Für viele ist sie einfach nur La Femme qui pleure – die weinende Frau. Pablo Picassos Geliebte und Muse, deren Leid er in einer Serie von Gemälden darstellte.

In Wahrheit war Dora Maar, das Modell für diese Bilder, selbst Künstlerin, bevor sie den Liebhaber kennenlernte, der einen langen Schatten auf ihr Leben und ihr Werk werfen sollte. Eindrücklich zeigt das eine Sammlung bisher größtenteils unbekannter und unveröffentlichter Fotografien von Dora Maar, die in Paris kürzlich in einer Auktion zum Verkauf standen. Sie halten einen historischen Moment der Kunst und Geschichte Europas fest – darunter auch Aufnahmen von Picasso –, und sie inspirierten später die surrealistischen Malereien der Künstlerin.

Etwa 750 Fotografie

Für viele ist sie einfach nur La Femme qui pleure – die weinende Frau. Pablo Picassos Geliebte und Muse, deren Leid er in einer Serie von Gemälden darstellte.

In Wahrheit war Dora Maar, das Modell für diese Bilder, selbst Künstlerin, bevor sie den Liebhaber kennenlernte, der einen langen Schatten auf ihr Leben und ihr Werk werfen sollte. Eindrücklich zeigt das eine Sammlung bisher größtenteils unbekannter und unveröffentlichter Fotografien von Dora Maar, die in Paris kürzlich in einer Auktion zum Verkauf standen. Sie halten einen historischen Moment der Kunst und Geschichte Europas fest – darunter auch Aufnahmen von Picasso –, und sie inspirierten später die surrealistischen Malereien der Künstlerin.

Etwa 750 Fotografien lagen vor, viele davon persönlich und aufgenommen während der Zeit in den 1920er bis späten 1940er Jahren, die Maar im Kreis der Surrealisten in Paris verbrachte. Picasso widmete sie unter anderem eine umfassende Fotoreportage, die ihn bei der Arbeit an seinem Anti-Kriegs-Meisterwerk Guernica zeigt, weitere Bilder entstanden bei ihm zu Hause, in seinem Atelier und beim Entspannen mit Freunden an der französischen Riviera. Mal sitzt der Künstler in einem aus dem Stamm eines Olivenbaums geschnitzten Sessel, dann wieder zeigt sie ihn mit nacktem Oberkörper unter einem Sonnenschirm in Antibes Mitte der 1930er.

Es war Maars deprimierendes Schicksal als Künstlerin, dass sie vor allem als eine der verschmähten Geliebten des Frauenhelden Picasso in Erinnerung blieb.

Pablo Picasso 1936 in Mougins

Foto: Dora Maar/Courtesy of Artcurial

Die 1907 als Henriette Theodora Markovitch geborene Tochter einer Französin, die eine Modeboutique besaß, und eines kroatischen Architekten war eine begabte Fotografin und Malerin. Sie begann ihre Karriere als Modefotografin und wechselte dann in die Werbung. Ihre Bilder von Pariser Straßenkindern ähneln jenen, mit denen Robert Doisneau und Marilyn Stafford später berühmt wurden.

1936 lernte Dora Maar, die inzwischen ihr eigenes Fotostudio hatte, in Paris den fast drei Jahrzehnte älteren Picasso kennen und wurde seine Geliebte und Muse. Picasso war zu jener Zeit in einer langjährigen Beziehung mit Marie-Thérèse Walter, der Mutter seiner Tochter Maya. Er soll es genossen haben, die beiden Frauen gegeneinander auszuspielen, wobei er während seiner Affäre mit Maar mit Walter liiert blieb.

In den darauffolgenden neun Jahren schuf Maar ihre eigenen Bilder, hielt aber auch das Leben und die Arbeit ihres Geliebten fest. Als sie 1937 seine Fortschritte bei der Arbeit an Guernica dokumentierte, malte sie selbst auch einen kleinen Ausschnitt der Leinwand. Die aktuelle Auktion in Paris umfasste auch Fotografien von Picassos Skulpturen, darunter La Femme au Vase und Tête de Femme, die 1937 bei der Pariser Weltausstellung zu sehen waren.

Einige Fotografien waren bereits in Ausstellungen zu sehen und wurden in Büchern abgedruckt, darunter einige von Dora Maars Fotos der Gruppe der Surrealisten im Paris der Vorkriegszeit, zu der auch die Fotografen Man Ray und Jean Cocteau gehörten, für die sie umgekehrt ebenfalls posierte, sowie André Breton, Jacqueline Lamba, Alberto Giacometti, Meret Oppenheim, Paul Éluard und Lee Miller. Einige Bilder, die zum Verkauf angeboten wurden, wirken bekannt, da sie im Rahmen derselben Fotoshootings entstanden wie die bereits veröffentlichten Bilder. Laut dem Auktionshaus Artcurial handelt es sich bei den in 356 Losen angebotenen Fotografien – mit Originalnegativ, Kontaktabzug und Prints – jedoch größtenteils um bisher ungesehene und unveröffentlichte Bilder. Die Sammlung umfasst auch Selbstporträts, Aktfotos, darunter mehrere von Jacqueline Lamba, die mit André Breton verheiratet war, sowie Motive, die Maar später in ihren Gemälden verwendete.

Maar dokumentierte jedoch nicht nur ein wichtiges Kapitel der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Ihre düsteren Fotografien von blinden, verwundeten, armen und enteigneten Menschen in Städten Spaniens und Großbritanniens legen auch Zeugnis von der Wirtschaftskrise ab, die das Europa der Vorkriegszeit in den 1930er Jahren erschütterte.

Nach dem Krieg erlitt Maar – die 1945 mit Picasso brach, als er sie für die Künstlerin Françoise Gilot verließ – einen kurzen Zusammenbruch und unterzog sich Berichten zufolge einer Elektrokrampftherapie. Obwohl sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1997, im Alter von 89 Jahren, weiter malte, wurde ihr Leben so sehr von dem Picassos überschattet, dass zehn Tage vergingen, bis die französische Zeitung Le Monde ihr Ableben würdigte.

Seine Porträts? „Alles Lügen“

Bruno Jaubert, der Leiter der Abteilung für impressionistische und moderne Kunst bei Artcurial, betont, dass „Dora Maar zwar neun Jahre ihres Lebens an der Seite Picassos verbrachte, aber dennoch ein eigenständiges und persönliches Werk schuf, wobei sie sich eines Mediums bediente, das Picasso nie mochte: der Fotografie“. Für ihn ist sie eine der außergewöhnlichsten Fotografinnen ihrer Zeit, eine wahre Pionierin. Und er erläutert: „Dora Maar hatte keine Kinder, daher befinden sich diese Negative seit ihrem Tod im Archiv ihres Nachlasses. Sie wurden alle mit der von ihr benutzten Rolleiflex aufgenommen, in einem Zeitraum von 20 Jahren. Der Charakter dieser Fotografien ist sehr ungewöhnlich, und durch sie sehen wir eine Seite der Künstlerin und Fotografin Dora Maar, die wir nicht kennen.“

Obwohl Picasso Maar oft gemalt hat, war sie von seinen Darstellungen nicht beeindruckt. Seine Porträts von ihr seien „allesamt Lügen“, sagte sie einmal. „Kein einziges ist Dora Maar.“

Kim Willsher ist Auslandsreporterin und arbeitet derzeit als Korrespondentin für den Guardian und den Observer in Paris



Source link

Von Veritatis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.