Als das deutsche Kaiserreich 1871 gegründet wurde, fühlte es sich in den Jahren danach dazu verpflichtet, seine Bürger zur Einheit aufzurufen. Auch Jahre nach der Reichsgründung beklebten die Deutschen ihre Briefe deshalb mit Briefmarken, auf denen „Seid einig Nord und Süd“ zu lesen war.

Im Kalten Krieg durchzog der eiserne Vorhang das Land und während die Grenzen zu den westlichen Nachbarn ausgesprochen durchlässig waren, standen an der schwer bewachten innerdeutschen Grenze hohe Mauern und Zäune mit Selbstschussanlagen. Wie schwer diese Teilung zu überwinden war, das haben die 1990er Jahre uns allen recht deutlich vor Augen geführt.

Nun droht Deutschland wieder eine Teilung. Sie vollzieht sich allerdings nicht entlang von geographischen Linien, die plötzlich zu Grenzen werden, sondern entlang des Füllstands im eigenen Portemonnaie. Ihre ersten Auswirkungen sind bereits deutlich zu verspüren und es ist zu befürchten, dass der langsam entstehende Graben mit der Zeit immer tiefer und breiter wird.

Die hohe Inflation spaltet das Land

Im Jahr 2022 ist es die Inflation, die das Land spaltet. Erreicht hat sie im Grunde schon längst alle. Nur gespürt wird sie von den Menschen in einer höchst individuellen Art und Weise. Der neue Riss, der das Land spaltet, geht deshalb durch Städte, Firmen und Familien. Seine trennende Wirkung wird dadurch allerdings nicht geringer.

Für die ärmeren Schichten ist die Inflation bereits zu einem handfesten Problem geworden. Zu beobachten ist dies bereits an den Kassen im Supermarkt. Durch die Bank berichten Discounter und andere Lebensmittelgeschäfte, dass die nominalen Umsätze zwar noch steigen, die realen aber bereits zurückgehen. Es findet auch ein Schwenk hin zu preiswerteren Ersatzprodukten statt.

Das Problem frisst sich von hier aus einmal durch diesen Teil der Gesellschaft. In den Geschäften wird weniger gekauft, dadurch bleiben weniger Waren übrig, die anschließend an die Tafeln verteilt werden können. Hier bemühen sich durch die hohe Inflation allerdings in der Zwischenzeit mehr Menschen darum, die verbilligten Waren kaufen zu können. Dieser Teufelskreis dürfte in den nächsten Monaten eher zu als abnehmen.

Derweil ist die Teuerung in den oberen Schichten der Gesellschaft noch nicht das ganz große Problem. Hier sind noch genügend Rücklagen oder Spielräume vorhanden, um das Leben, so wie es bisher gelebt wurde, weiter fortzusetzen. Zu befürchten ist allerdings, dass auch hier die Inflation ihre Opfer finden wird. Vermutlich werden es jene sein, die trotz hoher Einkommen mehr ausgeben, als sie Monat für Monat einnehmen.





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Von Veritatis

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