Von Alexander Wallasch.

Es mag ja im Sinne einer Recherche eine sinnvolle Maßnahme sein, als Journalist seine Gefühle und Emotionen zurückzuhalten. Aber der Fall der verstorbenen 15-jährigen Cheyenne B. aus dem oberfränkischen Hollfeld kann niemanden kaltlassen. Für die Familie kann es in diesen Stunden, Tagen und Wochen überhaupt keinen Trost geben.

Die Mutter des „lebensfrohen, mutigen, humorvollen und hilfsbereiten Mädchens“, wie Cheyenne auf Facebook von ihrer Schwester beschrieben wurde, hatte sich reitschuster.de in mehreren Gesprächen anvertraut, ihr großer Schmerz kam hier ungefiltert in der Redaktion an. Und wer selbst Kinder hat, kann gar nicht anders, als emotional angefasst zu sein.

In einem Gespräch berichtete Frau B., dass sie heute die Obduktionsergebnisse erwarten würde. Wir verabreden uns, gegen 16 Uhr noch einmal zu telefonieren.

Zwischenzeitlich erreicht uns eine Sprachnachricht der Mutter, sie sei jetzt drei Stunden bei einer Vernehmung durch die Polizei Oberfranken gewesen. Erschöpft, aber gefasst, kann hier die hinreichende Beschreibung dieser Nachricht sein, uns fällt keine bessere ein.

„Die können mir noch nichts sagen zu der Todesursache“, berichtet die Mutter aus dieser langen Vernehmung. Die Ermittlungen und auch ein Teil der Untersuchungen würden noch laufen. Die Familie soll sich bitte noch gedulden, wenn ihr an der ganzen Wahrheit gelegen sei.

Sie hätte den Beamten, so erzählt die Mutter reitschuster.de, zum Abschluss des Gesprächs mitgeteilt, sie würde durch einen Anwalt jetzt Akteneinsicht beantragen.

“Ich bin der festen Überzeugung, dass es die Impfung war“, teilte sie den vernehmenden Beamten ebenfalls mit, so wie sie es uns zuvor schon am Telefon berichtet hatte. Die Mutter hat bei der Polizei auch Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Diese Anzeige, so sagt Frau B. wurde „angenommen“, aber es werde noch abgeklärt mit der Staatsanwaltschaft, ob die Anzeige noch einmal persönlich gestellt werden müsse.

„Cheyenne ist jetzt freigegeben“, berichtet sie uns weiter, „heute ist Verabschiedung.“ Sie sei für den Moment nicht mehr in der Lage, irgendetwas zu besprechen oder zu sagen.

Es gibt zwar eine Rechtsschutzversicherung in der Familie, aber mit einer hohen Selbstbeteiligung, hatten wir erfahren. Noch weiß Frau B. deshalb nicht, wie sie diese zusätzliche Last in den kommenden Tagen und Wochen überhaupt stemmen soll.

Das Angebot eines Anwalts, der über die Berichterstattung bei reitschuster.de auf das Schicksal der Familie aufmerksam wurde und der Familie kostenfreie Hilfe angeboten hatte, nimmt die Mutter als Option daher dankbar an.

In der stundenlangen Vernehmung bei der Polizei wurde das „gesamte Leben rekonstruiert, die fünfzehn Jahre der Cheyenne“, berichtet die Mutter und erzählt weiter vom Tag, als die Tochter „das erste Mal gestorben ist.“ Damit bezieht sie sich darauf, dass das junge Mädchen anschließend noch tagelang im Koma lag.

Auch über die verabreichten Impfungen selbst wurde noch einmal mit der Polizei gesprochen. Und darüber, welche Ärzte die Tochter gehabt hätte. „Die Fragen habe ich alle beantwortet.“

Von Wut ist bei der Mutter nichts zu hören, die Trauer überlagert alles, noch hält der Schock der letzten Tage und Wochen seine Brandmauer hoch. Hier sucht eine verzweifelte Mutter nach Antworten.

reitschuster.de fragte bei der Pressestelle der zuständigen oberfränkischen Polizei nach, warum der Mutter das Obduktionsergebnis nicht mitgeteilt wurde. Ein Sprecher erkundigt sich und ruft zurück, nachdem er Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft genommen hat.

Es sei tatsächlich so, wie er im ersten Gespräch schon vermutet hatte, es gäbe von der Polizei gegenüber der Mutter nicht einmal Teilauskünfte. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Und auch wenn es die Mutter ist: Der Weg geht über die Akteneinsicht“, erklärt ein Sprecher, „aber erst, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind.“ Es würde dann so ablaufen, dass sich die Mutter zur Akteneinsicht an das Gericht wendet oder über einen Rechtsanwalt eine Zweitschrift beantragt.

Die Obduktion sei gemacht worden, so ein Sprecher, weil es sich hier um einen Todesfall gehandelt habe, bei dem man zunächst keinen natürlichen Tod feststellen konnte. Zunächst sei hier immer erst einmal die Polizei im Boot. Dann würde entschieden, wie es weitergehe. Und hier sei eben eine Obduktion angeordnet von Seiten der Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen seien aber, wie gesagt, noch nicht abgeschlossen.

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: Shutterstock
Text: reitschuster.de

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