Hartnäckig hat die Bundesregierung bisher die Tatsache ignoriert, dass durch verschiedene Effekte die Statistiken in Sachen Impfwirksamkeit verzerrt sind. Etwa wenn es um die Zahl der „Neuinfektionen“, also positiver Tests geht. Weil Ungeimpfte sich selbst für eine minimale Teilnahme am sozialen Leben ständig testen lassen müssen, Ungeimpfte hingegen nicht, kommt es hier geradezu zwangsläufig zu Verzerrungen. Ähnliche Effekte sind auch bei den Gesamtzahlen der Erkrankten sowie bei der Zahl der geimpften und ungeimpften Krankenhaus-Patienten möglich. Seit Wochen hake ich deswegen bei der Bundesregierung nach, ohne eine für mich überzeugende Antwort zu erhalten.

Nun die gute Nachricht: Merkels Sprecher Steffen Seibert hat am Mittwoch auf der Bundespressekonferenz auf Anfrage von mir eingeräumt, dass es aufgrund der beschriebenen Phänomene bei der Statistik der Neuinfektionen zu „leichten Unschärfen“ kommen kann.

Die schlechte Nachricht: Obwohl selbst regierungsnahe Virologen wie Alexander Kekulé von einer unsichtbaren Welle unter Geimpften sprechen und die heute üblichen Ausnahmen von den strengen Regeln und Grundrechtseinschränkungen für gefährlich halten, bleibt die Bundesregierung bei genau diesem Kurs. Der auch die Gesellschaft massiv spaltet. Sehen Sie sich dazu die Antworten des Gesundheitsministeriums sowie Seiberts in meinem aktuellen Video-Kommentar von der Bundespressekonferenz im zensurfreien Internet auf Rumble an. Die gesamte Bundespressekonferenz vom Mittwoch finden Sie hier. Unten auch das Wortprotokoll. 

 

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Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

 

Bundespressekonferenz, 17.11.2021

REITSCHUSTER: Der Virologe Kekulé spricht von einer unsichtbaren Welle unter Geimpften und hält Ausnahmen von strengen Regeln für diese für gefährlich. Wie stehen Sie zu solcher Kritik?

GÜLDE: Wir haben immer gesagt, dass es tatsächlich Impfdurchbrüche gibt. Wir sehen natürlich halt eben auch, dass sich Menschen mit vollständiger Impfung auch noch infizieren können. Wir haben auch nichts anderes behauptet. Wenn wir uns aber die Situation in den Krankenhäusern und insbesondere den Intensivstationen ansehen, dann sehen wir dort natürlich ein gehäuftes Auftreten von Ungeimpften, und das ist überproportional groß. Daher bleibt es bei den Regelungen und halt auch unseren Äußerungen dazu, sich impfen zu lassen.

Ja, es gibt auch entsprechende Empfehlungen des RKI zum Umgang mit Geimpften. Aber dazu sage ich vielleicht einfach noch einmal: Sobald Symptome auftreten und sobald ein Ungeimpfter positiv getestet wurde, gilt er nicht mehr im klassischen Sinne als geimpft, sondern als infiziert, und hat dann eben auch entsprechend die Maßnahmen zur Absonderung einzuhalten.

SEIBERT: Ich will es vielleicht auch noch einmal – wir hatten dieses Thema hier ja häufig – wiederholen: Es gibt mittlerweile Bundesländer, die die Inzidenz nach Geimpften und Ungeimpften getrennt erheben. Sachsen ist ein solches Bundesland. Dort lag nach gestrigem Stand und nach Angaben des Landesministeriums die Sieben-Tage-Inzidenz der Ungeimpften bei 1823, die der Geimpften bei 64. Bayern macht das nur einmal wöchentlich. Am vergangenen Donnerstag betrug die Inzidenz 953 bei Ungeimpften und 97 bei Geimpften.

Dabei mag es leichte Unschärfen geben, weil unzweifelhaft –darüber hatten wir offen häufiger besprochen – Ungeimpfte etwas häufiger getestet werden. Aber das Bild ist eindeutig, und es wird von allen Wissenschaftlern auch bestätigt: Ungeimpfte tragen deutlich mehr zur Pandemie bei. Geimpfte tragen deutlich weniger zur Pandemie bei. Geimpfte haben einen erheblich und um ein Vielfaches größeren Schutz vor schwerer Erkrankung, Intensivbehandlung oder gar Tod. Das sind die Fakten, und die bleiben.

REITSCHUSTER: Welche Rolle spielen Genesene in der Strategie der Bundesregierung?

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den Anteil von Genesenen unter Erkrankten – generell und auf den Intensivstationen?

GÜLDE: Ich muss offen gestehen: Ich verstehe die Frage jetzt nicht ganz. Sowohl Genesene als auch Geimpfte haben ein geringeres Risiko, sich erneut anzustecken. Insofern setzen wir natürlich weiterhin darauf, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen. Ja, auch Genesene haben einen Schutz. Aber die Gefahr, sich jetzt irgendwie bewusst dem Risiko einer Infektion auszusetzen und daran schwer zu erkranken, ist natürlich etwas, das wir unter keinen Umständen wollen. Aber, ja, auch Genesene tragen halt eben dazu bei, dass sich das Virus dann in der Regel nicht weiterverbreitet, und insofern gelten sie auch vollständig Geimpften als gleichgestellt.

Bundespressekonferenz, 15.11.2021

REITSCHUSTER: Warum können Genesene nicht wie in Österreich ihren Genesenenstatus durch einen Antikörpertest verlängern?

KAUTZ: Das ist jetzt erst einmal ein Faktum. Über den Sinn und Unsinn von Antikörpertests haben wir hier schon mehrfach berichtet. Dass ein Antikörpertest nicht zweifelsfrei darlegt, dass jemand nicht so leicht anzustecken ist, das haben wir ja auch schon mehrfach gesagt.

 
Bild: Boris Reitschuster  
Text: br

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