaltung der Versorgung werde, angesichts einer bereits jetzt schon sehr angespannten Personalsituation, nur durch eine abgestufte Aussetzung planbarer Eingriffe und eine entsprechende Umverteilung von Personalressourcen möglich sein. „Daher sollten in allen Bundesländern Vorbereitungen zur Reduktion planbarer Eingriffe getroffen werden, die im Falle einer starken Belastung ad hoc aktiviert werden können. Auf regionaler Ebene sollte in enger Kooperation dringlich eine effiziente Patientenallokation im ambulanten und stationären Sektor organisiert werden“, so der Expertenrat.

Neue Quarantäneregeln in Schleswig-Holstein beschlossen

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mahnte bei der Neuregelung der Quarantäne-Zeiten verständliche Regeln an. Es dürfe „kein Chaos bei der Quarantäne geben“, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“.

Schleswig-Holstein beschloss bereits am Donnerstag neue Quarantäneregeln, ohne die Bund-Länder-Beratungen abzuwarten. Insbesondere wurden geltende Sonderregeln für Omikron-Fälle gestrichen.

Debatten gab es vor der Bund-Länder-Runde auch um mögliche zusätzliche Maßnahmen. FDP-Chef Christian Lindner warnte vor zu weitgehenden Einschränkungen. Erforderlich seien nun „maßvolle Beschränkungen“ wie etwa strengere Abstandsregeln, sagte er. Einen neuen Lockdown mit flächendeckenden Schließungen dürfe es aber nicht geben.

„Wir brauchen Vorsicht, wir brauchen Augenmaß, aber auf verlässlicher Zahlenbasis“, sagte CSU-Chef Markus Söder dem Sender Bild. Er mahnte, Einschränkungen müssten auch gerichtsfest sein.

Für eine 2G-Plus-Regel für viele Bereiche warb in Schwerin Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nannte im TV-Sender Welt als eine Möglichkeit die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske in Zügen oder mögliche neue Reisebeschränkungen.

Stöhr: Omikron deutlicher Schritt Richtung Pandemie-Ende

Unterdessen sieht der Virologe Klaus Stöhr mit der neuen Omikron-Variante ein Ende der Corona-Pandemie in Sicht. „Wenn man sich anschaut, wie sich die Viren in den letzten Monaten entwickelt haben, ist es ein deutlicher Schritt Richtung Ende der Pandemie“, sagte Stöhr in der Phoenix-Sendung „Corona nachgehakt“.

Das Virus werde sich vielleicht nicht mehr so tief in der Lunge vermehren, dafür seien mit Omikron verstärkt andere Organe, „vielleicht nur die Nase oder die Schleimhaut im Nasen-, Rachenraum“ betroffen.

Zudem verkürze sich die Inkubationszeit. „All das sind eigentlich Zeichen der Anpassung an den Menschen, und das ist der richtige Ansatz, wenn man näher an das Ende der Pandemie kommen will“, so der ehemalige Leiter des Globalen Influenza-Programms für die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Virologe rechnet mit einem „sehr, sehr ruhigen“ Sommer

Die Daten aus Südafrika, wo die Omikron-Variante als erstes entdeckt worden war, zeigten einen Rückgang der Infektionszahlen und eindeutig mildere Verläufe als bei den vorhergehenden Varianten. „Die Omikron-Welle scheint dort signifikant abzuflachen.“ Auch die Entwicklungen in den USA bestätigten einen milderen Verlauf. Omikron sei daher „eine Realität, mit der wir uns arrangieren müssen“, so der Virologe.

Stöhr hält temporäre Kontaktreduzierungen für den aktuellen Winter und die Beibehaltung der AHA-Regeln weiterhin für notwendig. „Es gibt noch über 3 Millionen Menschen über 60 Jahre, die sehr schwer erkranken können, auch mit Omikron. Das ist völlig fraglos.“ Im weiteren Verlauf rechnet er allerdings mit einem signifikanten Nachlassen des Infektionsdrucks im April, spätestens Mai, und einem „sehr, sehr ruhigen“ Sommer. (afp/dts/dl)



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