Seit einigen Wochen ist das Schuljahr vorüber. Die Kinder im häuslichen Unterricht hatten im Juni ihre Externistenprüfungen. Die kleine Tochter von Ulrike Stix wurde zum Schulstoff der dritten Klasse Volksschule von einer Prüfungskommission in die Mangel genommen. Wochenblick sprach mit der Mutter über die Schikanen bei der Prüfung.

Was Ulrike Stix und ihre Tochter bei der Externistenprüfung erlebten, ist kaum zu glauben. Die 8-jährige Volksschülerin saß eingekesselt inmitten einer Prüfungskommission. Eingeschüchtert und weinend hätte das Kind Fragen beantworten sollen. Die Mutter könne die Prüfung ja abbrechen, hätte man ihr gesagt. „Ich habe den Pädagogen und der Schulqualitätsmanagerin gesagt, dass meine Tochter eine Pause braucht, weil sie in dieser schrecklichen Situation eingeschüchtert war. Die SQM (Anm. d. Red.: Schulqualitätsmanagerin) meinte, ich könnte die Prüfung ja abbrechen oder verweigern, was eine komplette Negativbeurteilung zur Folge hätte.“ Wie in einem falschen Film sei sie sich vorgekommen, beschreibt die zweifache Mutter. Ulrike Stix, die selbst Pädagogin ist, kann diese Aussagen nicht verstehen, wie sie sagt: „Nach einer Pause und gutem Zureden hätte sie die Prüfung fortsetzen können.“ Die Steirerin erzählt: „Iliah hat zu Hause sehr fleißig gelernt und viele Projekte erarbeitet. Sie hatte ihre Portfolios dabei, die sie in der Schule präsentieren wollte. Das ließ man sie nicht. Da kann man bei der Beurteilung keinesfalls von Gleichwertigkeit zwischen Schülern in der Schule und Externisten sprechen!“ In den Fächern Deutsch und Sachunterricht sei sie schließlich negativ beurteilt worden.

Volkschulkind eingekesselt

Die Kommission bestand aus Prüfungslehrer, Schriftführerin, Direktorin und SQM der Bildungsdirektion, die der Prüfung zusätzlich als Beobachterin beigewohnt habe. Dass die Pädagogen durch deren Anwesenheit extrem angespannt waren, habe die Situation unerträglich gemacht, wie die Mutter enttäuscht sagt: „Ursprünglich hatten wir bei der Schule ein gutes Gefühl. Die Direktorin meinte im Vorfeld, die Prüfung würde in einer angenehmen Atmosphäre stattfinden. Meine Tochter und ich kamen voller Vorfreude in die Schule. Auf eine derartige Schikane waren wir beide nicht vorbereitet.“ Schon beim Betreten des Prüfungsraumes habe man die angespannte Atmosphäre gespürt, schildert Ulrike Stix, die im Vorfeld nichts von der Anwesenheit der SQM wusste: „Es war fürchterlich. Iliah saß eingekesselt zwischen diesen fremden Menschen. Als sie sich beim Alter ihres Halbbruders unsicher war, begann das Desaster. Sie fragte mich, ob er 25 oder 26 Jahre alt sei, weil sie einen Stammbaum hätte machen sollen. Als ich ihr antwortete, wurde ich von der SQM sofort ganz schroff zurechtgewiesen. Das verunsicherte meine Tochter sehr.“ Das sei aber nicht das einzig Negative gewesen. Die junge Mutter hatte zuvor auf einem freien Sessel Platz genommen. Als ihre Tochter traurig war, hätte sie ihr Kind trösten wollen.

Durfte Kind nicht trösten

Das habe man ihr verwehrt, ist sie entsetzt: „Ich kniete mich zu meiner Tochter und wollte ihr gut zureden. Sofort forderte mich die Dame von der Bildungsdirektion ganz schroff auf, mich zu setzen, sonst müsste ich den Raum verlassen. Dann meinte sie, ich müsste mich weiter nach hinten setzen und dürfte keinen Blickkontakt zu Iliah haben.“ Obwohl sich Ulrike Stix sehr unwohl fühlte und ihre Tochter eigentlich trösten wollte, sei sie der Aufforderung vorerst nachgekommen. Des Friedens willen habe sie sich auf den nun zugewiesenen Sitzplatz gesetzt. Stix‘ Tochter hätte sich erschrocken und Angst gehabt. Die Prüfung aber sei fortgesetzt worden. Die Mutter schildert: „Ich schaute Iliah an und sie tat mir fürchterlich leid. Sie hielt sich die Hände vors Gesicht, die Tränen tropften herunter. Man hat weiter auf sie eingeredet und versucht, dass sie Fragen beantwortet oder einen Text vorliest. Einfach unmöglich – sie hätte eine kurze Pause und Mitgefühl gebraucht.“ Die SQM habe über das weinende Kind, das keine Fragen beantworten konnte, nur den Kopf geschüttelt und sich Notizen gemacht. Immer wieder sei ihr verwehrt worden, ihr Kind zu trösten. „Ich ging zu ihr hin und wollte ihr Mut zu sprechen und sie motivieren. Daraufhin meinte die SQM, ich dürfte mein Kind nicht motivieren, ich solle mich endlich ruhig verhalten.“ Auch die Pädagogen hätten sich nicht gegen das Kontrollorgan zur Wehr gesetzt und sich für das Kind stark gemacht, ist die Mutter traurig: „Ich sprach sie nach der Prüfung darauf an. Sie meinten nur, sie hätten eh alles versucht, aber mein Kind hätte verweigert.“

Schikane nur wegen Kontrollorgan

Die zweifache Mutter ist erschüttert: „Als würden die Schikanen, denen wir Homeschooler im letzten Schuljahr ausgesetzt waren, nicht schon ausreichen. Die Bildungsdirektion hat dreimal die Bedingungen zum Heimunterricht geändert. Erst im Mai erfuhren wir Details zu den Prüfungen. Und dann so eine Schikane. Das ist wirklich eine Frechheit. Kein Erwachsener würde unter solchen Bedingungen eine Prüfung ablegen.“ Nach endlosen 40 Minuten habe sich Stix‘ Tochter so weit beruhigt, dass sie Fragen in den beiden Fächern beantworten konnte. „Und nach der vorgeschriebenen Pause absolvierte Iliah die restlichen Prüfungsgegenstände, die sie bestand. Die Externistenprüfung gilt aber als nicht bestanden.“, erzählt die Pädagogin, die sich sicher ist, dass die Prüfung nur deshalb so ablief, weil ein Kontrollorgan der Behörde dabei war. Ulrike Stix hat Erfahrung mit dem häuslichen Unterricht. Ihren 12-jährigen Sohn unterrichtete die engagierte Mutter in den ersten beiden Volksschuljahren zu Hause. Vergangenes Schuljahr befanden sich nun beide Kinder im Heimunterricht. Die Familie habe sich nach dieser Horrorprüfung an einen Juristen gewandt und möchte die Schikane nicht auf sich, vor allem nicht auf ihrer Tochter, sitzen lassen.



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Von Veritatis

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