Die gesamte aktuelle Corona-Politik, mit 3G, 2G und 1G beruht auf der Annahme, dass Geimpfte das Corona-Virus weitaus weniger weitergeben als Ungeimpfte. Mehrfach habe ich dazu auf der Bundespressekonferenz nachgehakt. Der Tenor war immer, das Übertragungsrisiko sei deutlich geringer. Ansonsten würde auch das keinen Sinn machen, was man nicht als „Privilegien“ bezeichnen darf – eine teilweise Rückgabe der früher einmal unveräußerlichen Grundrechte an die Bürger. Über deren Freiheiten heute Merkel, Söder & Co. nach Gutsherren-Art entscheiden. Der Glaube daran, dass die Impfung die Geimpften weniger ansteckend macht, war auch der Grund, warum sein Chef einen guten Freund von mir faktisch zur Spritze nötigte:

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Und jetzt auf einmal das. Ein Leser schickt mir einen Link zu einem Text auf der Seite des Robert Koch-Instituts, vor dessen Lektüre Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, besser hinsetzen sollten. Da steht – mit Datum vom 2.11.2021doch tatsächlich auf der Seite der obersten Bundesbehörde in Sachen Gesundheit das faktische Gegenteil dessen, was sozusagen der Kern der heutigen Corona-Politik ist: „In welchem Maß die Impfung die Übertragung des Virus reduziert, kann derzeit nicht genau quantifiziert werden.“ Es heißt zwar: „In der Summe ist das Risiko, dass Menschen trotz Impfung PCR-positiv werden und das Virus übertragen, auch unter der Deltavariante deutlich vermindert.“ Deutlich ist aber nicht einmal eine Größenordnung. Diese Formulierung lässt alles im luftleeren Bereich.. 

Das machte mich neugierig. Ich machte mich auf die Suche nach älteren Versionen der Seite. Und siehe da – das RKI schrieb auf der gleichen Seite noch am 27. August 2021: „Weitere Daten belegen, dass selbst bei Menschen, die trotz Impfung PCR-positiv werden, die Viruslast signifikant reduziert wird.“ Entscheidend ist aber ein anderer Satz, der noch am 1. November auf der Seite stand und nun fehlt: „Aus Public-Health-Sicht erscheint durch die Impfung das Risiko einer Virusübertragung in dem Maß reduziert, dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung keine wesentliche Rolle mehr spielen.“ Genau das war die Grundlage für die „Privilegien“ für Geimpfte. 

Dass die Behörde diese Passage gestrichen hat, ist überaus aussagekräftig. Noch viel aussagekräftiger als das Eingeständnis, dass keine genaue Quantifizierung möglich ist. Dass diese entscheidenden Sätze gelöscht wurden, noch dazu offenbar im Stillen, erschüttert das Fundament der gesamten Regierungspolitik mit 3G, 2G und 1G in seinen Grundfesten. Man könnte zugespitzt auch von einer klammheimlichen Bankrotterklärung  der Regierung im Kleingedruckten sprechen. Im Zweifelsfall wird man später sagen können: „Aber wir haben das doch schon im November 2021 korrigiert“. Ja. Aber unter Ausschluss des Großteils der Öffentlichkeit.

Auch folgende Aussagen wurden von der Seite gestrichen:

 

  • Die Impfung hat eine hohe Schutzwirkung (mindestens 80%) gegen schweres COVID-19, unabhängig vom verwendeten Impfstoff (Comirnaty von BioNTech/Pfizer, Spikevax von Moderna, Vaxzevria von AstraZeneca).
  • Die derzeitige Datenlage zeigt darüber hinaus, dass die Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff wie auch mit mRNA-Impfstoffen zu einer deutlichen Reduktion der SARS-CoV-2-Infektionen (symptomatisch + asymptomatisch) führt (Schutzwirkung etwa 80-90% nach der 2. Impfstoffdosis).

Weiter steht dafür nun auf der Seite: „Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Menschen nach Kontakt mit SARS-CoV-2 trotz Impfung PCR-positiv werden und dabei auch infektiöse Viren ausscheiden.“ Die Behörde versucht sich zwar auch in Schadensbegrenzung:  „Die Virusausscheidung bei Personen, die trotz Impfung eine SARS-CoV-2-Infektion haben,“ heißt es da, sei „kürzer als bei ungeimpften Personen mit SARS-CoV-2-Infektion.“ Aber um wie viel? Stunden? Tage? Wochen? Das RKI hüllt sich in Schweigen.

Als ich bereits vor Monaten in der Bundespressekonferenz die Regierung auf Berichte zu genau Zweifeln über einen guten Schutz der Impfung gegen Ansteckungen hingewiesen habe, ließ mich diese kalt abblitzen (siehe mein Beitrag „Sind Geimpfte doch ansteckend? Regierung schaut nicht so genau hin!“ vom 3. August oder die Wortprotokolle unten). Tilo Jung diffamierte meine Fragen auf der Bundespressekonferenz in der ihm eigenen Art sogar als „Desinformation“:

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Der neue RKI-Text wirf noch weitere Fragen auf. Die Behörde schreibt dort weiter zu den Geimpften: „Dabei können diese Menschen entweder Symptome einer Erkrankung (die zumeist eher milde verläuft) oder überhaupt keine Symptome entwickeln.“

Wie bitte soll die Sonderbehandlung, die Unterteilung der Menschen in „Geimpfte“ und „Ungeimpfte“, all die Diskriminierung zu rechtfertigen sein, wenn man die Wirkung der Impfung in Sachen Ansteckung nicht quantifizieren kann? Ja, schlimmer noch: Wenn Geimpfte „symptomlos erkranken“ und damit nach herrschender Lehre das Virus weitergeben können – und ohne Tests dorthin dürfen, wo Ungeimpfte sich testen lassen müssen? 2G oder 1G wäre dann geradezu ein Hohn – denn getestete Ungeimpfte wären demnach wohl ein geringeres Risiko für andere als ungetestete Geimpfte.  

Warum erfolgt diese 180-Grad-Wende im Kleingedruckten? Warum wird sie nicht offensiv kommuniziert? Warum wird nicht sofort ein Kurswechsel vorgenommen, wenn Grundlagen des aktuellen Kurses offenbar nicht mehr gegen sind?

Warum wurden etwa Warnungen des Verbands der Amtsärzte ignoriert, die schon im Mai die „Privilegien“ für Geimpfte kritisieren und warnten, die Aufhebung der Testpflicht für diese könne zur Einschleppung von Mutanten führen (siehe meinen Bericht hier). 

Der Text ist voller kleiner Bomben, die man zwischen den Zeilen lesen kann. 

Da steht etwa: „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung PCR-positiv wird, ist signifikant vermindert.“ Woher bitte weiß man das, wenn man keine Aufschlüsselung vorweisen kann, wie viele Geimpfte getestet wurden und die vielen Ungeimpfte (die ja keine Testpflicht mehr haben und deshalb signifikant seltener zum testen gehen dürften).  

Sodann schreibt die Behörde: „Zudem lässt der Impfschutz über die Zeit nach und die Wahrscheinlichkeit, trotz Impfung PCR-positiv zu werden, nimmt zu.“

Bisher galt als Ketzer, wer daran zweifelte, dass ein positiver PCR-Test für eine Erkrankung stehe. Nun übernimmt das RKI die Sprache seiner Kritiker und unterscheidet plötzlich zwischen „PCR-Positiven“ und „Infizierten“ bzw. „Corona-Kranken“ – bei Geimpften.

Fazit: Die Streichungen des RKI hätte einen Aufschrei in den Medien auslösen müssen. 1G und 2G hätten sofort massiv in Frage gestellt werden müssen. 

Das Gegenteil ist der Fall.

Fast hätte ich geschrieben: Die Medien haben hier total versagt.

Das setzt aber voraus, dass man als Aufgabe der Medien die Kontrolle der Regierung sieht.

Würde man das umdrehen und die These aufstellen, viele Medien sähen als ihre Aufgabe, im Sinne der Regierung die Regierten kontrollieren, müsste man sagen: Die arbeiten sehr effektiv.

PS: Lesen Sie unten frühere Wortwechsel zwischen mir und der Regierung zu dem Thema auf der Bundespressekonferenz.

 

 

 

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Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

 
Bild: Shutterstock
Text: br

Bundespressekonferenz vom 3. August

REITSCHUSTER: Ich habe eine Frage an Frau Demmer und Frau Nauber. „The New York Times“ meldet, dass Geimpfte in Sachen Deltavariante genauso ansteckend seien wie nicht Geimpfte. Die CDC bestätigt das. Wenn das tatsächlich so ist, hinterfragen Sie dann die Regelungen mit den besonderen Rechten für Geimpfte? Müsste man das nicht so lange aussetzen, bis hier Klarheit besteht, um jede Gefährdung für die Bevölkerung auszuschließen, wenn es solche alarmierenden Daten aus den USA gibt? Danke.

NAUBER (Sprecherin Spahns): Ich glaube, das haben wir schon oft gehabt: Wir kommentieren keine Medienberichte und auch keine einzelnen Studien. Insofern kann ich Ihnen dazu jetzt keine Auskunft geben.

REITSCHUSTER: Frau Nauber, das finde ich jetzt aber sehr wenig. Es geht um die Gesundheit der Bevölkerung. Das sind Erkenntnisse der CDC, die offiziell sind. Sie sagen, Sie können keine Auskunft geben. Sie müssen doch sagen, was Sie unternehmen, um die Bevölkerung zu schützen, so lange das unklar ist.

Wenn die Aussage der CDC stimmt, ist ja die Gefährdung groß, wenn wirklich Geimpfte die Deltavariante übertragen und sie diese Sonderrechte haben. Die Regierung kann doch nicht einfach sagen: Wir kommentieren keine Medienberichte.

DEMMER (Sprecherin Merkels): Herr Reitschuster, vielen Dank für die Frage. Selbstverständlich, da sind Frau Nauber und ich uns völlig einig, nehmen wir wissenschaftliche Erkenntnisse hier während des gesamten Verlaufs der Pandemie immer ernst und gucken uns auch vieles an. Wir nehmen hier aber ganz grundsätzlich zu einzelnen Studien keine Stellung. Aber selbstverständlich haben wir immer die aktuelle Lage der Forschung im Blick.

REITSCHUSTER: Frau Demmer, Frau Nauber, ich möchte dennoch noch einmal nachhaken. Ihre Antwort war mir nicht ausreichend. Diese Nachrichten von der CDC aus den USA wären extrem beunruhigend und das hätte extreme Auswirkungen und bedeutete eine Gefährdung. Bitte sagen Sie noch einmal: Haben Sie sich mit der US-Behörde CDC in Verbindung gesetzt? Was haben Sie konkret unternommen, um eine Gefährdung der Bevölkerung zu vermeiden?

DEMMER: Ich möchte hier noch einmal ausdrücklich sagen: Seit wir in dieser Pandemie stecken, ist es das ganze Bestreben der Bundesregierung, eine Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung zu vermeiden. Aus diesem Grund verfolgen wir den Stand der Wissenschaft immer sehr genau. Wir nehmen aber hier in diesem Rahmen ganz grundsätzlich keine Stellung zu einzelnen Studien.

REITSCHUSTER: Noch einmal die ganz konkrete Nachfrage: Haben Sie Kenntnis von diesen Erkenntnissen der CDC? Es ist keine Studie; es sind Erkenntnisse der CDC. Was konkret haben Sie unternommen, um hier eine Gefährdung auszuschließen? Danke.

DEMMER: Herr Reitschuster, ich glaube, ich habe jetzt alles, was ich zu diesem Themenkomplex sagen kann, gesagt.

Bundespressekonferenz vom 3. August

REITSCHUSTER: Ich habe Ihre Stellvertreterin, Frau Demmer, hier schon nach den neuen Erkenntnissen aus den USA gefragt. Die „New York Times“, keine Verschwörungstheoretiker, wie Sie das ja gerne nennen, sagt: Geimpfte sind genauso ansteckend bei Delta wie nicht Geimpfte. Frau Demmer sagte: Die Bundesregierung hat sich damit noch nicht befasst. Haben Sie da ein Update für mich? Haben Sie sich damit befasst? Wie ist im Moment der Erkenntnisstand? Danke.

SEIBERT: Ich kenne die konkrete Studie, auf die die „New York Times“ dort eingeht, nicht. Vielleicht kann der Kollege aus dem BMG eingreifen.

Nach meinen Informationen ist es durch das RKI bestätigt, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe bei der Vermeidung von ernsthaften oder gar sehr schwerwiegenden Verläufen sehr hoch ist und dass es trotzdem Impfdurchbrüche in einer gewissen Zahl gibt; nicht zu vergleichen mit dem Risiko, sich anzustecken, das nicht Geimpfte haben. Überhaupt kein Vergleich.

REITSCHUSTER: Aber es geht um die Ansteckungsgefahr.

KAUTZ (Sprecher Spahns): Aber das, was Sie gesagt haben, ist genau falsch, Herr Reitschuster.

ZURUF REITSCHUSTER: Ich habe die „New York Times“ zitiert, Herr Kautz!

KAUTZ: Entschuldigung, Herr Reitschuster, ich rede. Sie haben gesagt, dass Geimpfte genauso ansteckend seien wie nicht Geimpfte. Genau das hat die Studie nicht gezeigt. Das ist falsch. Die Studie hat gezeigt, dass auch Geimpfte sich infizieren können und auch Geimpfte in einigen Fällen andere anstecken können. Das haben wir auch nie bestritten. Diese Studie zeigt aber auch, dass Geimpfte, die sich anstecken, sehr viel kürzer infektiös sind als nicht Geimpfte und sehr viel seltener ins Krankenhaus müssen. Das heißt: Diese Studie zeigt einmal mehr, dass Impfungen sehr, sehr wirkungsvoll sind.

REITSCHUSTER: Also haben Sie andere Erkenntnisse als die „New York Times“?

KAUTZ: Ich kommentiere nicht Berichte einer Zeitung. Ich kommentiere eine Studie.

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