Von Daniel Weinmann

Die Mundsburg Towers in Hamburg gelten mit ihren 101 Metern als höchstes Wohngebäude der Hansestadt. „Zentrale Lage, optimale Verkehrsanbindung, Shoppingcenter, Multiplexkino & Restaurants unter einem Dach“, werben die Betreiber auf ihrer Internetseite. Die schiere Höhe des 29-stöckigen Gebäuden ist indes nicht das einzige hervorstechende Merkmal der drei Türme im Stadtteil Uhlenhorst. Eine Anfrage der Linken an den Senat mit dem Betreff „Mundsburg Tower für ukrainische Geflüchtete – Wohltätigkeit oder Geschäftsmodell?“ offenbart obendrein eine Steuerverschwendung von enormem Ausmaß.

Demnach stehen in den Türmen 60 Wohnungen für bis zu 300 Flüchtlinge bereit. Als Vermieter firmiert die Home United Spaces GmbH („Wir entwickeln Immobilien der Zukunft und erwecken sie nach Fertigstellung zum Leben“). Zu den Projekten von Geschäftsführer Tomislav Karajica, der Hauptgesellschafter des Basketball-Erstligisten Hamburg Towers ist, zählt neben dem Bau der Multifunktionshalle „Elbdome“, die nach ihrer Fertigstellung bis zu 8000 Zuschauer fassen soll, mit Edel-Optics auch ein Online-Brillenhändler.

Die Miete für die Flüchtlinge in den Mundsburg Towers beläuft sich auf 30 Euro pro Person und Tag. Bei der Vollbelegung einer 65 Quadratmeter großen Zwei-Zimmer-Wohnung mit sechs Personen werden für die Steuerzahler somit 5400 Euro Miete pro Monat fällig. Ein stolzer Preis angesichts der Tatsache, dass vergleichbar große Mietwohnungen in den Türmen laut Apartmentverzeichnis mit maximal 1800 Euro im Monat zu Buche schlagen. Zudem liegt diese Summe deutlich über den seit dem 1. Januar dieses Jahres geltenden Leistungssätzen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

»Die Home United Spaces GmbH verdient sich eine goldene Nase auf dem Rücken der Flüchtlinge«

Bis zum 30. Juni kommenden Jahres zahlt die Stadt Hamburg für diese Wohnungen somit 3,56 Millionen Euro Miete. „Zusätzlich sollen in drei unteren Geschossen Gewerbeflächen als Gemeinschaftsunterbringung mit bis zu 150 Plätzen hergerichtet werden“, heißt es in der Antwort weiter. Die 15 Quadratmeter großen Zimmer in den unteren Etagen sollen künftig zwei Personen beherbergen.

Dies kostet die Hansestadt pro Kopf 47 Euro, da in diesem Fall auch für Verpflegung gezahlt werden muss. Per saldo, so die Auskunft des Senats, könne man so bis zu 450 Plätze schaffen. Dieser Posten beläuft sich auf 2,64 Millionen Euro, so dass die Hansestadt der Home United Spaces GmbH insgesamt 6,2 Millionen Euro überweist.

„Die Home United Spaces GmbH verdient sich eine goldene Nase auf dem Rücken der Flüchtlinge“, polterte Carola Ensslen von den Linken im Gespräch mit dem „Hamburger Abendblatt“. „Dies ist sittenwidrig. Auf so einen Deal hätte sich der Senat trotz der Unterbringungsnot nicht einlassen dürfen.“

»Das ganze System ist krank«

Home United Spaces weist die Vorwürfe mit dünnen Argumenten zurück. Der Vertrag mit der Stadt definiere ein Betreiberpaket, das zahlreiche Leistungen beinhaltet, die unsererseits im Rahmen der Unterbringung erbracht werden, sagte deren Sprecher Matthias Linnenbrügger auf Anfrage der Hamburger Morgenpost.

Dazu zählt er neben dem frisch renovierten Wohnraum inklusive einfacher Möblierung und Internetanschluss insbesondere das angeblich kostspielige Fachpersonal. Home United Spaces stelle zwei Mitarbeiter zur Betreuung zur Verfügung, ab August sollen es sogar drei oder vier werden. Nicht zuletzt rühmt der Sprecher die ukrainischen Sprachkenntnisse der Mitarbeiter und ihren direkten Draht zu den Flüchtlingen.

Besonders schamlos: Während viele Menschen hierzulande nicht wissen, wie sie durch den Winter kommen, zeigt dieses Beispiel, wie verantwortungslos Berlin mit dem Geld der Steuerzahler umgeht. Es bestätigt den Bericht eines ehemaligen Mitarbeiters einer Asylbehörde in einer deutschen Kommune, den Reitschuster.de zu Beginn der Coronakrise im April 2020 veröffentlichte. Der damalige Befund des Insiders hat bis heute nichts an Aktualität verloren: „Das ganze System ist krank“.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: dw

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