Eigentlich müsste in diesen Tagen die Jahresendrallye an den Börsen langsam Fahrt aufnehmen, denn traditionell pflegen die Aktienmärkte in den Monaten November und Dezember zu einem Schlussspurt anzusetzen. Ob es in diesem Jahr auch so kommen wird, bleibt abzuwarten.

Die Hoffnung auf eine Jahresendrallye besteht auch in diesem Jahr und die laufende Bilanzsaison hat den Anlegern bislang noch keinen Grund für einen frühzeitigen Abgesang auf die erhoffte Schlussrallye gegeben. Nach eitel Sonnenschein ist vielen Investoren aber dennoch nicht zumute – und das aus gutem Grund.

Sie sorgen sich um steigende Rohstoffpreise, den globalen Halbleitermagel und die steigenden Zinsen. Letztere sind in der Wahrnehmung der breiten Masse noch gar nicht stark gestiegen. Doch wenn sich der Zinssatz für zehnjährige Bundesanleihen von minus 0,5 auf minus 0,1 Prozent erhöht und auch die entsprechenden US-Titel einen Anstieg von plus 1,2 auf plus 1,7 Prozent zu verzeichnen haben, dann wird die Finanzwelt nicht nur hellhörig, sondern auch unruhig.

Ein banger Blick auf die Zinsen und nach Fernost

In Europa drohen positive Zinssätze und in den USA ein Anstieg über die Marke von 2,0 Prozent gefürchtet. Beide Marken stellen eine Art Schallgrenze dar. Werden sie durchbrochen, mutieren Anleihen – zumindest die sicheren Staatsanleihen – wieder zu einer Alternative für Aktien. Dann könnten die großen institutionellen Anleger wie Pensionsfonds und Versicherungen dazu übergehen, ihre Portfolios wieder neu auszurichten.

Ein anderes Warnsignal stellen die Zinsen für Unternehmensanleihen statt. Auch hier gilt, je unsicherer die Kantonisten, um so großer ist die Gefahr. In China steht derzeit der Immobiliensektor massiv unter Druck. Die Anleger scheuen das Risiko und wollen neue Kredite nur noch zu Zinssätzen von teilweise über 20 Prozent ausleihen.

Solche Kredite kann sich auf Dauer nicht einmal eine Amazon oder Apple leisten und schon gar nicht ein chinesischer Immobilienentwickler, der mit einem Bein bereits über dem Abgrund balanciert. Bessert sich die Lage nicht schnell, droht mit dem Immobiliensektor ausgerechnet jener Wirtschaftszweig in China großen Schaden zu nehmen, der wie kaum ein anderer für das Wohl oder Wehe der chinesischen Wirtschaft steht.

Dann dürften, selbst bei einer ungestörten Chipversorgung, die Zeiten schnell vorbei sein, in denen Daimler und VW aus China hohe Absatzzahlen melden – von Rekorden ganz zu schweigen.



Quelle: