Zu den großen Verlierern der Bundestagswahl gehören auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und die CSU. Wie sollen sie die Landtagswahl 2023 gewinnen?

Die 16 Merkel-Jahren Erfolg verwöhnte Union kennt heute viele Verlierer. Zu ihnen zählen zu allererst Armin Laschet und all jene Abgeordnete, die den Wiedereinzug in den Bundestag verfehlten. Laschet ist vom Ministerpräsidenten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidaten zum einfachen Bundestagsabgeordneten geschrumpft.

Aber auch sein empfindlichster Gegner während der Bundestagswahl, der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder, hat durch die Niederlage erheblich an Macht und Einfluss verloren. Wie kaum ein anderer zelebrierte Söder während der Corona-Krise seine Auftritte neben Merkel im Bundeskanzleramt und gab anschließend in den Talkshows seinen Einfluss auf die Entscheidungen des Bundeskabinetts zum Besten. Seine Botschaft war simpel, aber eingängig: Ohne Bayern läuft in Berlin gar nichts. So hatten es vor ihm in den Regierungsjahren von Helmut Kohl schon Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber gehalten.

Söder als Kleinkünstler im Provinztheater

Jetzt läuft für die bayerische CSU in Berlin auf absehbare Zeit gar nichts mehr. SPD, FDP und Grüne werden die neue Regierung stellen. Für die CSU-Abgeordneten gibt es statt Ministerposten nur noch eine Nebenrolle in der arg gebeutelten Unions-Fraktion.

Schlimmer hätte es für Söder und die CSU nicht kommen können. Ihre Rechnung, in der Opposition wenigstens gegen ein rot-rot-grünes Bündes polemisieren zu können, hat die FDP durchkreuzt. Sie wird 2023 wohl eigene Bundesminister in den bayerischen Landtagswahlkampf schicken können. Die Liberalen haben jetzt die Bühne, die Söder und seine CSU so gerne bespielten. Jetzt müssen sie sich mit Kleinkunst im Provinztheater begnügen.

Vor der sich nun auf Identitätssuche begebenden CDU wird Söder bis zur Landtagswahl 2023 kaum Unterstützung erwarten dürfen. Vielleicht belastet sie Söders Wahlkampf gar durch schwelende innerparteiliche Macht- und Richtungskämpfe. Davon könnten dann die anderen Mitbewerber im Mitte-rechts-Spektrum, also die FDP, die Freien Wähler oder auch die AfD profitieren.

Möglich wäre aber auch eine Linksverschiebung in Bayern. Denn wenn die Ampel in Berlin reibungslos funktioniert, könnte diese Konstellation auch in Bayern Sympathien gewinnen und Söder in ernste Schwierigkeiten bringen. Schließlich begeistern sich längst auch bürgerliche Milieus im Alpenland für grüne Themen und Thesen.

Hat Söder eine Idee von der Zukunft?

In der alten ideologischen Frontstellung zwischen demokratischem Sozialismus (SPD) und konservativer Christdemokratie fiel es Franz-Josef Strauß und seinen Nachfolgern auch in Zeiten, in denen die CDU die Oppositionsbank drückte, nicht schwer, die Alleinstellungsmerkmale der CSU herauszustellen. Ihnen gelang gar das Kunststück, dass die CSU bis heute mit dem Land identifiziert wird.

Heute aber sind sogar die Grünen und die Sozialdemokraten in Teilen verbürgerlicht. Große ideologische Gegensätze gibt es nur noch mit der Linkspartei. Mit allen anderen Parteien gibt es mehr oder weniger große inhaltliche Schnittmengen. Was also hat die CSU, das die anderen nicht haben?

Söder braucht dringend ein Thema, eine Idee, mit der er die Vorstellung der Einheit von CSU und Bayern irgendwie fortschreiben kann. Viel Zeit bleibt ihm nicht.

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