Erfurt (dpa) – Die Verlegung der ersten Corona-Intensivpatienten aus Thüringen nach Norddeutschland könnte bereits am Donnerstag starten.

Insgesamt zehn Patienten aus dem Freistaat seien derzeit dafür vorgesehen, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums von Sachsen-Anhalt, an das die Koordinierung des Kleeblatt Ost angedockt ist mit. Der konkrete Zeitpunkt werde aktuell geplant und koordiniert. «Gegebenenfalls startet die Verlegung am Donnerstag», hieß es. Es wären die ersten bundesweiten Verlegungen in der vierten Corona-Welle.

Die Kranken würden in das Kleeblatt Nord verlegt, voraussichtlich nach Niedersachsen, sagte die Sprecherin weiter. Einem Bericht der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» zufolge will das Klinikum Siloah in Hannover drei Patienten aufnehmen.

So funktioniert das Kleeblatt-System

Das Kleeblatt-System wurde vor dem Hintergrund der ersten Corona-Welle 2020 eingeführt. Die Idee: Um Überforderungen bei einzelnen Krankenhäusern zu vermeiden, sollen innerhalb eines Kleeblatts, dem meist noch Nachbarbundesländer angehören, unkompliziert Patienten-Verlegungen möglich sein. Ist das nicht mehr möglich, sollen bundesweite Verlegungen möglich sein. Niedersachsen bildet gemeinsam mit Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern das Kleeblatt Nord. Eine Sprecherin des Thüringer Gesundheitsministeriums hatte am Nachmittag noch Schleswig-Holstein als Zielort genannt.

Bei den zehn angemeldeten Kranken gehe es ausschließlich um Covid-Fälle, sagte die Sprecherin aus Sachsen-Anhalt weiter. Auch Sachsen habe perspektivisch bereits einen Verlegungsbedarf von rund zwei Dutzend Patientinnen und Patienten angemeldet. Sachsen-Anhalt hingegen werde noch keine Patienten überregional verlegen, könne derzeit aber auch niemanden von außerhalb aufnehmen. Auch aus Bayern könnten in den nächsten Tagen rund 50 Kranke verlegt werden.

Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin sind im Kleeblatt Ost organisiert. Gemeinsam mit Bayern, das das Kleeblatt Süd bildet, aktivierten sie am Dienstag das Kleeblatt-System. Damit werden bundesweite Patientenverlegungen möglich. Bund, Länder und Experten des Robert Koch-Instituts koordinieren dann, welches Bundesland noch Kapazitäten hat, in welches Krankenhaus die Patienten bestenfalls sollen und welche Transportmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Meinungen

Verlegungen im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Systems sollten aus Sicht des Patientenschützers Eugen Brysch nicht nur für Covid-19-Patienten in Betracht kommen. Alle Intensivpatienten hätten Anspruch auf eine optimale medizinisch-pflegerische Behandlung, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz der Deutschen Presse-Agentur. «Deshalb müssen Bund und Länder unverzüglich das Konzept des Kleeblatt-Systems überprüfen.»

Im Mittelpunkt der Therapie eines Schwerstkranken müssten stets seine Krankheit, Symptome und die Chance auf Heilung stehen. «Dies gilt für alle Patienten in gleicher Weise und darf nicht auf Covid-19-Erkrankte beschränkt sein.»



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