Es ist noch keine 200 Jahre her, als Studenten, Arbeiter und Bürger 1848 wichtige Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Freiheit der Presse und der Wissenschaft oder politische Mitbestimmung forderten und auch auf den Barrikaden erkämpften. Das dies im deutschsprachigen Raum unter maßgeblicher Beteiligung und Führung von Burschenschaftern geschah, scheint inzwischen weitestgehend vergessen. Denn schon wieder schallen Rufe, dass für bestimmte Gruppen das Versammlungsrecht eingeschränkt und diese gesellschaftlich geächtet werden sollen.

Der Österreichische Pennälerring (ÖPR) plant heuer seine Verbandstagung, welche Burschentag genannt wird, wieder in Oberösterreich stattfinden zu lassen. Dies ist offenbar für einige gesellschaftliche Kräfte Grund genug, in Schnappatmung zu geraten und den Burschentag in Wels am Besten gleich ganz verbieten zu wollen. Weit hat man es in den letzten 174 Jahren gebracht. Musste man damals dem Adel diese Rechte abringen, müssen sie offenbar nun gegen einen neuen “Adel” verteidigt werden.

Offener Brief an Landeshauptmann Stelzer

Denn es haben 95 angebliche Prominente bzw. Personen, die es gerne wären, einen Offenen Brief an den oberösterreichischen Landeshauptmann Thomas Stelzer verfasst. In diesem fordern sie unter anderem, dass der Burschentag in Wels abgesagt werden soll und beschweren sich zudem über Förderungen, die der ÖPR für Jugendarbeit in der Vergangenheit erhalten hatte. Selbst gegen den Burschenbundball wird wieder mobil gemacht. Alter essigsaurer Wein in noch älteren Schläuchen.

Mit dabei sind auch die üblichen Verdächtigen, die auch sonst ihre Namen schon fast inflationär unter Offene Briefe setzen. Sei es für die Hilfe von sogenannten Flüchtlingen an der türkisch-griechischen Grenze, Flüchtlinge an der weißrussisch-polnischen Grenze oder wegen vermeintlicher “antisemitischer Rethorik” des jetzigen ÖVP-Innenministers Gerhard Karners. Also neben Elfriede Jelinek auch Doron Rabinovici, Cornelius Obonya und weiter sogenannte Prominente.

Auch SPÖ und Grüne auf Vernaderungstour

Ebenfalls wiedereinmal empört zeigen sich SPÖ und Grüne. „Es darf nicht sein, dass Oberösterreich einmal mehr zum Tummelplatz für deutsch-nationale Burschenschaften wird“, heißt es von Seiten der SPÖ, dieauf die Statistik rechtsextremer Straftaten verweist. Was damit jedoch der ÖPR zu tun haben soll, diese Begündung bleiben die Genossen bei ihren Anwürfen schuldig. Und auch die Abgeordneten der Grünen Eva Blimlinger und Ralph Schallmeiner, taten bereits ihre Unterstützung für den Offenen Brief kund. „Das sind keine harmlosen Traditionsvereine, sondern diese sind Teil der rechtsextremen Szene in Österreich”, tönte Blimlinger und forderte ebenfalls ein Verbot der Veranstaltung.

Rabl lehnt Pauschalverurteilungen ab

Auch der Welser freiheitliche Bürgermeister Andreas Rabl wurde bereits am 20. Juli wegen des Burschentages von Mauthausenkomitee und Netzwerk gegen Rassismus angegangen, weil es einen Förderbeschluss der Stadt für das Treffen der Mittelschüler gegeben hatte. Rabl verwies damals darauf, dass der Beschluss völlig korrekt im Stadtsenat zustande gekommen sei und dass von der Großveranstaltung Tourismus und Gastronomie profitieren würden. Zudem gab er zu bedenken, dass der Burschentag sich nichts habe zuschulden kommen lassen und weder aus Steyr, wo er 2021 stattfand, noch 2019 aus Gmunden habe er etwas gehört. Zudem, so bekräftigte Rabl, lehne er „Pauschalverurteilungen“ ab.

Engagement für Tradition für Linke böse

Aber genau dies ist es, was der Offene Brief und seine Unterzeichner und Unterstützer machen. Mit Drohungen und Pauschalverurteilungen gegen Jugendliche agieren, die sich engagieren und denen Heimat und Tradition noch etwas bedeutet. Offenbar ist den Gesinnungsrichtern Engagement nur genehm, wenn es sich in den engen Schranken des eigenen Weltbildes abspielt – bahnhofsklatschend oder klimabewegt. Wie in der DDR oder in totalitären Staaten oder Diktaturen davor soll es für Jugendbewegungen abseits staatlicher Vorgaben und des Mainstreams keinen Platz geben.

Dabei waren es aber genau jene kritischen Geister, die sich 1848 und auch später für Freiheit und Grundrechte einsetzten. Den Unterzeichnern des Briefes – allesamt schon ziemlich ihrer Jugend entwachsen, fällt dazu nichts weiter als Vernaderung ein. Dabei sollte man eigentlich froh sein, dass es nicht mehr en vogue ist mit roten Fahnen, Lenin- und Marx-Bildern und mit “Ho Chi Minh”-Rufen durch die Straßen zu ziehen und dass diese Verirrungen der 68er allmählich in Vergessenheit geraten.

Stelzers Absage an Verbotsphantasien

Den Kritikern des ÖPR-Burschentages scheint jedoch gewohnheitsmäßig Haltung statt Sachverstand wichtiger zu sein. Und nun im Sommerloch gelingt es auch angeblichen Prominenten mit einem offenen Brief sich wiedereinmal in die öffentliche Wahrnehmung zu drängen und sich für den Erhalt von Subventionen in Erinnerung zu rufen und zu empfehlen.

Denn von Landeshauptmann Stelzer erhielten ihre Verbotsphantasien bisher einer Abfuhr. “Nicht alles, was in einem Rechtsstaat erlaubt ist, gefällt mir. Aber ich stelle mich niemals über den Rechtsstaat“, richtete Stelzer den Berufsempörten aus. Und setzte damit ein deutliches Zeichen für Demokratie, Meinungsfreiheit und freiheitliche Grundrechte, wie sie auch Burschenschaften 1848 erkämpften und seither gegen linke Allmachtsträume verteidigen.



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Von Veritatis

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