Als Anfang März die Temperaturberichte aus den Wetterstationen in der Antarktis gesendet wurden, dachten die zuständigen Wissenschaftler*innen zunächst, es handele sich um einen Fehler.

Die Temperaturen, die zum Ende des kurzen Sommers am Südpol eigentlich rapide fallen sollten, stiegen an. An der Station Vostok, rund 800 Meilen vom geographischen Südpol entfernt, lagen die Werte schwerwiegende 15 Grad über dem früheren Allzeitrekord. Gleichzeitig schwankte die Temperatur des Wassers an der Terra Nova-Küstenstation über dem Gefrierpunkt – unerhört für diese Jahreszeit. „Krass. So etwas habe ich noch nie gesehen“, erklärte der Eiswissenschaftler Ted Scambos von der University von Colorado der Nachrichtenagentur Associated Press.

Aber das war noch nicht alles. Am Nordpol wurden ebenso ungewöhnliche Temperaturen für die Zeit im Jahr aufgezeichnet, in der die Arktis eigentlich langsam aus ihrem Winterfrost auftauchen sollte. In der Region war es laut Wissenschaftler*innen mehr als 3 Grad Celsius wärmer als im langfristigen Durchschnitt.

Das sieht schon sehr nach Klimakatastrophe aus

Eine Hitzewelle an einem Pol kann als Warnung gelten; aber eine Hitzewelle an beiden Polen gleichzeitig sieht schon sehr nach Klimakatastrophe aus. Zudem ist seither das Quecksilber an den Wetterstationen der Welt wie eine globale La-Ola-Welle in die Höhe gestiegen.

Indien und Pakistan wurden im März von einer Hitzewelle getroffen – mit den höchsten Temperaturen in diesem Monat seit Beginn der Aufzeichnungen vor 122 Jahren. Auf dem gesamten Subkontinent herrschte sengende Hitze, die für Millionen Menschen eine Katastrophe bedeutete. In den USA erinnerte der Frühling eher an Hochsommer, bereits im Mai stiegen die Temperaturen stark. Die über Europa hinwegfegende Hitzewelle ließ in Spanien die Thermometer Anfang Juni auf 40 Grad Celsius steigen, und traf später auch Großbritannien.

Wissenschaftlerinnen konnten schnell nachweisen, dass diese Rekorde brechenden Temperaturen kein natürliches Phänomen sind. Laut einer im Mai veröffentlichten Studie wurde die südasiatische Hitzewelle durch den menschlichen Einfluss aufs Klima 30 Mal wahrscheinlicher gemacht. „Durch den Klimawandel werden Hitzewellen weltweit heißer und halten länger an“, erklärte die Klimawissenschaftlerin Vikki Thompson am Cabot Institute der Universität Bristol. „Wissenschaftler*innen haben gezeigt, dass viele, bestimmte Hitzewellen durch einen vom Menschen ausgelösten Klimawandel intensiviert wurden. Das Phänomen des Klimawandels lässt sich auch an der Zahl der Todesfälle aufgrund von Hitzewellen ablesen.“

Verursacht durch menschliches Handeln, das Treibhausgase in die Atmosphäre ausstößt, hätte sich allein in Europa die Zahl der Hitzewellen mindestens verhundertfacht, sagt Friederike Otto, leitende Dozentin für Klimawissenschaft am Grantham Institute des Imperial College London. „Der Klimawandel ist ein echter Game Changer in Sachen Hitzewellen: Auf der ganzen Welt hat ihre Häufigkeit, Intensität und Dauer zugenommen.“

Die Armen leiden am meisten unter der Hitze

Diese Art der Hitze stellt eine ernste Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Sie belastet unsere Körper direkt, aber auch indirekt, indem sie Ernten reduziert, Waldfeuer auslöst oder sogar unsere gebaute Umgebung wie Straßen und Gebäude beschädigt. Arme Menschen leiden am meisten, da sie es sind, die inmitten der Hitze draußen auf den Feldern oder in Fabriken oder ohne Schutz draußen auf der Straße sind und nicht den Luxus einer Klimaanlage haben, wenn sie nach Hause kommen.

Klimaanlagen selbst sind eine weitere Facette des Problems: Ihre wachsende Nutzung und ihr enormer Energieverbrauch drohen die Treibhausgasemissionen zu einem Zeitpunkt zu beschleunigen, an dem wir sie dringend senken müssen. „Die globale Gemeinschaft muss sich nachhaltige Kühlung zum Ziel setzen oder sie riskiert, die Welt in einer tödlichen Rückkopplungsschleife zu blockieren. Die Nachfrage nach Kühlungsenergie treibt dann die Treibhausemissionen weiter an und verschärft die globale Erwärmung weiter“, erklärte Associate Professor Radhika Khosla von der Universität Oxford.

Es gibt Möglichkeiten, die Auswirkungen für den Einzelnen zu verringern und unsere Städte anzupassen. In heißen Ländern kann man die Dächer weiß streichen, um die Sonnenstrahlen zu reflektieren. In moderateren Regionen kann es unter anderem hilfreich sein, Bäume als Schattenspender zu pflanzen sowie Springbrunnen zu bauen und mehr Grünflächen in den Städten einzurichten. Tiefgreifendere Anpassungsmaßnahmen sind zum Beispiel: beim Bau von Häusern, Transportnetzwerken und anderer zentraler Infrastruktur anderes Material zu benutzen, um zu verhindern, dass Fenster aus ihren Rahmen fallen, Straßen durch die Hitze schmelzen und Schienen verbiegen.

Allerdings können derartige Maßnahmen immer nur ein Pflaster sein – zu verhindern ist das Klimachaos nur durch drastische Verringerungen der Treibhausgasemissionen. Zu den aktuellen Hitzewellen kommt es zu einem Zeitpunkt, da die Erde sich im Vergleich zu präindustriellen Zeiten um 1,2 Grad erwärmt hat. Die teilnehmenden Staaten des UN-Klimagipfels Cop26 im vergangenen November einigten sich darauf, den Anstieg der Temperaturen auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Bei einem höheren Anstieg wäre der Klimawandel zu groß, um ihn mit schattenspendenden Bäumen oder weißen Dächern auszugleichen und bei zwei Grad Celsius würden geschätzt eine Milliarde Menschen extreme Hitze leiden. „Es ist nicht möglich, unseren Weg aus der Klimakrise durch Anpassung zu gehen“, erklärte die leitende Wissenschaftlerin der Nature Conservancy gegenüber dem Observer. „Wenn wir mit dem Ausstoß von Treibhausemissionen weitermachen wie bisher, ist ausreichende Anpassung unmöglich. Es ist nicht zu machen.“ Fiona Harvey

Indien

Selbst die Berge, die traditionell als Fluchtort vor der unerträglichen Stadthitze dienten, bieten jetzt wenig Erholung

Jeden Sommer, wenn die Hitze in den Ebenen unerträglich wird, macht der Software-Ingenieur Akhilesh Gupta das, was die Briten früher taten, als sie Indien regierten: Er packt die Familie ins Auto und verlässt Neu-Delhi für ein lange Fahrt in die Berge, um dort die kühle Luft zu genießen.

Dieses Jahr konnte es seine Familie kaum erwarten. Seit Mitte März hatte eine erbarmungslose Hitzewelle die indische Hauptstadt bei Temperaturen bis zu über 45 Grad Celsius fest im Griff. Leben und Arbeiten wurden unerträglich.

In früheren Jahren waren solch hohe Temperaturen ein vorübergehendes Sommerphänomen. Dieses Jahr sind sie der neue Normalzustand. Da die Menschen in Indien mehr Klimaanlagen benutzen, ist die Nachfrage nach Strom stark gestiegen. In manchen Gegenden herrscht Wasserknappheit. Am schlimmsten betroffen sind diejenigen, die draußen arbeiten – Bauarbeiter*innen, Autorikscha-Fahrer*innen und Sicherheitspersonal.

Straßenverkäufer:innen, die Obst, Gemüse und Blumen verkaufen, kauerten sich unter improvisierten Schattenspendern, während sie ständig Wasser über ihre Produkte spritzten, um sie vor dem Vertrocknen zu retten.

Besser als Delhi, aber immer noch heiß

Als die Guptas ihr Ziel in Nainital mehr als 2.000 Meter über dem Meeresspiegel erreichten, stellte sich heraus, dass die Stadt den heißesten Sommer seit 30 Jahren erlebte. An einem Tag wurden noch nie dagewesene 34 Grad erreicht.

„Seit meiner Kindheit komme ich jeden Sommer hierher und wir haben nie einen Decken-Ventilator gebraucht. Es wurde nie heißer als 28 Grad. Aber jetzt war es so heiß, dass wir nicht mit dem Boot fahren konnten. Es war besser als Delhi, aber es war ein großer Schock für uns“, erzählte Gupta.

Freunde von ihm hatten eine Trekking-Tour in eine noch höher gelegene Gegend gemacht. Dort waren die Berge, die normalerweise mit Schnee bedeckt sind, nur noch leicht weiß bestäubt.

Seit März sind fast alle Gegenden in Indien von der Hitzewelle betroffen. Laut Daten des Wetteramts wurden in Neu Delhi seit Beginn des Sommers an 25 Tagen Höchstemperaturen von 42 Grad Celsius und höher aufgezeichnet – die höchste Tageszahl seit 2012. Der Monat März war der heißeste in Indien seit Beginn der Aufzeichnungen vor 122 Jahren.

Teile der Getreideernte sind zerstört

Der von Klimaexperten vorhergesagte Schaden für die Ernte ist bereits Realität. Die sengende Hitze setzte dem Weizen der Bauern in Nordindien zu. Schätzungsweise 15 bis 35 Prozent der Weizenernte in Bundesstaaten in der Nähe von Neu Delhi – Punjab, Haryana und Indiens Weizenkammer Uttar Pradesh – wurden zerstört.

Laut Klimaexperten sind Hitzewellen die Zukunft in Neu-Delhi. Ihren Schätzungen zufolge ist die Stadt inzwischen so dicht bebaut, dass 50 bis 60 Prozent der natürlichen Feuchtgebiete und Ökosysteme, die die Temperaturen abmildern könnten, verloren sind.

Unterdessen fordert Abinash Mohanty, Programmleiter beim Rat für Energie, Umwelt und Wasser, die Definition von „Hitzewelle“ neu zu bestimmen. Die Einstufung dürfe nicht auf die Tage beschränkt werden, an denen die Temperaturen die offiziell festgelegte Grenze übersteigen. Sein Argument: Für die meisten armen Inder*innen, die in Slums in Hütten mit Wellblechdächern leben, liegt die Temperatur immer fünf bis sechs Grad höher als draußen.

Nachts fehlt der Schlaf

„Auf die Menschen in Neu-Delhi kommen in den nächsten Jahren extrem unbehagliche Zeiten zu. Gesundheit und Produktivität werden beeinträchtigt sein, aber auch die kognitive Gesundheit“, sagt Mohanty voraus. „Wer nachts nicht schlafen kann, kann am Tag nicht funktionieren.“

Frauen, die auf dem Bau arbeiten, leiden schon jetzt unter den Folgen für die Gesundheit. „Es gibt keine sauberen Toiletten hier in der Nähe, daher trinke ich so wenig wie möglich Wasser, um nicht auf die Toilette gehen zu müssen. Vergangenen Monat musste ich wegen Dehydrierung ins Krankenhaus eingeliefert werden“, erzählte Sunita Devi, die auf einer Baustelle im Stadtteil Friends Colony West in Neu-Delhi Schutt wegträgt.

Der Bericht der Internationalen Arbeiterorganisation „Arbeit auf einem wärmeren Planeten“ von 2019 geht davon aus, dass Indien „bis 2030 infolge des Hitzedrucks das Äquivalent von 34 Millionen Vollzeitarbeitsplätzen verlieren wird“.

Viele Menschen spüren die Auswirkungen schon, wie Virender Sharma, der auf der Straße Blumen verkauft. Sein Leben ist härter geworden. Da die Sonne die Blumen welken lässt, ist sein Einkommen drastisch gesunken. Zudem macht der beschwerliche Alltag ihm zu schaffen. „Ich kann nichts machen, um mich abzukühlen. Ich spritze Wasser über mich, aber es ist kochend heiß“, klagte er, während er sich vergeblich mit einem Palmwedel Luft zufächerte. Amrit Dhillon

Spanien

Gestresste Mauersegler fallen aus dem Nest, Waldbrände wüten – und alle wollen einen Platz im kommunalen Schwimmbad

Die baumgesäumten Straßen des Viertels Tiro de Línea in der südspanischen Stadt Sevilla beherbergen schon lange wenig bekannte Gäste: eine von Spaniens größten Mauersegler-Kolonien. Die Vögel brachen diese Woche ins öffentliche Bewusstsein ein, als sichtbarstes Symptom einer tagelangen Hitzewelle, die den Großteil des Landes im Griff hatte.

„Es war Dante-esque“, erinnerte sich Maria del Mar Molina, eine der Freiwilligen, die während der Hitzewelle nach der Kolonie sahen. „Wir fanden hunderte tote Vögel und hunderte weitere, die zwar lebten, aber denen es schlecht ging.“

Die Hitzewelle – eine der frühesten im Jahr, die in Spanien je aufgezeichnet wurde – hatte die Nester der Vögel ausgerechnet zur Schlüpfzeit in Öfen verwandelt. Ökologen schätzen, dass tausende Küken ihre Nester verließen, bevor sie fliegen konnten.

„Es bricht einem das Herz“, erklärte Del Mar Molina, eine von Dutzenden Freiwilligen, die auf den Bürgersteigen Vögel aufsammelten, die noch gesund gepflegt werden konnten. „Es geht hier um eine geschützte Art. Es sollte für solche Hitzewellen so etwas wie ein Klima-Notstandsprotokoll geben.“

„Spanien ist traditionell ein sehr heißes Land“

Dieses Gefühl – dass sich Spanien auf eine erwärmende Welt vorbereiten muss – wurde im ganzen Land geäußert, als es mit einer vorsommerlichen Hitzewelle kämpfte, die die Temperaturen in manchen Landesteilen über 43 Grad in die Höhe gehen ließ.

„Spanien ist traditionell ein sehr heißes Land, aber es wird noch heißer“, erklärte Rubén del Campo, Sprecher der staatlichen Wetteragentur. Die einwöchige Hitzewelle erreichte Spanien, als es noch vom heißesten Mai seit 58 Jahren erschüttert war. „Innerhalb von weniger als einem Monat hatten wir zwei sehr seltene Phasen extremer Hitze.“

In acht der 17 Regionen des Landes kämpften Feuerwehren darum, mehr als ein dutzend Waldbrände zu löschen. In der Region Castilla y León im Nordwesten Spaniens verschlangen die Flammen mehr als 20.000 Hektar und machten die Evakuierung hunderter Menschen notwendig.

Nur Wenige waren nicht von der erstickenden Hitzedecke betroffen, die über dem Großteil Spaniens lag. „Die Leute sind erschöpft,“ berichtete Nuria Chinchilla, Professorin und Gründerin des Internationalen Zentrums für Arbeit und Familie an der IESE Business School.

Bei einem Meeting während der Hitzezeit erzählten leitende Angestellte ihr, dass sie Mitarbeiter*innen erlaubt hätten, die Mittagspause durchzuarbeiten und früher nach Hause zu gehen. „Sie hatten bemerkt, dass die Hitze die Produktivität einschränkt.“

Schulen wie Öfen

Ähnliche Debatten wurden an Schulen im ganzen Land geführt. In Katalonien fluteten Lehrer die sozialen Medien mit Fotos von Klassenräumen, in denen 30 Grad Hitze herrschte, und protestierten, dass viele Schulen immer noch nur Ventilatoren besitzen, um die Hitze zu bekämpfen. „Die Schule ist ein Ofen“, schrieb jemand. „So kann man nicht lehren oder lernen; höchstens einen Braten machen.“

In Madrid rissen sich die Einwohner*innen um die begehrtesten Eintrittskarten der Stadt: einen Platz in den städtischen Schwimmbädern. Da es in der spanischen Hauptstadt geschätzt ein Schwimmbad für je 157.000 Einwohner*innen gibt, war das kein leichtes Unterfangen.

Wer es schaffte, die instabile App zu beherrschen, um Plätze zu ergattern, die 49 Stunden im Voraus in den Verkauf gingen, musste sich immer noch gegen die Menge der Interessenten behaupten. „Es ist unmöglich,“ erzählte der 33-jährige Josué González Pérez, nachdem er es zwei Tage erfolglos versucht hatte. „Ich bleibe zu Hause und schalte den Ventilator an.“

Während viele in Spanien die Tage bis zum folgenden Sonntag zählten, an dem die Hitze nachlassen sollte, warnte Del Campo vor einem größeren Muster. „Im vergangenen Jahrzehnt kamen Hitzewellen doppelt so häufig vor wie in den Jahrzehnten davor“, betonte er. „Was jetzt außergewöhnlich ist, wird irgendwann normal sein.“ Ashifa Kassam

USA

In Phoenix, der heißesten Stadt der USA, fielen die Temperaturen zwei Wochen lang nicht unter 27 Grad

Mehr als 100 Millionen Amerikaner*innen waren Anfang Juni aufgerufen, drinnen zu bleiben, während eine Rekordhitze dazu führte, dass mehrere Menschen und tausende Rinder starben.

Als die Temperaturen für die Jahreszeit ungewöhnlich hoch stiegen, waren tausende Menschen in Staaten des mittleren Westens wie Ohio, Michigan und Indiana ohne Stromversorgung der Hitze ausgeliefert, weil Stürme und Überflutungen Hochspannungsleitungen beschädigt hatten.

Im Bundesstaat Wisconsin wurden zwei Frauen als tot gemeldet, während in Arizona der Staatsanwalt von Maricopa County 48 möglicherweise mit der Hitze in Verbindung stehende Todesfälle aus dem April untersucht. Dabei liegt die wahre Opferzahl sehr wahrscheinlich höher, da Todesfälle durch Hitze nicht meldepflichtig sind.

Extreme Hitze ist die größte, mit dem Wetter verknüpfte Todesursache in den USA. Die Stadt Phoenix in Maricopa County im Bundesstaat Arizona ist die heißeste und tödlichste Stadt des Landes.

„Man gewöhnt sich nie an diese Hitze, aber man muss mit ihr umgehen“, erzählte die 46-jährige Kim Gallego, die im Stadtpark von Phoenix arbeitet, mit Hitzeausschlag auf den Beinen. Sie beginnt um fünf Uhr morgens zu arbeiten. Am Donnerstag, 16. Juni, war es bereits 44 Grad heiß, als sie sich um halb zwei mittags auf den Heimweg machte.

Tausende Nutztiere verenden in der Hitze

Am Tag davor meldeten laut dem nationalen Wetterdienst mindestens 16 US-Städte neue oder erneute Tagesrekorde. Für Landesteile, die so glühende Hitze weniger gewohnt sind, insbesondere so früh im Jahr, wurden Hitzewarnungen herausgegeben.

Im Bundesstaat Kansas, wo zweimal soviel Rinder wie Menschen leben, verendeten rund zweitausend der Tiere wegen einer Kombination aus hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit.

Mitte Juni bestanden Hitzewarnungen im ganzen Südosten und mittleren Westen – von Florida, Louisiana und Mississippi bis Kansas, Missouri und Minnesota an der kanadischen Grenze – und sollten auf die Ostküstenstaaten wie Nord- und Südcarolina erweitert werden, wo die Hitze durch die hohe Luftfeuchtigkeit als noch heißer empfunden wird.

In Phoenix, mit 1,6 Millionen Einwohner*innen Amerikas fünftgrößter Stadt, lagen die Temperaturen im Juni über die Mitte des Monats hinaus jeden Tag über 38 Grad Celsius. Es wurden mehrere Tagesrekorde gebrochen und nachts war kaum Erholung zu verbuchen. Seit den frühen Morgenstunden am 7. Juni sanken die Temperaturen nicht mehr unter 27 Grad. Die Auswirkungen von Hitze auf den menschlichen Körper addieren sich. Er beginnt sich erst zu erholen, wenn die Temperatur auf unter 27 Grad sinkt.

Die Temperaturen werden wohl weiter steigen

Die Stadt ist eine sich ausbreitende urbane Hitzeinsel, in der Wärme speichernder Beton und Asphalt die Wüste und das Farmland ersetzt haben und die Auswirkungen der globalen Erwärmung verschärfen.

Besonders hart ist die extreme Hitze für die, die draußen arbeiten oder leben oder keine Klimaanlage haben, wie die 60-jährige Sareptha Jackson und der 69-jährige Jerry Stewart. Sie verbrachten eine weitere Woche schwitzend in ihrer Mietwohnung, in der seit drei Jahren die Klimaanlage nicht repariert worden ist. Selbst mit ständig laufenden Ventilatoren blieb es in der Wohnung über 32 Grad. Seit der Guardian über die gefährliche Hitze dort berichtet hatte, wurde geprüft, ob das Paar in eine Notunterkunft umziehen kann. Angesichts der Voraussage weiter steigender Temperaturen kann der Umzug nicht bald genug passieren. „Ich kann es nicht erwarten, irgendwo zu sein, wo es kühl ist“, sagte Jackson. „Das wird ein neuer Anfang für uns.“

Der 23-jährige Michael McCabe arbeitet als Page in einem Hotel im Zentrum von Phoenix: „Nach der Arbeit gehe ich nach Hause und springe in den Pool, um mich abzukühlen. Danach sitze ich den Rest des Abends neben einem Ventilator.“

Hitzetodesfälle lassen sich verhindern, kommen aber immer häufiger vor. Laut der US-Umweltschutzbehörde haben Häufigkeit, Dauer und Intensität der Hitzewellen im Land in den vergangenen 50 Jahren stetig zugenommen. Nina Lakhani



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Von Veritatis

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