Nach ihrer herben Wahlniederlage zerfällt die CDU. Deutschland erlebt nun, wie bereits Italien und Frankreich, eine fundamentale Krise des Mitte-Rechts-Lagers.

Armin Laschet ergibt sich in seine Niederlage. Viel zu pät ist ihm die eigene Machtlosigkeit bewusst geworden. Viel zu lange wollte er die Übermacht der Feinde aus den eigenen Reihen nicht wahrhaben. Nun, da er den richtigen Zeitpunkt für einen ehrenvollen Abgang verpasst hat, kann er bestenfalls noch seine Übergabe der Macht moderieren. Gestalten kann er nicht mehr. Seine Zeit ist vorbei.

Aber was wird nun aus der Union? Sie wird erst einmal durch eine schwere Zeit gehen. Nach Merkels Rückzug zerfällt die Partei in viele Lager, die bisher allein von Glauben an den fortwährenden Erfolg notdürftig zusammengehalten wurden. In ihr kämpfen Merzianer, Söderianer, Spahn-Gefolgsleute und jene von Röttgen um die Deutung-und Gestaltungshoheit.

Schattengewächse der CDU

Im Grunde hatte Armin Laschet nie eine echte Chance, ein einigendes Band um all die Lager zu flechten. Dazu fehlen ihm einfach die persönlichen Voraussetzungen. Er besitzt weder Charisma noch die Fähigkeit, Menschen von einem Politikentwurf bei begeistern. Er ist einer der vielen politischen Gewächse, die nur im Schutz von Merkels langem Schatten überleben konnten. Im grellen Licht der Öffentlichkeit fallen solche Schattengewächse schnell in sich zusammen.

Merkels Abgang ist eine Zäsur für Deutschland, für die CDU ist er ein Desaster, weil es weder Merkel noch ihren Mitstreitern gelungen ist, durch sorgfältige Vorbereitung einen bruchlosen Übergang zu gewährleisten. Welchen Schaden die Partei durch dieses Ende der Merkel-Ära davonträgt, ist heute schwer zu ermessen.

Aber vieles spricht dafür, dass nun auch in Deutschland jener Verfall der Christdemokratie einsetzt, den Länder wie Italien, Frankreich und Spanien längst hinter sich haben. In Italien verschwanden Christdemokraten schon vor Jahrzehnten; seit Nicolas Sarkozy 2012 gegen Francois Hollande verlor, sind sie auch in Frankreich Geschichte. In den Niederlanden kamen sie bei der letzten Parlamentswahl nicht einmal auf zehn Prozent.

Über viele Jahrzehnte hinweg gab es in Europa eine Hegemonie der konservativen Parteienfamlien. Mit dieser Hegemonie ist es nun endgültig vorbei. Deutschland war das letzte von Christdemokraten regierte Land Europas. Nun folgt auch hier auf die zähe Krise der Sozialdemokratie eine fundamentale Krise des Mitte-Rechts-Lagers.

Umfassende personelle Neuaufstellung

Wenn sich der Popularitätsverlust der CDU weiter fortsetzt, könnte sie bald auf Umfragewerte deutlich unter 20 Prozent schrumpfen. In dieser Woche hat das Thüringer Umfrageinstitut INSA erstmals eine solche Tendenz ausgemacht.

Auf den drohenden Niedergang will die Partei mit einer umfassenden personellen Neuaufstellung reagieren. Sie will den gesamten Parteivorstand neu wählen. Alte Schlachtrösser wie Wolfgang Schäuble machen dem Nachwuchs an der Parteispitze Platz. Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ziehen sich aus dem Bundestag zurück und geben ihre Mandate an Jüngere weiter.

Allzu viele dürften ihren Beispielen nicht folgen. Vielmehr dürften massive Richtungskämpfe und Personalgefechte die Partei in den kommenden Jahren erschüttern. In dieser Zeit dürfte die CDU vor allem mit sich selbst beschäftigt sein, denn sie muss ihren Platz in der nunmehr stark fragmentierten Parteienlandschaft neu bestimmen.

Liegt die Zukunft rechts?

Das geht nicht, ohne ihr Selbstverständnis als konservative Kraft zu hinterfragen, womit die Notwendigkeit einhergeht, ihr Verhältnis zu jenen Wählern zu klären, die sie in den vergangenen Jahren an die AfD verloren hat. Dabei werden die östlichen Landesverbände kräftig rechts blinken in der Hoffnung, diese Wähler so zurückzuholen. Aber ist der Weg nach rechts auch der Weg in eine erfolgreiche Zukunft? Oder soll die Partei lieber um all jene kämpfen, die wegen Merkels Rückzug jetzt zu SPD und Grünen abgewandert sind?

Die CDU wird sich rasch entscheiden müssen. Viel Zeit werden ihr die Wähler und die politischen Mitbewerber nicht lassen.

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