Foto: Wikimedia/BBD Editor, CC BY-SA 4.0; Pixabay

Wochenblick-Leser Walter Mair hat seine Gedanken rund um Intensivbetten, Gentherapie-Spritzen und die Frage des Sterbens in Würde kreisen lassen und Wochenblick diesen satirisch, nachdenklichen Essay mit den Worten zukommen lassen: „Ich brauche keine künstliche Lebensverlängerung und glaube an so etwas wie einen natürlichen Kreislauf von Werden und Vergehen. An der aktuellen Ausformung des ‚Vergehens‘ will ich mich allerdings nicht beteiligen und überlasse meinen Rechtsanspruch auf ein ‚System-Bett‘ gerne anderen.“

Ein Gastbeitrag von Wochenblick-Leser Walter Mair

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Lotterie de Triage – Verlost mein Intensivbett

Bitte lost meinen Anspruch auf ein Intensivbett an einen glücklichen Gewinner aus. Ich stelle meinen gesetzlichen Anspruch aus Überzeugung und von Herzen gerne als Hauptpreis für jede künftige Impf-Turbo-Boost-Lotterie zur Verfügung. Es sei denn, dass der tüchtige Veranstalter den Gewinn eines Autos – (das Risiko und/oder die Wahrscheinlichkeit, eher an einem Autounfall als an dem tödlichen Verlauf einer C.-Erkrankung zu sterben sei hier ebenfalls nicht Gegenstand der Betrachtung) – höher bewertet als die Garantie, eine C.-Erkrankung in einem Intensivbett zu beenden. Ich jedenfalls verzichte freiwillig auf die Prozedur einer schulmedizinisch technisch-mechanistischen Intensivbehandlung einer Erkrankung, die mich mit hoher Wahrscheinlichkeit nie treffen wird. Wie beruhigend muss es doch für unsere „verantwortlichen Menschenfreunde“ sein, wenigstens einen tragischen Fall von lebensbedrohlicher Triage ausschließen zu können. Und wie glücklich darf sich jeder vielleicht zwar gewinnsüchtige, aber immerhin freiwillig teilnehmende ImpfwilligIne schätzen, in Punkto Lebensrettung mit Garantie einem UngeimpftInen vorgezogen zu werden.

Keine Gentherapie

Jedenfalls lasse ich mich mit dem wiederkehrenden Szenario überlasteter Intensivbettenkapazitäten nicht erpressen. Und schon gar nicht zu einer Gen-Therapie zwingen, deren Auswirkungen und Ausgang mehr als fragwürdig erscheint. Aller simulierten Komplexitätsforschung und Wahrscheinlichkeitshochrechnung zum Trotz entscheide ich mich klaren Geistes für einen humanen Weg, der ohne Simulation und Expertentum auskommt und zudem „tod“-sicher ist. Ich werde eines Tages gesund sterben. Ich verzichte freiwillig auf eine künstliche Lebens- vor allem aber Leidensverlängerungsmaschinerie. Auch wenn mir als steuerzahlender Staatsbürger Österreichs sozialversicherungsrechtlich eine Behandlung nach dem neuesten Stand moderner Medizin-Technik zusteht – ich will sie nicht! Was ich aber will und worauf ich bestehe ist die verlässliche Weitergabe „meines Intensivbettes“ an einen Mitmenschen, der an den Zauber technischen „Über-Lebens“ glaubt. Der einer fragwürdigen Verlängerung seiner Lebenszeit entsprechende Bedeutung beimisst. Angeschlossen an eine hochtechnisierte Apparatur, die das Kommando übernimmt über den duldenden Körper. Abhängig nur noch von der Funktionalität künstlicher Ersatzgeräte – bis hin zu dem Moment, da der „Not-Aus-Knopf“ gedrückt und das Kabel und Schläuchegewirr entfernt wird. Inwieweit der solcherart künstlich am „Leben“ gehaltene Körper Bestandteile (Organe) enthält, die durchaus noch nütz- und verwertbar wären, soll nicht Gegenstand dieser Intensiv-Behandlung sein.

Kreis des Lebens in Würde schließen

Ganz anders und fast schon romantisch stelle ich mir ein Lebensende in Würde, Ruhe, Liebe und Geborgenheit vor. Gehen wir einmal davon aus, dass ewiges Leben in ein und demselben Menschenkörper bis dato nicht nachweisbar ist und vermutlich krankhafte Utopie bleibt. Abgesehen von der philosophischen Frage, welchen Sinn – insbesondere unter den aktuell gegebenen Umständen – ein ewig dauerndes Menschenleben machen könnte. Was kann einem gewöhnlichen Menschen also Besseres passieren als eines Tages – als Gesunder – aufgrund biologischer Alterungs- und/oder auch Abnützungserscheinungen und -Prozesse eines natürlichen Todes zu sterben. Mit Glück in vertrauter Umgebung und im Kreise geliebter Menschen, die einem friedlichen Geschehen beiwohnen (dürfen), das als natürlichste Sache der Welt einen Kreis schließt, der einst mit der Geburt begann? Dem ersten Schrei folgt nach der Zeitspanne eines Menschenlebens das letzte Ausatmen – in Würde!

Zum Autor:
Lebenskünstler, Wortspieler, Philosoph, Autor, Vater, Angestellter, Mediator, Begleiter, Pensionist, Mensch – es gibt viele Rollen, mit denen sich der lebensfrohe Mittsechziger Walter Mair identifizieren kann. Als wichtigste Eigenschaft beschreibt der leidenschaftliche Konsument freier und unabhängiger Medienangebote seinen Hang, stets skeptisch und (positiv) kritisch zu bleiben.

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