Das Geheimnis einer harmonischen Ehe liegt in der Balance zwischen Yin und Yang – weiblich und männlich.

Der britische Epidemiologe William Farr stellte im Jahr 1858 erstmals einen Zusammenhang zwischen Beziehungsstatus und Langlebigkeit her. Von da an gab es zahlreiche weitere Untersuchungen, die die gesundheitlichen Vorteile der Eheschließung belegen. Demnach haben verheiratete Paare ein stärkeres Immunsystem, sind stressresistenter als Singles und haben eine höhere Lebenserwartung. Gegenseitige Fürsorge, ein geregeltes Leben und auch die finanzielle Absicherung sollen dafür verantwortlich sein.

Doch das ist einfacher gesagt als getan, wie eine Vielzahl von Partnerbörsen belegen. In unserer schnelllebigen Zeit träumen wir oft von wahrer Liebe, von romantischen Sonnenuntergängen bis zum Ende aller Tage. Durchschnittlich hält eine Ehe heute aber nur 14,7 Jahre. Irgendetwas scheint also falsch zu laufen. Wie konnten unsere Großeltern und die Generationen davor ein Leben lang verheiratet bleiben? Was war ihr Geheimnis? Es steht doch schon in der Bibel geschrieben: „So sind sie nun nicht zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“ – Matthäus 19:6

Ein Blick in die Vergangenheit und in andere Kulturen kann den Fokus verändern und vielleicht inspirieren.

Adam und Eva

Dann sprach Gott, der Herr: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“ – Genesis 2:18

Laut der hebräischen Bibel stammt die gesamte Menschheit von Adam und Eva ab. Gott spürte, dass Adam eine Partnerin brauchte, und so schuf er Eva. Aus Adams Rippe geformt, war das erste Paar der Welt entstanden.

Eva wurde erschaffen, um Adam zu nähren und zu begleiten. Und im Gegenzug gelobte Adam, Eva zu schützen und zu versorgen. Sie waren zwei Seiten derselben Münze – aus demselben Körper geboren und durch Gottes Vereinigung wieder zu einer Einheit zusammengeführt.

Andere Länder, andere Sitten

Im alten China hieß es, dass unverheiratete Männer und Frauen unvollständig seien. Erst wenn sie ihre andere Hälfte gefunden und verheiratet waren, galten sie als vollständig. Im „Yili Zhushu“, einem Text aus der Zeit vor der Han-Dynastie, heißt es: „Vater und Sohn, Mann und Frau und auch Brüder sind ein Körper.“ Diese Passage veranschaulicht die Bedeutung, die der Ehe im alten China beigemessen wurde. Während Brüder und Vater und Sohn durch das Blut miteinander verbunden sind, sind Ehemann und Ehefrau durch Liebe und Treue miteinander verbunden.

Im „Buch der Riten“ sagt Konfuzius: „Aus der Unterscheidung zwischen Mann und Frau entstand die Rechtschaffenheit zwischen Mann und Frau.“

Ähnlich wie im Christentum glaubten die Menschen im alten China, dass Männer und Frauen unterschiedliche Aufgaben haben. Vom Ehemann wurde erwartet, dass er für seine Frau und die Familie sorgt, während sich die Frau um die Pflichten im Haushalt kümmert. Diese Aufteilung von Verantwortlichkeiten führte zu gegenseitigem Verständnis und Respekt, was die Menschen in alten Zeiten als „Rechtschaffenheit“ bezeichneten.

Im alten China bildete die Ehe eine wichtige Grundlage für das gesellschaftliche Leben, nahm Einfluss auf die Organisation der Clans und somit auch auf die Politik.

Der Hauptzweck der Ehe bestand jedoch darin, Kinder zu aufrichtigen Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen und das Erbe der jeweiligen Familie weiterzugeben. Im „Buch der Riten“ heißt es weiter: „Die Heiratszeremonie sollte ein Band der Liebe zwischen zwei Familien sein, mit dem Ziel, rückblickend die Dienste im Ahnentempel zu sichern und vorausschauend den Fortbestand der Familienlinie zu gewährleisten.“

Ritual der Eheschließung

Da der Bund der Ehe im alten China heilig war, gab es strenge Regeln. So war eine Ehe erst dann gültig, wenn sie von den Eltern des Paares genehmigt wurde. Denn es war nicht nur eine Verbindung zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen ihren Familien. Weit verbreitet waren daher arrangierte Eheschließungen, in denen die Eltern als Heiratsvermittler agierten.

Der Prozess des Werbens begann damit, dass die Eltern die Zukünftigen einander vorstellten. Unschicklich war, wenn sich unverheiratete Männer und Frauen außerhalb des formellen Heiratsvermittlungsverfahrens näher kennenlernten. Nach der Eheschließung musste die Familie dem Monarchen die Nachricht von der Heirat übermitteln. Anschließend wurde ein Fest organisiert. Hier kam das ganze Dorf zusammen, um die Vereinigung des neuen Paares zu feiern.

Das offizielle Heiratsverfahren umfasste die „sechs Riten“, deren Ursprung in der Antike liegt. Anfangs hauptsächlich von der Elite praktiziert, verbreitete sich dieser Brauch allmählich auch unter dem einfachen Volk. Das Ritual folgte dabei einer festgelegten Reihenfolge.

Immer der Reihe nach

Der erste Schritt war der Heiratsantrag. Den machte natürlich der Mann und überreichte bei dieser Gelegenheit gleich ein Geschenk. Wenn die Familie der Frau den Antrag annahm, ging es zum zweiten Ritus über. Der bestand darin, den Namen und den Geburtstag der Frau zu erfragen. So wurde sichergestellt, dass das Paar keine gemeinsamen Blutsverwandten hat. Der dritte Ritus war die „Andeutung der zustimmenden Weissagung“, die sicherstellte, dass die Verbindung ausgewogen sein würde. Beim vierten Ritus angekommen, brachte der Ehemann der Familie der Frau Opfergaben dar. Der fünfte Ritus erlaubte dem Bräutigam, sich nach dem Datum der Hochzeit zu erkundigen. Bei dem sechsten und letzten Ritus begegneten sich nun Braut und Bräutigam persönlich.

Ein großes Fest

Heute werden Hochzeiten meist groß gefeiert, die Verwandtschaft zu Speis und Trank geladen. Während der chinesischen Zhou-Dynastie war dies jedoch anders. Es gab keinen Tanz, leckere Speisen oder Glückwünsche. Das „Buch der Riten“ berichtet: „Bei der Hochzeitszeremonie wurde keine Musik eingesetzt, um das Gefühl der Einsamkeit und Dunkelheit, das mit der Trennung von den Eltern einhergeht, zu verdeutlichen. Es gab keine Glückwünsche zur Heirat; sie zeigt, wie eine Generation von Männern auf eine andere folgt.“

Nach der Hochzeitszeremonie durfte die Familie der Braut drei Nächte lang keine Kerzen anzünden, um ihre Trauer über die Trennung zu zeigen. Im Haus des Bräutigams waren drei Tage lang Musik, Gesang und Tanz verboten, um zu zeigen, dass er ein ernsthafter Mann war, der die Verantwortung für die Gründung einer Familie übernehmen konnte.

Auch in der ersten Nacht des Paares unter demselben Dach wurde die Tradition bewahrt. Um den Beginn ihres neuen Lebens als Mann und Frau zu symbolisieren, tranken sie gemeinsam aus einer Kalebasse. Diese wurde in zwei Teile gebrochen und jede Hälfte mit Wein gefüllt. Die beiden Hälften wurden mit einer Schnur zusammengebunden, um zu verdeutlichen, dass das Schicksal die beiden zusammengeführt hat, obwohl sie vorher getrennt waren. Der Kürbis und der Wein haben in der Regel einen bitteren Geschmack, der auf die zukünftigen Schwierigkeiten hinweist, die das Paar erleben wird. Eine in ganz China verbreitete Tradition bestand darin, dass sich der Ehemann und die Ehefrau jeweils eine Haarlocke abschnitten und sie zusammenbanden, um so die Einheit und das ewige Band zu symbolisieren.

Platons Kugelmenschen

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die äußere Form der Feierlichkeit verändert. Doch im Kern ist der Tag der Eheschließung noch immer eines der wichtigsten und bedeutungsvollsten Ereignisse im Leben eines jeden geblieben.

In Platons Mythos waren die Menschenpaare eine Kugel. Als sie zur Erde hinabfielen, zersprangen sie in zwei Hälften und waren fortan auf der Suche nach ihrer anderen, ergänzenden Hälfte, um sich wieder zu vereinen. Während ihrer Suche haben die jeweiligen Hälften Schmutz angesammelt und wahrscheinlich auch den einen oder anderen Kratzer davongetragen. So entsteht oft, wenn sich die Kugel wieder vereint, erst einmal Reibung. Doch mit Geduld und dem langsamen Abschleifen der unebenen Stellen kommt zusammen, was zusammen gehört. Wenn ein Wort das universelle Ideal für den Erfolg einer Ehe beschreiben könnte, wäre es wahrscheinlich „Harmonie“.



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