Die Corona-Pandemie hat die sogenannte Service-Mentalität in Deutschland weiter befördert. Wer 18 Monate lang im Home-Office verbringen konnte, hat sich oftmals von außen versorgen lassen. Essen auf Rädern – oder jedenfalls vom Bring-Dienst -, Bestellungen bei Online-Händlern … und stets liefern die Armen.

Die Kritik von links

Die Bilder entsprechen dem, was Linke schon seit langem beschreiben. Die sogenannte Klassengesellschaft nimmt Fahrt auf. Der Wohlstand für alle weicht dem Service der einen für die anderen.

Der Soziologe Andreas Reckwitz wird in einem Beitrag dahingehend zitiert, dass die Mittelklasse sich „zunehmend in eine gutsituierte, akademische neue Mittelklasse und eine prekarisierte, oftmals migrantische „service class“ aufteilen würde. Gerade in den Metropolen würden die beiden Klassen verstärkt aufeinander prallen. Zunehmend jedoch weicht diese Beobachtung aus: Auch in anderen Regionen wird geliefert auf der einen Seite und konsumiert auf der anderen.

Dies ginge einher mit extrem schlechten Arbeitsbedingungen bei den Lieferdiensten. Beispielhaft wird der Lieferdienst Gorillas beschrieben. Die Beschäftigten in Berlin würden nicht nur die befristeten Arbeitsverträge beklagen oder „unverhältnismäßig lange Probezeiten. Es würden auch die Gehälter teils verschleppt. Die „Rider“, also diejenigen, die ausfahren, würden minderwertig ausgerüstet sein und viel zu schwere Rucksäcke mit sich führen. Dabei gehörten auch Unfälle zum Arbeitsalltag, die sich in der schlechten Witterung und dem Zeitdruck begründen ließen. „Die Reaktion ihrer Chefs: Entlassungen“.

All dies wäre nicht möglich, gäbe es feste Angestellte. Die Beschäftigten könnten sich organisieren. Das wird durch Outsourcing unterbunden – Ausdruck der neuen „Freiheit“ der Mittelschicht.



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