Obwohl mein Wochenbriefing 36.454 Abonnenten hat, möchte ich einen Auszug daraus auch dem breiteten Publikum hier auf der Seite nicht vorenthalten – weil er mir dafür zu wichtig ist. Voilà:

Die aktiv von Medien und Politik betriebene Hetze und Spaltung der Gesellschaft ist unerträglich. Wir erleben das, was wir aus den Geschichtsbüchern kennen: Wie eine Gesellschaft mutwillig und vorsätzlich von der Politik und den Medien vergiftet, ja angezündet wird, um vom eigenen Versagen abzulenken. Ich bin kein Mediziner. Ich halte mich sehr zurück mit Urteilen. Aber meine Logik reicht aus, um eines zu verstehen: Dass es absurd ist, die Ungeimpften für die Lage verantwortlich zu machen. Und dass die Impfung eben nicht den Erfolg hat, den man von ihr erwartet hat und der versprochen wurde. Wenn wir uns das zumindest eingestehen würden, wäre das Feuer in unserer Gesellschaft noch löschbar. Doch, statt das Offensichtliche einzugestehen, negieren es Medien und Politik. Wir erleben eine Herrschaft der Lüge.

Mehrmals täglich, ja oft fast stündlich, komme ich ins Kopfschütteln, ja es läuft mir eiskalt den Rücken herunter, welche neuen Ausmaße die Hetze und das Framing erreichen. Neuestes Beispiel – aus der Sportzeitschrift „Kicker“: Da ist von „mutmaßlich ungeimpften“ Spielern des FC Bayern die Rede. Das ist ein Begriff, den man aus den Polizeiberichten kennt, wo er für (mutmaßliche) Straftäter angewandt wird. Ich könnte die Liste von absurden, in meinen Augen an finsterste Zeiten der Geschichte erinnernden Diffamierungen und Forderungen der Ausgrenzung, ja Entmenschlichung, hier lange fortsetzen. Ich will das weder Ihnen noch mir zumuten. Wir erleben es ja ohnehin im Stakkato. Mir raubt es den Schlaf. Es ist unerträglich.

Was mich etwas tröstet, sind die vielen Reaktionen von klugen, nachdenklichen, reflektierten Menschen. Ungeimpften wie Geimpften. Besonders bewegend finde ich die Aufrufe von Geimpften, die sich gegen die Hetze stellen. Ein Leser schrieb mir, er fühle sich an „das Milgram Experiment“, ein bekanntes Sozialexperiment erinnert (Leerzeichen fehlt), erinnert: „Ich komme mir seit einiger Zeit vor als wäre ich Teil eines solchen Experiments.“ Dabei wurde 1961 die Bereitschaft von Menschen getestet, autoritären Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen. Zum „Lehrer“ bestimmte Versuchsteilnehmer sollten nach Anweisungen eines „Versuchsleiters“ „Schülern“ bei Fehlern elektrische Schläge versetzen und diese nach weiteren Fehlern immer schmerzhafter machen. „Versuchsleiter“ und „Schüler“ waren Schauspieler – und damit ebenso wenig real wie die Stromschläge. Die echten Versuchspersonen, die „Lehrer“, quälten ihre „Schüler“ trotz Schmerzensschreien bis zur vermeintlichen maximalen Spannung von 450 Volt. Nur 14 brachen vorher ab. Knapp zwei Drittel waren bedingungslos gehorsam. Heute werden schon Stimmen von „Experten“ laut und in den Medien zitiert, die ein zwangsweises Vorführen und Impfen mit Gewalt ins Spiel bringen.

Ein weiteres Experiment, an das sich mein Leser erinnert fühlte, war das Konformitätsexperiment von Asch. Es kam zu dem Ergebnis, dass der Gruppenzwang Menschen dazu bringt, das völlig Offensichtliche zu negieren (Details können Sie hier nachlesen). Nur ein Viertel der Versuchspersonen blieb unbeeinflusst, konnte sich in allen Versuchsreihen dem Gruppenzwang widersetzen und vertraute der eigenen – richtigen – Wahrnehmung. Die hartnäckige Weigerung so Vieler, zu erkennen, dass das Impf-Narrativ in sich zusammengestürzt ist (ich rede nicht vom Schutz vor schweren Verläufen, sondern vom Versprechen, die Impfung würde vor Ansteckung schützen und die „Freiheit“ zurückbringen), erinnert an das Asch-Experiment.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. So wie die Politik in der Bankenkrise bestimmte Banken um jeden Preis retten musste, weil ihr Einsturz das System ins Wanken gebracht hätte, „too big to fail“ so glaubt sie jetzt, sie müsse das Impf-Narrativ bis zum Ende durchziehen. Ein Spiel mit dem Feuer. Je länger der Gruppenzwang aufrechterhalten und je stärker der Druck zu seiner Einhaltung wird, umso größer ist die Gefahr einer Explosion, wenn das Offensichtliche nicht mehr ausreichend kaschiert werden kann.

Sie werden jetzt sagen: Kritik ist wohlfeil, aber was kann man tun? Meine Aufgabe als Journalist ist es nicht, Ratschläge zu geben – genauso wie ein Staatsanwalt nicht der Erzieher seiner „Klienten“ ist. Aber meine Aufgabe ist es, kluge Menschen zu befragen. Das habe ich getan. Mein Gespräch mit dem Epidemiologen und früheren Leiter des Gesundheitsamts in Aichach-Friedberg, Dr. Friedrich Pürner, war für mich eines der spannendsten Gespräche, die ich je zu dem Thema geführt habe. Ich lege es Ihnen sehr ans Herz (anzusehen hier).

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Welche Folgen die Hetze hat, erlebe ich inzwischen täglich am eigenen Leib. Hätte ich mir nicht in 16 Jahren Russland eine Elefanten-Haut angeeignet – ich weiß nicht, ob ich all das durchstehen würde. Ich kann es niemandem verdenken, auch keinem Kollegen, wenn er sich solche Spießrutenläufe nicht antun will, wie sie heute jeder ertragen muss, der den Kurs der Regierung kritisiert (es sei denn, die Kritik beschränkt sich wie bei sehr vielen Kollegen darauf, dass die Maßnahmen nicht hart genug sind und der Impfzwang nicht schnell genug kommt – solche Kritik ist willkommen). Diffamierung ist Alltag. Und leider auch übelste Drohungen. Hier nur ein Beispiel:

Ich habe Mitleid mit Menschen wie dem Autor dieses Briefes. Für mich sind sie missbraucht. Ihre Ängste, ihre Sorgen werden manipuliert. Sie werden zynisch eingesetzt wie Werkzeuge, ohne das zu verstehen. Genauso Aktivisten wie die Betreiber von Internet-Portalen wie dem sogenannten „Volksverpetzer“. Die heute eine Funktion einnehmen, wie sie in autoritären Staaten Geheimdienste und politische Polizei erfüllen. Ich glaube, sie ahnen das nicht einmal. Zumindest viele von ihnen. Sie sind beseelt von dem, was ihnen diejenigen, die sie missbrauchen, einreden. Wie immer in der Geschichte: Sie würden für das Gute kämpfen. Sie sind Missbrauchs-Opfer. Ich empfinde mit ihnen Mitleid.

Allzu deutlich wird heute, wie viele Menschen in der Bundesrepublik keine „innere Demokratisierung“ durchlaufen haben, sondern nur eine äußere, ritualisierte. Sozusagen einen demokratischen Lack, der jetzt abgeht. Mit einer Freundin aus dem Ausland, die lange in Deutschland lebt und heute genauso entsetzt ist wie ich, habe ich länger über den Hass der Kollegen gegen mich gesprochen bzw. gechattet (siehe meinen Beitrag hier):

Ich äußerte meine Bestürzung darüber, dass so viele Kollegen – und nicht nur die – keine abweichende Meinung ertragen können. Dass sie einen abwerten, für krank erklären, weil man andere Ansichten hat. Was in einer pluralistischen Demokratie die normalste Sache der Welt sein sollte. Ihr bitteres Fazit: Vielen wurde das in Deutschland nie beigebracht. Nein, Gott sei Dank nicht allen. Aber zu vielen. Sie als Ausländerin erwägt jetzt wie viele Ausländer, die ich kenne, aus Deutschland wegzuziehen. Ihr wird es unheimlich. Sie sieht die Urkräfte am Werk, die unser Land wiederholt in den Abgrund gezogen haben.

Auch das Verständnis von Journalismus, Pluralismus und Meinungsfreiheit ist bei vielen eingeschränkt. Auf Facebook erhielt ich heute folgenden Kommentar: „Herr Reitschuster, Hand aufs Herz, Sie machen auch ein Framing in ihren Beiträgen bezgl. der Corona Impfung. Sie beziehen eine Position, die sich gegen die Corona-Schutzimpfung richtet. Schon mal darüber nachgedacht?“

Meine Antwort – die zu einer Art journalistischem Glaubensbekenntnis“ geworden ist: „In den großen Medien ist Kritik an den Impfungen weitgehend tabu. Ich biete Kritikern und Kritik eine Plattform. Aus tiefer Überzeugung, dass mündige Bürger unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen müssen. Und sich selbst ein Bild machen sollen. Ich fordere meine Leser regelmäßig explizit auf, sich auch bei Medien mit gegenteiligen Sichtweisen zu informieren. Ich warne stets davor, irgendjemand wegen seines „Impfstatus“ – egal welchem – zu diskriminieren oder zu beschimpfen. Was daran „Framing“ sein soll, verstehe ich nicht.

Was Sie meinen, ist vielleicht „Ausgewogenheit“. Aber wenn die öffentlich-rechtlichen Sender mit acht Milliarden Budget und vielen tausenden Mitarbeitern eine Sichtweise komplett ausblenden, kann ich als Einzelkämpfer nicht acht von meinen 18 Stunden Arbeit am Tag dafür aufwenden, das zu wiederholen, was die Milliarden-Sender rund um die Uhr tun.

Dass ich eine Position beziehe, die sich gegen die Impfung richtet, ist Unsinn. Ich beziehe eine Position, die sich gegen eine einseitige Berichterstattung und die Verharmlosung richtet. Ich bin kein Mediziner und würde mich hüten, mir eine ‚Position‘ anzumaßen in einem Kompetenzfeld, auf dem ich mich wenig auskenne. Aber ich habe einen gesunden Menschenverstand und erkenne, wie einseitig informiert, ja Propaganda betrieben wird, wie sich die Regierung um Antworten drückt und wie in vielen Bereichen manipuliert wird. In meinen Augen. Das zu verschweigen wäre gegen meine Berufsauffassung. Dass ich mich mit meinen Zweifeln irren kann, betone ich immer wieder.

Woher kommt diese große Angst, ja der Hass auf Menschen, die hinterfragen? Er liegt darin begründet, dass er bei vielen die tief verdrängten eigenen Zweifel und Ängste befördert. Die Aggression richtet sich dann an den, der das ausspricht, was man selbst erfolgreich verdrängt hat.

Ich finde es traurig, dass man solch einfache Dinge wieder und wieder erklären muss. Seien Sie versichert – wenn morgen der Wind dreht und die Impfung und die Geimpften nur noch verteufelt werden, werde ich wieder gegen den Strom schwimmen. Wobei ich inständig hoffe, dass es soweit nicht kommt und wir wieder zu einer Ausgewogenheit in den großen Medien zurückkehren.

Zum Schluss noch etwas in eigener Sache. Vergangene Woche berichtete ich hier von meinem drohenden Ausschluss aus der Bundespressekonferenz. Dank eines in meinen Augen exzellenten Einsatzes meines Rechtsanwaltes, den auch Sie mit Ihrer Unterstützung ermöglichten, konnte dieser zumindest vorläufig abgewandt werden. Umso bitterer ist es, dass ich nun aus einem anderen Grund nicht mehr persönlich an den Veranstaltungen teilnehmen kann: Auf der Bundespressekonferenz gilt jetzt 2G. Mehr dazu in meinem Bericht hier. Ich werde auch diese Maßnahme juristisch überprüfen lassen.

Ich habe dieses Wochenbriefing mit sehr persönlichen Worten begonnen und will es auch mit solchen schließen. Ich bin aktuell am Limit und an der Grenze meiner Kräfte. Nein, das soll keine Klage sein. Ich denke, viele von Ihnen trifft die aktuelle Situation noch viel härter als mich. Aber ich will Sie wegen der nachlassenden Kräfte um Nachsicht bitten: Dafür, dass diese die Wahrscheinlichkeit von Fehlern erhöhen. Und dass ich vielleicht ein klein wenig zurückstecke, was den Umgang der Arbeit angeht. Besser Sie haben etwas weniger Artikel auf der Seite als einen Autor, der zusammengeklappt ist.

Aktuell retten mich vor einem Zusammenklappen – einem psychischen – nur eine solide Grundkonstitution und ein prinzipiell eher sonniges Gemüt mit viel Humor, und vor allem Sie, liebe Leserinnen und Leser. Ohne Sie, da bin ich überzeugt, würde auch die Grundkonstitution nicht mehr lange helfen. Aus vielen, vielen Zuschriften lese ich, dass es auch umgekehrt so ist. Dass mein Team und ich auch Ihnen helfen, nicht verrückt zu werden.

So traurig und tragisch der Anlass ist – dieser Zusammenhalt macht mir Mut und macht mich freudig!

Auf dass wir kritisch denkende Menschen uns nicht auseinanderdividieren lassen. Egal ob geimpft oder umgeimpft, ob rechts oder links, ob konservativ oder liberal. Auch wenn Sie in Vielem eine andere Meinung als ich haben (hoffentlich – alles andere wäre erschreckend, weil nur in Diktaturen Einheitsmeinungen herrschen): Es kommt darauf an, das Herz am rechten Fleck zu haben und den Kopf dazu zu nutzen, selbst zu denken. Und aus den vielen, vielen Tausenden Zuschriften und Kommentaren (und auch aus den 45 Millionen Zugriffen auf meine Seite allein im Oktober) weiß ich: Es gibt sehr viele davon in Deutschland. Nur sind sie nicht so lautstark wie die Meinungs- und Politikmacher!
Erlauben Sie mir, dass ich Sie heute zum Schluss einfach einmal fest umarme? Oder zumindest kräftig Ihre Hand drücke?

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Bild: Shutterstock
Text: br

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