Im vergangenen Jahr glaubte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dass eine steigende Inflation am besten durch sinkende Zinsen zu bekämpfen sei. Seiner Notenbank legte der Präsident deshalb nahe, Zinssenkungen durchzuführen. Sie haben, wie man inzwischen sehen kann, durchaus gewirkt, allerdings nicht in der von Präsident Erdogan erhofften Weise.

Lag die Inflation im November am Bosporus schon um die 20 Prozent ist sie nun zu Beginn des neuen Jahres auf 36 Prozent gestiegen. Damit erreicht die Teuerungsrate den höchsten Wert seit 2002. Selbst die Ökonomen sind überrascht. Sie hatten zwar einen Anstieg der Teuerung erwartet, waren aber „nur“ von einem Plus von 27 Prozent ausgegangen.

Nun liegt der Kaufkraftverlust nochmals um neun Prozentpunkte höher, denn wie das Statistikamt der Türkei am Montag in Ankara mitteilte, stieg die Inflationsrate im Dezember auf 36,08 Prozent an. Besonders stark verteuert haben sich dabei Lebensmittel und die Transportkosten.

Ein tödlicher Mix aus steigenden Rohstoffpreisen und schwacher Lira

Seit dem Sommer hat sich die Inflationsrate damit mehr als verdoppelt und allein zwischen November und Dezember erhöhten sich die Preise in der Türkei nochmals um 13,6 Prozent. Wie stark der Inflationsdruck tatsächlich ist und aus welcher Richtung der Wind vor allem weht, zeigt ein Blick auf die Erzeugerpreise. Sie stiegen im Dezember auf Jahressicht um 79,89 Prozent an.

Es ist damit zu rechnen, dass die Unternehmen und Händler diese Preissteigerungen schon bald an ihre Kunden weitergeben werden ja weitergeben müssen. Deutlich mehr als in der Inflation der Konsumentenpreise spiegelt sich in den Erzeugerpreisen der massive Wertverlust der türkischen Lira wider. Er verteuert die ohnehin stark steigende Rohstoffpreise in Landeswährung gerechnet nochmals erheblich.

Die türkische Lira geriet am Montag erneut unter Druck, was die Preissteigerungen weiter anheizen dürfte, denn mit seinen Forderungen nach niedrigeren Zinsen hatte der türkische Präsident schon im letzten Jahr die Landeswährung mächtig unter Druck gesetzt und einen Grund, die Lira zu besitzen oder gar zu kaufen, hat derzeit niemand.



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