Wie reich muss man sein, um in Deutschland zu jenen zehn Prozent der Bevölkerung zu gehören, die über das höchste Nettoeinkommen verfügen. Im Auftrag des Spiegel haben Ökonomen vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ausgerechnet, welche Nettoeinkommen nötig sind, um diesem Anspruch zu genügen.

Die Ergebnisse werden viele überraschen, denn so unglaublich hoch wie man es zunächst vielleicht meinen sollte, sind die benötigten Nettoverdienste eigentlich gar nicht. Erhoben wurden die Daten auf der Basis des sogenannten Sozio-oekonomische Panel (SOEP). Es wird vom Institut der deutschen Wirtschaft regelmäßig erhoben und befragt 16.000 private deutsche Haushalte zu ihrem Einkommen, Wechseln im Berufsleben und zur Entwicklung ihrer Gehälter.

Die aktuellsten Zahlen stammen derzeit aus dem Jahr 2017 und sind damit schon etwas älter. Für alleinstehende Singles weisen sie ein Nettoeinkommen von 3.529 Euro und mehr aus, damit man sich zu den oberen zehn Prozent der Bevölkerung rechnen darf.

Deutlich schwieriger festzulegen ist die Grenze in all jenen Haushalten, in denen mehrere Personen zusammenleben. Ein Paar ohne Kinder darf sich nach den Berechnungen des IW bereits ab einem Nettoeinkommen von 5.294 Euro dazu zählen.   Leben zwei Kinder unter 14 Jahren im Haushalt, erhöht sich die Grenze auf ein Nettoeinkommen von 7.412 Euro.

Die reichsten zehn Prozent in Deutschland – Gehören Sie dazu?

Nun kann ein jeder anhand seiner Nettobezüge entscheiden, ob er zu dieser Gruppe gehört oder nicht und erwartungsgemäß werden 90 Prozent diese Frage verneinen müssen. Nicht berücksichtigt wurden allerdings die Vermögen. Hohe Ersparnisse bedeuten keinen Reichtum, wenn wie in der Studie allein der Nettoverdienst als das entscheidende Kriterium für den Reichtum herangezogen wird.

Mit den Ausgaben bleibt auch ein weiterer wichtigerer Punkt vollkommen unbeachtet. Ist ein Single wirklich reich, wenn sein Nettoeinkommen über 3.529 Euro liegt, seine monatlichen Ausgaben allerdings mehr als 3.600 Euro betragen?

Last but not least sollte Reichtum nicht 1:1 mit Glück gleichgesetzt werden, denn alles hat seinen Preis, auch ein Nettoeinkommen von 3.529 Euro und mehr. Die Gefahr, dass es nicht mit einer normalen Arbeitsbelastung und einem frühen Feierabend einhergeht, dürfte groß sein.

Dann vielleicht lieber „nur“ wohlhabend sein, und konstant weniger ausgeben als gleichzeitig verdient wird und nicht gleich von Gewissensbissen geplagt werden, wenn man mal eine Stunde lang ruhig auf einer Bank gesessen und entspannt in die Sonne geblinzelt hat.



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