Von Daniel Weinmann

Gesundheitsminister Karl Lauterbach ließ kürzlich seine Fangemeinde wissen, dass er Paxlovid einnehme, um seine Corona-Leiden zu lindern. Merkwürdig ist, dass das Virostatikum laut Robert Koch-Institut nur bei Ungeimpften bzw. unvollständig Vakzinierten verabreicht werden soll (reitschuster.de berichtete). „Das Mittel eignet sich insbesondere für die Behandlung ungeimpfter Risikopatienten“, postulierte auch Lauterbach selbst.

Warum also tritt der SPD-Politiker so vehement für Paxlovid ein? Mittlerweile mehren sich die Anzeichen, dass er die Werbetrommel für das Präparat rührt. Hintergrund: Der Bund hat bereits eine Million Therapieeinheiten dieses Medikaments beschafft, für die die Steuerzahler rund 500 Euro pro Einheit beisteuern mussten – doch die Nachfrage ist erheblich geringer als erhofft. Schätzungen zufolge wurde Paxlovid hierzulande erst rund 30.000-mal verschrieben.

Nun droht Hunderttausenden Packungen die Vernichtung. Dies geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des CSU-Gesundheitspolitikers Stephan Pilsinger hervor, die dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ vorliegt.

Fast eine halbe Milliarde Euro an Steuergeldern im Feuer

Laut Gesundheitsstaatssekretär Edgar Franke wurden bisher 460.000 Packungen an den Großhandel ausgeliefert. „Davon erreichen 280.000 bis Februar 2023 ihr Verfalldatum“, heißt es im Antwortschreiben des Lauterbach-Ministeriums. Mit einem Bauerntrick versucht man nun, die Vernichtung der Steuermillionen zu umgehen und prüft eine Verlängerung der Haltbarkeit des Präparats.

Was mit den verbleibenden 540.000 Einheiten passiert und wann diese verfallen, blieb offen. Auf dem Spiel steht derzeit somit eine knappe halbe Milliarde Euro an Steuergeldern.

„Dass nun Paxlovid-Dosen für Millionen von Euro abzulaufen drohen, zeigt, dass Karl Lauterbach nichts dazugelernt hat“, sagte CSU-Mann Pilsinger. Denn Lauterbach patzte nicht zum ersten Mal. Erst im Juli wurde bekannt, dass der Bund mindestens 3,9 Millionen Impfdosen in den Müll werfen musste, weil die Haltbarkeit abgelaufen war. Die wirkliche Zahl dürfte deutlich darüber liegen, weil dem Bund die Informationen über den Verfall nur insoweit vorliegen, wie diese von Apotheken und Ärzten an den pharmazeutischen Großhandel zurückgemeldet werden.

„Besonders in Zeiten knapper Kassen und Inflation darf der Staat das Steuergeld der Bürger nicht sinnlos zum Fenster hinauswerfen“, kommentierte Pilsinger mit gutem Grund. Moderna ist laut „Wirtschaftswoche“ der teuerste unter den in der EU zugelassenen Impfstoffen und soll im Juni je Dosis 14,70 Euro gekostet haben.

»Öffentlichkeitswirksam feinste eminenzbasierte Medizin«

Es sind indes nicht nur die Steuerzahler, denen Lauterbach einen kostspieligen Bärendienst erweist. Denn nach Ansicht der „Ärztezeitung“ wird es zu einem weiteren Problem, „wenn ein exponierter und in weiten Teilen der Bevölkerung so angesehener Dr. med. anhand der eigenen Erkrankung quasi eine Therapieempfehlung gibt“.

„Wozu brauchen wir noch die Arzneimittelbehörden, die nach möglichst umfassenden klinischen Prüfungen Indikationen vorgeben“, heißt es im Leitartikel. Statt von evidenzbasierter Medizin spricht der Autor von „öffentlichkeitswirksam feinster eminenzbasierter Medizin, fast schon wie von früheren ‚Professoren‘ im Frühstücksfernsehen“.

Quarantäne-Quertreiber Lauterbach könnte sich nun an Österreich orientieren. Dort verfügte das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) Mitte Juli vollen Ernstes: „Ablaufende Chargen lagernder COVID-19 Therapeutika dürfen nicht vernichtet, sondern sollen unter den vom Hersteller in der Fachinformation jeweils vorgesehenen Lagerbedingungen unter Quarantäne gestellt werden.“

Bundeskanzler Scholz würde sich sicherlich nicht an einer solchen an Realsatire grenzenden Aktion stören. Unter seiner Führung genießt Karl Lauterbach offensichtlich allumfassende Narrenfreiheit – egal, wie teuer sein Dilettantismus die Steuerzahler zu stehen kommt.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: dw

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