Murot und das Prinzip Hoffnung” heißt der aktuelle “Tatort” aus Wiesbaden, der diesmal im nahen Frankfurt am Main spielt. Prinzip Hoffnung, ja, bitte her damit! Brauchen gerade alle – Kranke und Gesunde, Vernünftige und Unvernünftige. Nun geht es in dem “Tatort” – zu Pandemiezeiten Ende 2020 gedreht – nicht um Corona, aber um Haltung und Werte. Und um Philosophie. Das hat seinen Reiz, geht aber in der irren Familiengeschichte, die die Basis der Krimihandlung bildet, ein bisschen unter.

Die Philosophie hat aus mehreren Gründen ihren Reiz. So schafft es Frankfurt am Main mal nicht als Bankenstandort, sondern als einst weltberühmte Denkschmiede, die sie in der Realität ja wirklich war, ins populäre Fernsehen. Die “Frankfurter Schule” war aus der Universität hervorgegangen, Vertreter waren berühmte Philosophen wie Adorno und Horkheimer, die sich beispielsweise mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs befassten. “Das Prinzip Hoffnung” wiederum ist der Titel des Hauptwerkes des Philosophen Ernst Bloch, in dem es – grob gesagt – unter anderem um eine bessere Welt geht. Die Filmemacher transportieren diese Themen, indem ein Mordopfer ein obdachloser, ehemaliger Philosophieprofessor ist, der auch unter der Brücke Blochs Buch bei sich hat. Zudem wird damit die Vorgeschichte von Ermittler Murot (Ulrich Tukur) weitergesponnen – und das plausibel, weil Murot als reflektierender Feingeist angelegt ist: Vor seinem Polizisten-Leben war er Philosophiestudent – bei jenem Professor, der nun getötet wurde. Und da kommen wir zur irren Familie.

Zwar ist der Professor Opfer in einer Mordserie, aber diese Serie sollte nur verwischen, dass allein der Professor das eigentliche Mord-Ziel war – von seinen erwachsenen Kindern. Wer so eine Familie hat, kann das “Prinzip Hoffnung” auch gleich in die Tonne kloppen. Geisteskrankheit, Geldprobleme und rechte Gesinnung der Kinder beziehungsweise ihres mit involvierten Freundes geben sich bei den Mordmotiven die Klinke in die Hand. Ziemlich überdreht, da geht manchmal das Philosophische baden, zudem wird die Spannung hin und wieder jäh ausgebremst: Dann, wenn der Film quasi unterbrochen wird und stattdessen eine Art bühnenhaftes Kammerspiel die Protagonisten unter die psychologische Lupe nimmt. Mitunter befremdet auch, dass manche Irre von den üblichen Verdächtigen gespielt werden, die erst kürzlich durch “Tatorte” geisterten. Schauspieler Christian Friedel zum Beispiel, letztens in Dresden ein kaputter Laborassistent, hier ein Nazi. Und Lars Eidinger, der als Wahnsinniger den Ermittler Borowski in Kiel auf Trab hielt, und hier ein böser Sohn ist. Eidinger spielt die Irren ja irre fantastisch, aber überraschend ist das nicht mehr.

So, und auf was lässt sich nach dem “Tatort” hoffen? Darauf, dass die Irren nicht die Oberhand gewinnen – und Eidinger mal den Bergdoktor spielt.



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