Allgemein gilt der Grundsatz, dass Inflation entschuldet und daher die Schuldner zu den größten Profiteuren einer steigenden Teuerung zu zählen sind. Vor diesem Hintergrund müsste der deutsche Staat sich eigentlich auf die kommenden Jahre freuen, vor allem dann, wenn die Inflation gekommen ist, um zu bleiben.

Dass es sich jedoch keineswegs so einfach darstellt, legte Jens Boysen-Hogrefe, der Steuerexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), in dieser Woche gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters dar. Seine Botschaft: Nicht nur die Verbraucher kommt die Inflation teuer zu stehen. Auch der Staat leidet.

„Unter dem Strich bleibt ein Minus von etwa fünf Milliarden Euro“, warnte der Steuerexperte und verwies darauf, dass durch die stark steigenden Preise auch das Mehrwertsteueraufkommen im Jahr 2022 stark ansteigen wird. Gleichzeitig steigen allerdings auch die Kosten, die der Staat selbst hat.

Ist die Inflation importiert, leidet auch der Staat

Jens Boysen-Hogrefe, der auch dem Arbeitskreis Steuerschätzungen des Bundesministeriums der Finanzen angehört, kommt deshalb zum Schluss, dass mit Blick auf den Konsum und die zu tätigenden Investitionen eine starke Inflation auch für den Staat in Summe eher schädlich ist.

Allein die gestiegenen Preise im Bausektor dürften für den deutschen Staat, der jährlich in diesem Sektor etwa 50 Milliarden Euro für Straßen und Gebäude ausgibt, Mehrkosten in Höhe von etwa 1,3 Milliarden Euro im Vergleich zu einer normalen Inflation bedeuten.

Allerdings ist der Staat nicht nur Investor, sondern auch Konsument, etwa dann, wenn er die Kosten für das Benzin seiner Polizeifahrzeuge oder die Büromaterialien seiner Beamten bezahlen muss. Das sorgt für zusätzliche Ausgaben von ca. sieben Milliarden Euro, mahnt Jens Boysen-Hogrefe.

Unter dem Strich dürften dem Staat deshalb bei zusätzlichen Einnahmen von rund drei Milliarden Euro zusätzlich Ausgaben von etwa acht Milliarden Euro gegenüberstehen. Profitieren kann der Staat, wenn die Inflation im Inland entsteht, sodass Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge nominal kräftig steigen. Wird die Inflation allerdings über höhere Rohstoff- und Energiepreise aus dem Ausland importiert, ist auch der Staat ein klassischer Inflationsverlierer.



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