Diabetes ist die neunthäufigste Todesursache weltweit. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die Krankheit zu behandeln, eine davon ist die Akupunktur.

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist ein Überbegriff für verschiedene chronische Erkrankungen, bei denen der Körper den Blutzuckerspiegel nicht richtig regulieren kann. Der Typ-2-Diabetes kommt am häufigsten vor und betrifft hauptsächlich Erwachsene.

Dabei ist der Körper entweder resistent gegen Insulin oder stellt nicht genügend Insulin her, um den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht zu halten.

Weltweit leben etwa 420 Millionen Menschen mit Diabetes. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist Diabetes die neunthäufigste Todesursache weltweit. In Deutschland starben im vergangenen Jahr rund 150.000 Menschen an Diabetes, was es zur achthäufigsten Todesursache im Land macht.

Schätzungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zufolge belaufen sich die direkten Krankheitskosten bei Diabetes jährlich auf etwa 21 Milliarden Euro. Hinzu kommen die indirekten Kosten, die etwa durch Arbeitsausfälle und Frühberentung entstehen. Diabetes kann außerdem Komplikationen und Folgeerkrankungen nach sich ziehen wie Augenprobleme, Nierenversagen, Erkrankungen des Nervensystems, Herzprobleme und weitere.

Die richtige Behandlung von Diabetes erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der von einer gesunden Lebensweise bis hin zur Unterstützung durch ein Team von Gesundheitsfachkräften reicht. Zu diesen Fachkräften gehören Ärzte, Krankenschwestern, Ernährungsberater, zugelassene Akupunkteure und andere einschlägige Fachleute.

Traditionelle chinesische Medizin und Diabetes

Diabetes wurde in China seit mehr als 2000 Jahren erkannt und behandelt. Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) bezeichnete Diabetes als „Xiao Ke“ (消渴) oder als Krankheit der Auszehrung und des Dursts. 

In der TCM gelten häufiges Wasserlassen, Durst, übermäßiger Hunger und Gewichtsverlust als häufige Symptome von Xiao Ke. Diese Symptome ähneln denen von Typ-1-Diabetes und einigen Typ-2-Diabetes-Erkrankungen, bei denen nicht genügend Insulin produziert wird. Auszehrende Symptome sind bei Typ-2-Diabetes jedoch selten.

Der TCM nach entsteht Diabetes durch ein Ungleichgewicht im zyklischen Fluss des Qi (ausgesprochen „tschi“, die Energie oder Lebenskraft, die im Körper fließt) in den Meridianen – den Bahnen, durch die Qi, Blut und andere Körperflüssigkeiten fließen – und den Organsystemen. Dieses Ungleichgewicht erzeugt Hitze, die die Körperflüssigkeiten erschöpft.

In den Theorien der chinesischen Medizin wird Diabetes nach dem Konzept des San Jiao in drei Typen eingeteilt. San Jiao beschreibt die Körperhöhlen, die vor allem durch die freie Bewegung des Qi andere Organe beeinflussen können.

Patienten mit Diabetes des oberen Jiao (vor allem der Lunge) leiden unter Durst und trinken übermäßig viel Wasser, Patienten mit Diabetes des mittleren Jiao (vor allem der Milz und des Magens) leiden unter Hunger und essen übermäßig viel, während Patienten mit Diabetes des unteren Jiao (der Nieren) über Durst und häufiges Wasserlassen mit trübem Urin klagen.

Die chinesische Medizin geht auf jeden Diabetiker individuell ein. Von Akupunktur, Kräutermedizin, energetischen Übungen bis hin zur Änderung des Lebensstils gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die der Arzt auswählen und an den Patienten anpassen kann.

Die Behandlung konzentriert sich auf die Regulierung des Blutkreislaufs und des Qi sowie auf das Gleichgewicht der Organsysteme, um die Funktion der Bauchspeicheldrüse zu verbessern und den durch den hohen Blutzucker verursachten Flüssigkeitsverlust zu stoppen.

Akupunktur zur Behandlung von Diabetes

Die Weltgesundheitsorganisation erkennt die Akupunktur als wirksame Behandlungsmethode für mehrere Erkrankungen an: chronische Schmerzen, Migräne und Diabetes.

Bei der Akupunktur, einem wesentlichen Aspekt der traditionellen chinesischen Medizin, werden sehr kleine Nadeln (vorwiegend schmerzfrei) in strategisch wichtige Punkte des Körpers eingestochen.

Yishu – ein Punkt auf dem Rücken seitlich des 8. Brustwirbels – wird häufig eingestochen und zeigt bei der Behandlung von Diabetes Wirkung. Es gibt mehrere andere Meridiane im ganzen Körper, die ebenfalls bei der Akupunktur-Behandlung von Diabetes eingestochen werden.

Die Akupunktur hilft, die Funktion der Bauchspeicheldrüse und damit den Insulinspiegel zu regulieren. Sie ist auch wirksam bei der Behandlung von Schmerzen, die durch diabetische Neuropathie (Schädigung der Nerven durch hohen Blutzucker) entstehen. Ein Grund dafür ist, dass Akupunktur die Endorphine („Glückshormone“) stimuliert – Neurotransmitter, die das Schmerzempfinden blockieren.

Außerdem reduziert die Akupunktur die Cortisolproduktion. Cortisol ist ein Stresshormon, das den Blutzuckerspiegel erhöht. Die Akupunktur stärkt die Leber- und Nierenfunktion, womit das übermäßige Cortisol schnell ausgeschieden werden kann. Dies trägt letztlich dazu bei, die Teile des Körpers ins Gleichgewicht zu bringen, die den Zuckerspiegel nicht selbst regulieren können.

Je nach Patient können bei der Behandlung von Diabetes verschiedene Formen der Akupunktur zum Einsatz kommen. Dazu gehören die traditionelle Akupunktur, die Elektroakupunktur, die Handgelenk-Knöchel-Akupunktur und die Kräuterakupunktur.

Bei der traditionellen Akupunktur werden bestimmte Körperpunkte bei der Behandlung stimuliert. Die Krankengeschichte, das Alter und die Schwere der Erkrankung des Patienten beeinflussen, wie diese Form der Akupunktur angewendet wird.

Was die Elektroakupunktur anbelangt, zeigten mehrere Studien, dass sie ein wirksames Mittel zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels und zur Behandlung der mit der diabetischen Neuropathie verbundenen Schmerzen ist. Sie ist die typischste Form der Akupunktur, die bei der Behandlung von Diabetes eingesetzt wird. Der Akupunkteur setzt die Nadeln an bestimmten Punkten und schließt sie an ein Gerät an, das elektrische Impulse von einer Nadel zur anderen überträgt.

Bei der sogenannten Handgelenk-Knöchel-Akupunktur werden Akupunkturpunkte im Bereich der Handgelenke und Knöchel stimuliert, um vor allem Schmerzen zu lindern, die durch die periphere Neuropathie verursacht werden, die eine Folge von Diabetes ist.

Die Kräuterakupunktur ist eine beliebte Form der Akupunktur unter Akupunkteuren. Sie senkt den Blutzuckerspiegel. Dabei injiziert der Arzt Extrakte aus natürlichen Kräutern in die Akupunkturpunkte. Je nach den vorliegenden Symptomen und dem Alter werden unterschiedliche Kräuter verwendet.

Chinesische Kräutermedizin bei Diabetes

Neben der Akupunktur zeigte auch die chinesische Kräutermedizin bei der Behandlung von Diabetes starke Wirkungen. Menschen mit Diabetes habe Stoffwechselstörungen, wobei die Meridiane blockiert sind. Das verursacht ungewollt einen schlechten Qi- und Blutfluss. Die Folge ist eine Blutstauung in den Meridianen. Dadurch verliert die Bauchspeicheldrüse an Nährstoffen, was die Krankheit verschlimmert und zu Komplikationen führt.

Bei der Behandlung von Diabetes verwenden die TCM-Ärzte verschiedene Therapeutika, die bei verschiedenen Patienten wirken. Dazu gehören Liu Wei Di Huang und Da Bu Yin Wan. Die Wirkung dieser Präparate ist in der Regel in weniger als zwei Monaten spürbar.

Eine dieser Rezepturen enthält Shan Yao (Yamswurzel), Huang Qi (Astragaluswurzel), Fu Ling (Kiefernschwamm) und Cang Zhu (Atractylodes-Wurzel). Sie hilft, den Blutzuckerspiegel zu senken, indem sie die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse verbessert. Dies geschieht dadurch, dass das körpereigene Qi für eine starke Durchblutung sorgt und die Bauchspeicheldrüse mit ausreichend Blut versorgt. Auf diese Weise werden die Betazellen der Bauchspeicheldrüse repariert und ihre Funktion wieder hergestellt.

Ein anderes Präparat, Yu Quan Wan, erhöht das Qi in der Lunge und macht sie dadurch widerstandsfähiger. Da das Qi in der Lunge zunimmt, erhöht das die Lungenenergie, was wiederum für eine angemessene Zuckerverwertung sorgt.

Als Hauptorgan für den Flüssigkeitsstoffwechsel spielt die Niere bei Diabetes eine wichtige Rolle. Daher ist es wichtig, die Nieren zu stärken. Mit der besonderen Rezeptur Liu Wei Di Huang Wan werden die Nieren und die Leber genährt. Sie unterstützt zudem die Nebennieren dabei, den Blutzuckerspiegel zu regulieren.

Ferner zeigten Studien, dass der amerikanische Ginseng die Glukosetoleranz verbessert, weshalb er häufig Kräuterrezepturen hinzugefügt wird. Andere Kräuter können einer Rezeptur hinzugemischt werden, um Komplikationen von Diabetes wie periphere Neuropathie und verschwommenes Sehen zu behandeln.

Eine andere verschreibungspflichtige Rezeptur, die Dan Shen (Rotwurzsalbeiwurzel), San Leng (Sparganium-Wurzelstock), E Zhu (Zitwerwurzelstock) und Cang Zhu (Atractylodes-Wurzel) enthält, mildert Blutstauungen oder Blutstau, verbessert die Durchblutung, nährt die Bauchspeicheldrüse und öffnet die Kanäle für den Nährstofftransport.

Erste Schritte

Es ist vor einer Behandlung wichtig, einen guten Akupunkteur zu finden. Beim ersten Termin bespricht er die spezifischen Symptome, die Lebensweise, die Ernährung und die Gesundheitsziele des Patienten. Da die Behandlung einen ganzheitlichen Ansatz erfordert, wird der Akupunkteur mehr über andere Aspekte des Lebens des Patienten erfahren wollen, die möglicherweise eine Stressquelle darstellen.

Anhand der Besonderheiten der Erkrankung wird er dem Patienten einen speziellen Behandlungsplan empfehlen, der je nach Bedarf eine Behandlung vorsieht, die täglich oder zweimal wöchentlich durchgeführt werden könnte.

Studien zufolge haben Akupunktur und traditionelle chinesische Arzneimittel bei der Behandlung von Diabetes nur minimale Risiken. Abgesehen von den leichten Nebenwirkungen wie Schmerzen, gelegentlichen blauen Flecken oder leichten Blutungen ist die Akupunktur mit sterilen Nadeln weitgehend sicher.

Wer jedoch zu Blutungen neigt, weil er beispielsweise an Hämophilie (Bluterkrankheit) oder Vitamin-K-Mangel leidet, sollte sich nicht mit Akupunktur behandeln lassen oder sich des erhöhten Risikos von Blutergüssen bewusst sein.

Viele traditionelle chinesische Akupunkteure sind auch in der modernen Medizin gut ausgebildet, einige sind außerdem zugelassene Ärzte. Bevor man mit dieser Form der Behandlung beginnt, sollte man jedoch alle seine anderen Ärzte davon in Kenntnis setzen.

Noch hinzuzufügen wäre, dass die Akupunktur moderne Medikamente ergänzen und dazu führen kann, dass sie besser wirken. Bei der Behandlung sollten jedoch alle ungewöhnlichen Wirkungen oder Veränderungen den Ärzten mitgeteilt werden.

Literaturhinweise

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Dr. Jingduan Yang ist Neurologe, Psychiater und Experte für Akupunktur, chinesische Medizin und integrative Medizin. Er gründete das Yang-Institut für Integrative Medizin, die Tao-Klinik für Akupunktur und das American Institute of Clinical Acupuncture. Dr. Yang war Mitautor von zwei Büchern: „Facing East: Ancient Health and Beauty Secrets for the Modern Age“ (2016) und „Clinical Acupuncture and Ancient Chinese Medicine“ (2017).

Dieser Artikel erschien im Original auf The Epoch Times USA unter dem Titel: Ask a Doctor: Acupuncture and Traditional Chinese Medicine for Treating Diabetes (deutsche Bearbeitung von as)



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Von Veritatis

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