Lord Jonathan Sumption ist einer der bekanntesten Juristen und Historiker in Großbritannien. Er hat nicht nur in einer Reihe von Gerichtsverhandlungen die britische Regierung oder Minister derselben vertreten, er war von 2012 bis 2018 auf Richter am Supreme Court des Vereinigten Königreichs, ein Amt, von dem er nach Erreichen des 70. Lebensjahres zurückgetreten ist, denn Richter am Supreme Court dürfen nicht älter als 69 Jahre alt sein.

Seither ist Lord Sumption eine der wichtigsten moralischen Instanzen im öffentlichen Leben des Vereinigten Königreichs. Er ist einer der härtesten und dauerhaftesten Kritiker von Lockdown-Maßnahmen und schreibt regelmäßig im Telegraph und anderen Tageszeitungen. Seinen letzten Beitrag im Telegraph vom gestrigen Abend haben wir an dieser Stelle für unsere Leser übersetzt, denn es ist ein Beitrag, der viel von dem Unwohlsein, der Abscheu, dem dejá vu transportiert, das viele Briten haben, wenn sie auf den Kontinent blicken, der immer mehr im COVID-Totalitarismus versinkt.


By By Cambridge Law Faculty – , CC BY 3.0,

Die letzte Welle von COVID-Autoritarismus hat in Europa einen gefährlichen Präzedensfall geschaffen [Für Briten ist Europa alles, was östlich und südlich des Ärmel-Kanals liegt].

Das Fehlen moralischer Skrupel bei denen, die verfolgen, was sie für ein öffentliches Gut halten, ist das erste Symptom des Totalitarismus. [Hinweis: Symptome entwickelt man NACH einer Erkrankung.]

In ganz Europa werden grundlegende Normen einer zivilisierten Gesellschaft der Panik überantwortet. Ungeimpfte werden von der Wahrnehmung von immer mehr Grundrechten ausgeschlossen. Österreich hat sie kriminalisiert, Italien hat sie daran gehindert, ihrer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die holländische Polizei hat auf Anti-Lockdown-Demonstranten geschossen, einige davon schwer verletzt. Wir erleben derzeit die letzte Torheit verängstigter Politiker, die nicht akzeptieren können, dass sie Naturphänomenen machtlos gegenüber stehen.

Wenn Lockdowns, erzwungene Schließungen von Unternehmen und andere brutale Gegenmaßnahmen erfolgreich gegen SARS-CoV-2 sind, warum befinden sich diese Länder in ihrer fünften Welle der Pandemie und bereits im dritten oder vierten Lockdown? Wie lange dauert es noch, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass diese Maßnahmen die Infektionswellen nur hinauszögern, bis die Maßnahmen wieder aufgehoben sind?

Die Logik, die dahinter steht, weiter an diesem Maßnahmen festzuhalten, führt dazu, dass sie niemals enden können. Was einst als zeitlich begrenzte Maßnahme eingesetzt wurde, um die Stellung zu halten bis Impfstoffe verfügbar sind, droht Bürgern als dauerhafte Maßnahme aufgezwungen zu werden, die ihre Lebensweise grundlegend ändert. Das vielleicht hässlichste Merkmal dieser Krise ist die Angewohnheit von Politikern, anderen für den Bankrott ihrer eigenen Politiken die Schuld zuschieben zu wollen. Die Opposition zu Impfstoffen ist dumm [Ein Punkt, in dem wir überhaupt nicht der Ansicht von Lord Sumption sind.]. Impfstoffe sind hoch effizient, wenn es darum geht, schwere Erkrankung und Tod zu verhindern [Ein Punkt, den die wissenschaftliche Forschung immer mehr in Frage stellt]. Aber Impfstoffe sind nicht effektiv, wenn es darum geht, Ansteckung oder Übertragung zu verhindern.

Der Kanzler Österreichs steht, bei diesem Versuch, die Schuld zu verschieben, in erster Reihe. Andere reizt es, ihm nachzufolgen. Indes, der Anteil der Geimpften liegt in Österreich bei 64% der Bevölkerung und damit deutlich über dem Durchschnitt in Europa (57%) und nicht weit hinter dem unseren (68% [im UK]). Die Niederlande und Belgien gehören zu den europäischen Ländern, in denen der Anteil der Geimpften mit 74% am höchsten ist. Dessen ungeachtet sehen sie einen der steilsten Anstiege bei positiv Getesteten. Und über dem wurde die moralische Dimension vollständig vergessen. Das Grundproblem ist eine Herangehensweise an die Pandemie, die dieselbe ausschließlich als technisches Problem öffentlicher Gesundheit behandelt. Sie ist aber ein komplexes Problem, zu dem auch die ökonomische, soziale und politische Dimension gehören.

Das führt zur unüberlegten Annahme, dass es keine legitimen Grenzen bei Maßnahmen gibt, denen eine verängstigte Mehrheit die Minderheit nicht unterwerfen könnte, in ihrem Versuch, sich selbst vor einer Infektion zu schützen. Das Fehlen moralischer Skrupel bei denen, die verfolgen, was sie für ein öffentliches Gut halten, ist das erste Symptom des Totalitarismus. Die Reduktion menschlicher Wesen zu Instrumenten des Staates ist das nächste.

Die soziale Interkation mit anderen ist keine optionale Freizeitbeschäftigung, sondern ein Grundbedürfnis von Menschen. Ein Minimum an Respekt der persönlichen Autonomie anderer Menschen ist ein wesentlicher Bestandteil einer Gesellschaft, deren Mitglieder in Harmonie zusammenleben wollen. Das ist, was uns zur Gemeinschaft macht. Regierungen, die das ignorieren, überschreiten eine moralische Grenze und finden sich als unvermeidliche Folge in einem ständigen Angriff auf die Humanität ihrer Bürger wieder.

Diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, mögen nicht klug, vielleicht egoistisch handeln. Aber wenn ihnen nicht erlaubt wird, darüber zu entscheiden welche medizinischen Prozeduren sie über sich ergeben lassen wollen, und welche Medikamente sie ihrem eigenen Körper zuführen wollen, dann ist nicht viel übrig, von ihrer menschlichen Autonomie. Der Tür, die in Despotismus und endlose Zweitracht führt, steht weit offen.

Wir [die wir nicht von entsprechenden Maßnahmen betroffen sind] sollten weiter genau beobachten und uns merken, wie leicht man eine liberale Demokratie durch Angst zerstören kann.



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