„In meinen Augen, haben wir das beste Cannabis der Welt“, sagt Constantin von der Groeben voller Selbstbewusstsein, „angebaut unter Voraussetzungen, die ihresgleichen suchen.“ Gemeinsam mit Cornelius Maurer und Adrian Fischer hat er 2017 das Unternehmen Demecan gegründet. Sie produzieren und vertreiben „medizinisches Cannabis made in Germany“, wie es auf ihrer Website heißt. Auf einem ehemaligen Schlachthof in der Nähe von Dresden bauen sie ihr Produkt an. Etwa ein Drittel ihres Vertriebs stammt aus der eigenen Produktion, zwei Drittel sind Importware aus anderen Ländern, etwa aus Kanada oder den Niederlanden. Das Geschäft mit dem Medizinalcannabis sei dabei ein sehr lukratives, lächelt von der Groeben. „Wir haben bisl

„In meinen Augen, haben wir das beste Cannabis der Welt“, sagt Constantin von der Groeben voller Selbstbewusstsein, „angebaut unter Voraussetzungen, die ihresgleichen suchen.“ Gemeinsam mit Cornelius Maurer und Adrian Fischer hat er 2017 das Unternehmen Demecan gegründet. Sie produzieren und vertreiben „medizinisches Cannabis made in Germany“, wie es auf ihrer Website heißt. Auf einem ehemaligen Schlachthof in der Nähe von Dresden bauen sie ihr Produkt an. Etwa ein Drittel ihres Vertriebs stammt aus der eigenen Produktion, zwei Drittel sind Importware aus anderen Ländern, etwa aus Kanada oder den Niederlanden. Das Geschäft mit dem Medizinalcannabis sei dabei ein sehr lukratives, lächelt von der Groeben. „Wir haben bislang Umsatzsteigerungen von 300 bis 400 Prozent im Jahr verzeichnet. Der Markt wächst schnell.“

Zahlen, die sich künftig noch einmal deutlich vervielfachen könnten. Denn die Regierung scheint ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag von 2021 zu halten. Die Legalisierung von Cannabis „zu Genusszwecken“ kommt – und eine ganze Branche blickt dieser Gesetzesänderung mit Vorfreude entgegen. Das Potenzial ist vielversprechend. Genau wisse man noch nicht, wie schnell der Markt letztlich wachsen werde, meint von der Groeben. „Aber er wird sicher zehn- bis 20-mal so groß.“

Cannabis für unter zwei Euro pro Gramm

Im Mai 2019 erhielt Demecan als eines von drei Unternehmen den Zuschlag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für den Anbau von Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken. 118 Unternehmen hatten sich beworben, über zwei Jahre dauerte das Auswahlverfahren. Demecan bekam als einziges Start-up, gemeinsam mit zwei Ablegern der kanadischen Großfirmen Aurora und Tilray, die offizielle Erlaubnis, medizinisches Cannabis in Deutschland anzubauen.

Im Mai 2021 begannen die Gründer mit einem ersten Forschungsanbau. Das erklärte Ziel: Cannabis nach höchstem Standard produzieren. Da ihr Gras ein Medizinprodukt ist, muss es gewissen Qualitätskriterien entsprechen. Große Schwankungen darf es keine geben. Zudem verlangt das Gesetz hohe Sicherheitsvorkehrungen: Die Anbaufläche wird konstant von einer Sicherheitsfirma bewacht und ist von 24 Zentimeter dickem Stahlbeton umschlossen.

Von den 100.000 zur Verfügung stehenden Quadratmetern nutzt Demecan derzeit jedoch nur etwa ein Fünftel. Eine Vervielfachung des Anbaus wäre daher ohne Probleme möglich. „Wir haben sogar schon eine Fläche für weitere Blüteräume vorbereitet“, sagt von der Groeben. Sobald die Legalisierung da ist, könne man innerhalb eines halben Jahres mit dem Anbau beginnen, meint er.

Sobald das möglich sei, wolle man die gleichen Produktions- und Qualitätsstandards für Freizeit-Cannabis einhalten, die für medizinisches gelten. „Sicher kann man nicht jedes Genuss-Cannabis zu medizinischen Zwecken verwenden“, sagt von der Groeben, „wohl aber andersherum“. Demecans größter Wettbewerber sei daher der Schwarzmarkt. Den müsse man mit Verfügbarkeit und Qualität schlagen. Von der Groeben ist zuversichtlich: „Das Marihuana im Görlitzer Park ist verunreinigt, mikrobiell belastet und entspricht nicht den Erwartungen vom THC-Wert“, sagt er. „Wir hingegen können die Produktionsstandards hoch halten und preislich trotzdem mithalten.“ Bald könne man für unter zwei Euro je Gramm anbauen.

Cannabis-Markt boomt

Benedikt Sons, einer der Geschäftsführer der Cansativa Group, freut sich auch auf die Legalisierung. Die Firma, die er gemeinsam mit seinem Bruder Jakob gründete, hat ebenfalls den Zuschlag des BfArM erhalten. Sein Unternehmen ist offizieller Logistikpartner für Medizinalcannabis. Als einziges Unternehmen darf Cansativa Produkte aus deutschem Anbau an Apotheken liefern. Zusätzlich importieren und verteilen auch sie Ware aus 13 anderen Ländern.

Ein genaues Geschäftsmodell für das anstehende Ende der Gras-Prohibition steht noch nicht. „Eine flächendeckende Versorgung von Patienten mit medizinischem Cannabis steht an oberster Stelle und wird auch über den Zeitpunkt der Legalisierung hinaus weiterhin relevant bleiben. Daher ist die Debatte rund um eine Umwidmung von Medizinalcannabis zu Genusszwecken höchst spekulativ“, sagt Sons. „Wir importieren jedoch aus Ländern, in denen es bereits eine legalisierte Welt gibt. Daher sind die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, häufig auch gleichzeitig im Bereich des Genuss-Cannabis unterwegs.“ Auch er gibt sich daher zuversichtlich: „Wir haben bei der Legalisierung einen großen Startvorteil – egal wie der Gesetzgeber das letztlich ausgestaltet.“

Dabei will Cansativa nicht unbedingt in der Logistik bleiben. Die Brüder Sons sind daran interessiert, künftig eigene Geschäfte „in den wichtigsten Ballungszentren“ zu betreiben und die Ware selbst zu verkaufen. Einen eigenen Anbau schließt man jedoch bislang aus. Lieber möchten sich die Brüder Sons auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren: Weiterverarbeitung, Veredelung, Lagerung, Distribution und die mögliche Gestaltung von Abgabestellen.

In Form von CBD-Produkten sind Cannabis-Produkte bereits auf dem deutschen Markt anzutreffen. Diese THC-freien und damit nicht berauschenden Erzeugnisse gibt es in mehr und mehr Städten – und natürlich online. Von CBD-Blüten und -spray über kosmetische Bodylotions und Badezusätze bis hin zu Nahrungsergänzungsmitteln – der Markt boomt. Tom Hemps etwa, eine der ältesten und größten Marken für CBD-Produkte, rechnet sich eher der Kosmetik- und Wellnessbranche statt dem Genussmittelsegment zu. „In erster Linie bieten wir Lifestyle-Produkte“, sagt Deborah Reich, Chief Operating Officer der Firma.

Dennoch freut sie sich auf die Legalisierung und erhofft sich davon vor allem Entstigmatisierung: „Seit unserer Gründung hatten wir bereits fünf Razzien durch die Polizei“, erzählt sie. Jedes Mal seien sämtliche Produkte beschlagnahmt worden, auch das Büro war betroffen. „Der Schaden beläuft sich mittlerweile auf 700.000 Euro – und das ist nur der Warenwert.“

Doch auch an dem Vertrieb von Genuss-Cannabis zeigt sie sich interessiert: „Tom Hemps ist und bleibt zwar eine CBD-Brand“, sagt sie. Eine Möglichkeit sei es jedoch, eine neue Marke zu gründen, mit der man Lizenzgeschäfte eröffnet und Cannabis verkauft. „Wir haben jahrelange Erfahrung mit CBD-Fachgeschäften, haben den Kundenkontakt und wissen, worauf zu achten ist. Wir als CBD-Shops sind im Grunde prädestiniert dafür, lizenzierte Shops zu führen“, erklärt sie. Zum jetzigen Zeitpunkt sei das aber spekulativ, zu viele Detailfragen seien noch ungeklärt.

Sowohl Cansativa als auch Demecan geben zwar an, in die Gesetzgebungsprozesse beratend involviert zu sein, aber auch ihnen liegen bisher keine genauen Informationen zur konkreten Ausgestaltung der Freigabe vor. Klar ist jedoch: Auf die Legalisierung wartet ein Milliardenmarkt, nicht nur in Deutschland. Demecan-Co-Gründer Constantin von der Groeben appelliert daher in Richtung Politik: „Gebt uns Klarheit und Investitionssicherheit. Dann sind wir bereit, unsere Kapazitäten auszubauen“, sagt er. Das Anbau-Know-how möchte er dabei gern an Kleinunternehmen weitergeben – den Gesamtbedarf könne man ohnehin nicht allein decken. „Daher unsere Bitte: Entscheidet euch! Dann können wir unternehmerisch tätig werden.“

Livia Sarai Lergenmüller ist freie Journalistin in Berlin und schreibt unter anderem für Tagesspiegel, Zeit und neues deutschland



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Von Veritatis

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