Die Statistiker kommen nicht umhin, bestätigen zu müssen, dass die Inflationsraten derzeit so hoch sind wie schon seit 13 Jahren nicht mehr. Es sind auch nicht einzelne Länder, die von dem Problem betroffen sind, denn die gesamte Eurozone ist von einer stark steigenden Teuerung erfasst.

In den USA wurden die Aussagen der amerikanischen Notenbanker zur Inflation in den vergangenen Wochen etwas zurückhaltender. Hatte man im Sommer noch unisono erklärt, dass die Inflation ein temporäres Problem sei und schnell wieder verschwinden werde, scheinen nun erste Zweifel an dieser Interpretation des Geschehens auf.

In Europa ist man noch nicht so weit, zumindest nicht öffentlich. Denn ein dauerhaftes Problem sieht Philip Lane, der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank in der steigenden Teuerung noch nicht. „Die derzeitige Inflationsphase ist sehr ungewöhnlich, vorübergehend und kein Anzeichen für eine chronische Situation“, ließ sich Lane von der spanischen Zeitung „El Pais“ in der Montagsausgabe zitieren.

Die EZB beharrt auf ihrer Hoffnung

Aus dem aktuellen Inflationsschub in der Eurozone werde sich deshalb kein dauerhaftes Problem entwickeln, war sich der Chefvolkswirt der EZB sicher. Die Europäische Zentralbank geht vielmehr auch weiterhin davon aus, dass die aktuellen Engpässe bei den Materialien und Rohstoffen nachlassen werden. Auch die Preise für Energie würden sich zunächst stabilisieren und schließlich wieder nachlassen, so die Prognose.

Bei Inflationsraten von über vier Prozent, die weit über dem Inflationsziel der EZB von 2,0 Prozent liegen, sind das mutige Aussagen. Aber auch innerhalb der EZB werden langsam erste Stimmen laut, die ein wenig von dem alten Tenor, dass das Problem der Inflation nur halb so wild sei und bald nachlassen werde, abweichen.

So erklärte beispielsweise EZB-Vizepräsident Luis de Guindos, dass die Erwartungen an das Nachlassen der Inflation im neuen Jahr möglicherweise etwas zu hoch seien. Zwar werde sich die Teuerung 2022 zweifellos verlangsamen. Möglicherweise sei die Intensität des Rückgangs allerdings nicht so stark wie vor ein paar Monaten erwartet.

Noch im September hatten die Volkswirte der EZB in ihren Projektionen für 2022 eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent erwartet. Im Jahr 2023 soll die Inflationsrate sogar wieder auf 1,5 Prozent zurückgehen. Mit Spannung darf daher abgewartet werden, ob sich bei der Vorlage der nächsten Projektionen auf der EZB-Ratssitzung Mitte Dezember an den Inflationserwartungen etwas ändern wird.

 



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