«He, ihr Eierköppe» – das soll Helga Hahnemann einmal DDR-Grenzern zugerufen haben. Die Entertainerin war eine Type. Und gerade werden wieder Erinnerungen an sie wach. Etwa bei Inka Bause, die eine besondere Verbindung zu ihr hat.

Wenn man den Begriff «Berliner Schnauze» erklären müsste – das ginge mit Helga Hahnemann. Sie war eine Legende im Showbusiness der DDR. Von ihrem Wohnort Schöneiche bei Berlin bis nach Las Vegas waren es 9000 Kilometer, hieß es zur Einstimmung in einer MDR-Sendung über sie. Man könnte auch sagen: Ihr Las Vegas war der Friedrichstadt-Palast. Gerade wird wieder die Erinnerung an sie wach: An diesem Samstag vor 30 Jahren, am 20. November 1991, starb Helga «Henne» Hahnemann.

Sie führte durch die Sendung «Ein Kessel Buntes» und war eine der Synchronstimmen der populären Gauner-Reihe «Die Olsenbande». Nach ihr ist die Preisverleihung die Goldene Henne benannt – mit den Trophäen ehren MDR und «Super Illu» jedes Jahr beliebte Stars. Berlin würdigte sie 2010 mit einem Ehrengrab.

Nach dem Abitur besuchte Hahnemann die Staatliche Schauspielschule im Ostteil Berlins. Ihre künstlerische Wiege war das renommierte Leipziger Kabarett «Pfeffermühle», ihr Weg war eng mit dem Friedrichstadt-Palast verbunden. In ihrer letzten großen Revue «Kiek ma an» stand sie mehr als 100 Mal auf der Bühne. Sie konnte singen, schauspielern, lustig sein. «Sie war eine Volkskünstlerin», sagt Uwe Hassbecker von der Band Silly im Fernsehabend, der sie als «Legende» würdigte.

Von ihren Schallplatten wurde besonders «Big Helga» ein Erfolg. Die «Goldene Amiga» erhielt sie 1988 für «Helga – dicke da». Seit 1978 präsentierte sie die «Top-Musike» im Berliner Rundfunk. Zum Schauspiel-Ensemble des DDR-Fernsehens gehörte sie seit 1968, sie hatte das Privileg der Reisefreiheit.

Ihre Texterin Angela Gentzmer erinnert sich in einem MDR-Bericht daran: «Manchmal waren wir auch im Westen. Da war dann die Grenze zu, als wir zurückwollten. Da hat sie die Scheibe runter geleiert und hat gebrüllt: “He, ihr Eierköppe, macht mal hier auf, ich will nach Hause.” Und dann haben die uns die Scheinwerfer ins Gesicht geknallt um erstmal zu sehen, wer da grölt. Und dann haben sie gesehen, das ist die Hahnemann, und haben aufgemacht.»

Nach dem Mauerfall konnte sie nicht mehr an ihre großen Erfolge anknüpfen. 1991 wurde bei ihr Krebs festgestellt. Sie wurde nur 54 Jahre alt – aber ist bis heute bei vielen Menschen, die ein Leben in der DDR hatten, unvergessen.

Die Moderatorin Inka Bause («Bauer sucht Frau») hat eine besondere Verbindung. Ihr Vater Arndt Bause komponierte für Hahnemann Hits wie «Jetzt kommt dein Süßer». Für Inka Bause ist die Entertainerin ein Phänomen, wie sie der Deutschen Presse-Agentur sagte. Sie sei nach 30 Jahren immer noch ein Quotengarant im Osten Deutschlands, sie sei ein Menschenkind von der besonderen Sorte gewesen.

Hahnemann sei authentisch gewesen, mit einem Herzen, das für drei gereicht hätte, sagt Bause. «Empathisch und mit jedem gleich. Ohne Dünkel und Vorurteile. Ob es der Müllmann vor der Haustür war, der Rockstar oder der Staatsratsvorsitzende – für sie und vor ihr waren alle gleich. Sie hatte immer eine Meinung und stand für sie ein. Einen Mensch, wie sie es war, findet man heute sehr selten – vor allem in den Medien.»

 



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