Mit Lars Klingbeil wird jemand SPD-Chef, der Olaf Scholz den Rücken freihält. Machttaktisch klug wäre es auch, Kevin Kühnert zum Generalsekretär zu küren.

Die SPD hat sich mit der gewonnenen Bundestagswahl offenbar auch innerlich konsolidiert. Im Dezember soll ein Parteitag die neuen Vorsitzenden und einen neuen Generalsekretär wählen. Die Zeiten, in denen die SPD dazu die Mitglieder befragen musste, sind vorbei. Mit dem 43 Jahre alten Lars Klingbeil kandidiert ein noch junger, aber gleichwohl professioneller Politik-Manager, der nicht nur das Vertrauen des designierten Kanzlers Olaf Scholz, sondern auch jenes der Basis genießt.

Warum sich Scholz und Klingbeil verstehen

Klingbeil zählt wie Scholz zur Parteirechten, wird aber aufgrund seiner Arbeit als Generalsekretär auch vom linken Lager geschätzt. Er versteht es, zu vermitteln und auszugleichen. So habe Klingbeil Interviews des scheidenden Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans mit bösen Spitzen gegen Scholz verhindern können, heißt es in der SPD.

Klingbeil hat zudem großen Anteil am Wahlsieg der Partei. Er schnitt die Kampagne ganz auf Scholz zu, inszenierte ihn und die Partei als natürlichen Stabilitätsanker. Sein Argument lautete, die Wähler würden schon irgendwann erkennen, dass Angela Merkel nicht mehr antrete. Und als die Grünen bei weit über 20 Prozent lagen und viele in der SPD sie zum Gegner ausriefen, beharrte Klingbeil auf seiner Strategie: „Unser Gegner sind nicht die Grünen. Unser Gegner ist die CDU.“ Er sollte recht behalten.

Seine Weggefährten beschreiben Klingbeil als umgänglich und freundlich, ohne kumpelhaft zu sein. Scholz schätzt Klingbeils nüchternen, realistischen Blick für politische Entwicklungen – und vor allem seine Loyalität. Mit Klingbeil weiß Scholz jemanden an der Spitze der Partei, der für und nicht gegen ihn arbeitet. Klingbeil wird alles daransetzen, Scholz eine zweite Amtszeit als Bundeskanzler zu ermöglichen.

Zum Einvernehmen zwischen dem künftigen SPD-Vorsitzenden und dem designierten Bundeskanzler tragen nicht nur gemeinsame politische Überzeugungen bei, sondern auch ihre norddeutsche Prägung sowie Erfahrungen an der Seite des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Beiden stammen aus Niedersachsen, wenngleich Scholz in Hamburg aufwuchs, und beide arbeiteten für Schröder. Klingbeil organisierte dessen Wahlkreisbüro, Scholz peitschte als Generalsekretär Schröders Agenda 2010 durch und wurde dafür auf einem Parteitag böse abgestraft. Daraufhin trat er als Generalsekretär zurück.

Kühnert als Generalsekretär

Überhaupt hat Scholz auf seinem langen Weg ins Kanzleramt viele Rückschläge hinnehmen müssen. Erst vor wenigen Jahren verhinderte ihn ein Bündnis um den SPD-Jungstar Kevin Kühnert als Parteivorsitzenden. Nun jedoch dürfte ihm Kühnert nicht mehr gefährlich werden.

Erstens verstehen sich Klingbeil und Kühnert, obwohl sie deutlich abweichende inhaltliche Positionen vertreten. Beide schätzen die Professionalität des jeweils anderen. Unter anderem deshalb wird der SPD-Linke Kühnert als neuer Generalsekretär gehandelt. Damit bekäme er eine herausgehobene Stellung und wird in den Machtapparat eingebunden.

Offensichtlich hat Scholz sein Haus für die Ampelkoalition bestellt. Während Klingbeil sich als Ansprechpartner für die FDP anbietet, könnte Kühnert Absprachen mit den Grünen moderieren. Und die zweite Vorsitzende, Saskia Esken, dürften zwischen den beiden ebenfalls gut aufgehoben sein.

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