Markgräfliches Opernhaus Bayreuth. Fotos: Bayerische Schlösserverwaltung

Vor genau 10 Jahren, im Juli 2012, wurde das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen.

Kein Teilnehmer aus der kleinen bayerischen Delegation wird die letzten Junitage des Jahres 2012 und die damalige 36. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees in Russland vergessen. Und das lag nicht an den heißen Sommertagen, die in St. Petersburg bekanntlich zu dieser Jahreszeit besonders lang sind. Nach aufreibendem Warten und intensiven Vorbereitungen kam das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth erst ziemlich kurzfristig auf die Tagesordnung zur Eintragung in die UNESCO-Welterbeliste.

Und plötzlich ging alles ganz schnell: In wenigen Minuten und mit wunderbaren Bildern wurde das barocke Opernhaus von ICOMOS, der internationalen Denkmalgemeinschaft, in St. Petersburg vorgestellt – und nach kurzer positiver Diskussion angenommen.

Als außergewöhnlicher Repräsentant steht das Bayreuther Opernhaus für die barocke Operngeschichte Europas und deren festliche Dekorationskunst im 18. Jahrhundert auf der UNESCO-Welterbeliste. Was anderswo über die Jahrhunderte aufgrund von Veränderungen oder Brandvernichtung nur noch aus Abbildungen und Beschreibungen überliefert ist, kann hier in Bayreuth – gewissermaßen in einem eingefrorenen Zustand – bis in kleinste Details studiert und auch tatsächlich noch erlebt werden.

Für die glanzvolle Hochzeit ihrer einzigen Tochter Elisabeth Friederike Sophie mit dem württembergischen Herzog Carl Eugen beauftragte die kunstbeflissene Markgräfin Wilhelmine bis heute Einzigartiges. Von 1744 bis 1748 entstand in der damals noch kleinen Residenzstadt Bayreuth ein Opernhaus, das sich in Größe und Anspruch mit den ersten Fürsten- und sogar Kaiserhäusern Europas dieser Zeit messen konnte.

Die führenden Theaterarchitekten aus der Familie der Galli-Bibiena wurden verpflichtet. Ihr gut sichtbares Signet „PRO FRIEDERICO ET SOPHIA IOSEPHUS GALLUS BIBIENA FECIT. ANNO DOMI MDCCXLVIII.“ über der Fürstenloge im Opernhaus erwähnt auch das Auftraggeberpaar und das Jahr der Fertigstellung.

Das Urteil der opernbegeisterten Markgräfin Wilhelmine am 14. Mai 1748 hätte auch die heutigen ICOMOS-Gutachter überzeugt: „Dieser Tage habe ich das neue Opernhaus besichtigt. Ich war sehr erfreut darüber; das Innere ist fast vollendet. Bibiena hat in diesem Theater die Quintessenz des italienischen und französischen Stils vereinigt. Man muss zugeben: In seinem Fache ist er ein Meister.“

Zehn Jahre, bis zum Tod Wilhelmines 1758, erklangen prachtvolle Opernaufführungen und verzauberten wunderbare Kulisseneffekte die Markgrafenstadt. Dergleichen Dinge habe man in Franken noch nie gesehen, schreibt die Markgräfin stolz nach Berlin an ihren königlichen Bruder Friedrich II. Danach wurde es ruhig und das für die Kleinstadt Bayreuth riesenhafte Operngebäude nur noch wenig genutzt. Ein Glücksfall für uns heute, da es dadurch von tiefgreifenden Veränderungen verschont blieb.

Über einhundert Jahre später lockte die Größe der Bühne und des gesamten Opernbaus den Komponisten Richard Wagner am 20. April 1871 nach Bayreuth. Wagner war auf der Suche nach einem geeigneten Haus für sein „großes Bühnenfestspiel der Ring des Nibelungen“. Nach der ersten Besichtigung nahm Wagner Gott sei Dank Abstand von dieser Idee, da „dieses Theater aber meinem Zwecke durchaus nicht entsprechen kann.“

Ob es schon damals tatkräftige Denkmalpfleger in Bayreuth gab, die „durch den Gedanken, [Wagner] möchte an diesem in seiner Art ganz einzigen Gebäude etwas zerstören […], aufgeregt worden sind“, wissen wir nicht. Jedenfalls blieb Richard Wagner mit Bayreuth zeitlebens eng verbunden und sogar der Festakt zur Grundsteinlegung für sein neues Festspielhaus fand im barocken Opernhaus der Markgräfin Wilhelmine statt.

Eine behutsame Restaurierung 1936 und so gut wie keine Kriegsschäden im Zweiten Weltkrieg retteten das barocke Kleinod über schwierige Zeiten. Die intensive Theaternutzung mit moderner Technik verursachte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer engere restauratorische Schadensbehebungszyklen an den barocken Fassungen. Eine internationale Fachtagung im Jahr 1998 von ICOMOS-Deutschland gemeinsam mit der Bayerischen Schlösserverwaltung brachte schließlich die Idee der Nominierung zum UNESCO-Welterbe auf.

Aber erst 14 Jahre später, nach umfangreichen Studien, stichhaltigen Begründungen und mit langfristigen Schutzkonzepten gelang es, den begehrten Titel zu erwerben. Kaum waren die Festlichkeiten nach der Kür zum Welterbe verklungen, rückten Restauratoren und Ingenieure ins Markgräfliche Opernhaus ein, um technische Mängel und Schäden im Logenhaus zu beheben.

Sechs Jahre lang arbeitete ein Stab von Fachleuten verschiedenster Disziplinen vom Keller bis zur Dachspitze. Die Arbeiten haben sich gelohnt: Bei der Eröffnung im Jahr 2018 erstrahlte das junge Weltkulturerbe wieder im Glanz der Zeit von Wilhelmine.

Der Artikel erschien zuerst auf schloesserblog.bayern.de unter dem Titel „Seit 10 Jahren Weltkulturspitze – Das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth“. (redaktionelle Bearbeitung kr)

Dieser Artikel erschien zuerst in der Epoch Times Wochenzeitung, Ausgabe Nr. 54, vom 23. Juli 2022.



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Von Veritatis

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